Südlicher Rotkehl-Nachtaffe

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Südlicher Rotkehl-Nachtaffe
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Nachtaffen (Aotidae)
Gattung: Nachtaffen (Aotus)
Art: Südlicher Rotkehl-Nachtaffe
Wissenschaftlicher Name
Aotus azarae
(Humboldt, 1811)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Südliche Rotkehl-Nachtaffe (Aotus azarae) zählt innerhalb der Familie der Nachtaffen (Aotidae) zur Gattung der Nachtaffen (Aotus). Im Englischen wird die Art Azara’s Night Monkey oder Azara's Night Monkey genannt. Es sind 3 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Südliche Rotkehl-Nachtaffe ist eine kleine Art der Nachtaffen und erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 240 bis 370 mm und eine Schwanzlänge von 316 bis 400 mm. Männchen erreichen ein Gewicht von 990 bis 1.580 (1.254) g, Weibchen weisen ein Gewicht von 1.010 bis 1.450 (1.246) g auf. Das Fell ist dorsal graubraun gefärbt, ventral zeigt sich eine rötlichbraune Färbung. Der lange Schwanz dient den Tieren nicht als Greiforgan. Der Kopf ist relativ lang, die Augen sind groß und weisen gut entwickelte Lider auf. Die Linsen der Augen dienen als Restlichtverstärker. In der Rezeptorzellschicht dominieren im Wesentlichen Stäbchenzellen. Die Stäbchenzellen sind deutlich lichtempfindlicher als die Zapfenzellen und ermöglichen somit das Sehen auch bei Dämmerung oder Dunkelheit. Doe Ohren sind klein und sind im dichten Fell kaum sichtbar. Das Gebiss besteht aus 36 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p3/3, m3/3. Die oberen Molaren verfügen jeweils über 4 Höcker, die unteren Molaren über 4 bis 5 Höcker (Nowak, 1999).

Lebensweise

Südliche Rotkehl-Nachtaffen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Den Tag über schlafen die Tiere an angestammten Schlafplätzen hoch oben in den Bäumen, zu denen sie täglich zurückkehren. In der Regel handelt es sich bei den Schlafplätzen um Baumhöhlen oder ähnlich geschützten Stellen. Die Art lebt in kleinen, monogen Gruppen, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs aus mehreren Würfen bestehen. Nicht verpaarte und geschlechtsreife Tiere leben einzelgängerisch. Geschlechtsreife Tiere werden aus der Familiengruppe ausgestoßen. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern sich beide Geschlechter gleichermaßen. Südliche Rotkehl-Nachtaffen sind territorial und beanspruchen ein Revier in einer Größe von 1,3 bis 18 ha. Die Reviergröße steht in Abhängigkeit mit den Nahrungsressourcen. Die Reviere mehrerer Gruppen überlappen sich (Fernandez-Duque, 2007).

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005:

Verbreitung und Lebensraum

Südliche Rotkehl-Nachtaffen kommen in Südamerika in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Peru vor. In Brasilien werden die Bundenstaaten Maranhão, Mato Grosso, Pará und Tocantins besiedelt, In Argentinien sind es die Provinzen Chaco und Formosa. Die verteilung der 3 Unterarten ergibt sich wie folgt: Aotus azarae azarae tritt in den südlichen und westlichen Regionen der argentinischen Privinz Chaco, in Formosa/Argentinien und in Paraguay auf. Aotus azarae boliviensis kommt in von Peru bis in den Süden Boliviens vor. Aotus azarae infulatus tritt in Brasilien in Erscheinung. Je nach Unterart und Vorkommen liegt die Siedlungsdichte bei 12,8 bis 60 Individuen je km². Südliche Rotkehl-Nachtaffen besiedeln primäre und sekundäre Wälder sowie saisonal überflutete Auwälder und Nebelwälder. Die Vorkommen reichen in den Ausläufern der Anden bis in Höhen von gut 3.200 m über NN. In dem südlichen Regionen des Chaco tritt die Art auch in trocknen Galeriewäldern auf (IUCN, 2011).

Ernährung

Der Südliche Rotkehl-Nachtaffe gilt als Allesfresser. Die Art ernährt sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost. Zu den pflanzlichen Nahrungsteilen gehören Blätter, junge Triebe, Sämereien, Körner, Nüssem Blüten, Nektar und Früchte. An tierischer Nahrung nimmt der Südliche Rotkehl-Nachtaffe Gliederfüßer (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) und Spinnentiere (Arachnida), aber auch kleine Vögel (Aves) und deren Eier sowie Reptilien (Reptilia) zu sich. Beutetiere werden über den hoch entwickelten Gehörsinn und über den Sehsinn lokalisiert (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Art in freier Wildbahn wahrscheinlich erst im Alter von 4 bis 5 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt wird das adulte Gewicht erreicht. Die meisten Geburten fallen in Peru zwischen August und Februar, in Argentinen zwischen März und Juni. Nach einer Tragezeit von 126 bsi 133 Tagen bringt ein Weibchen meist 1, selten auch 2 Jungtiere zur Welt. Die Jungen weisen ein Geburtsgewicht von 91 bis 105 g auf. Die Säugezeit erstreckt sich über 5 bis 12 Monate. Beide Geschlechter nehmen an der Aufzucht des Nachwuchses gleichermaßen teil. In den ersten Lebenswochen klammert sich ein Jungtier am Bauch der Mutter fest. In den folgenden Lebenswochen wird es auch von Vater getragen. Die Lebenserwartung ist unbekannt (Nowak, 1999).

Gefährdung und Schutz

Südliche Rotkehl-Nachtaffen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Südlichen Rotkehl-Nachtaffen in Anhang II unter weltweitem Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die größte Gefahr von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume und von menschlichen Siedlungen aus. Vor allem die Abholzung der Regenwälder und die Brandrodung, aber auch die Bejagung setzen der Art in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes massiv zu. Insbesondere in Brasilien fallen weite Landstriche landwirtschaftlichen Flächen zum Opfer. Zahlreiche Tiere werden zudem für medizinische Zwecke gefangen. Trotz aller Gefahren zeichnet sich die Art durch eine hohe Anpassungsfähigkeit bei neuen Umweltsituationen aus (IUCN, 2011; Nowak, 1999).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Art unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind A. miriquouina (É. Geoffroy, 1812) A. bidentatus Lönnberg, 1941 und A. roberti Dollman, 1909 beakannt. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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