Südlicher Zwergwal

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Südlicher Zwergwal

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
Familie: Furchenwale (Balaenopteridae)
Gattung: Balaenoptera
Art: Südlicher Zwergwal
Wissenschaftlicher Name
Balaenoptera bonaerensis
Burmeister, 1867

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Der Südliche Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis) gehört innerhalb der Familie der Furchenwale (Balaenopteridae) zur Gattung Balaenoptera. Im Englischen wird dieser Südliche Zwergwal Antarctic Minke Whale genannt. Die Art ist auch unter dem Synonym huttoni (Gray, 1874 in Wilson & Reeder, 2005) bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Südliche Zwergwal erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 630 bis 1020 cm. Weibchen bleiben mit einer Durschnittslänge von 890 cm ein wenig größer als Männchen mit etwa 835 cm Durchschnittslänge. Das Gewicht liegt bei Männchen bei durchschnittlich 6.850 kg, das Maximalgewicht bei rund 11 Tonnen. Dorsal weist die Haut eine dunkelgraue Färbung auf, ventral zeigt sich eine weißliche bis cremefarbene Färbung. Der Körperbau ist lang gestreckt und äußerst schlank. Der Kopf läuft zur Schnauze hin spitz zu, wobei der Kopf rund ein Viertel der Gesamtlänge ausmacht. Die Schnauze ist lang und flach gehalten, der Oberkopf ist durch zwei Blaslöcher gekennzeichnet. Die schmalen Brustflossen sitzen unmittelbar hinter dem Kopf und sind paddelartig spitz zulaufend. Weißliche Markierungen an den Brustflossen fehlen. Die eher kleine und hakenförmig geformte Rückenfinne sitzt dorsal im hinteren Drittel des Rückens (Nowak, 1999).

Lebensweise

Südliche Zwergwale sind nur wenig gesellig. Man trifft sie für gewöhnlich einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen von 2 bis 4 Individuen an. Die Kleinstgruppen weisen keine feste Zusammensetzung auf. Südliche Zwergwale gelten als gute und ausdauernde Schwimmer. Die maximale Schwimmgeschwindigkeit liegt bei etwa 20 km/h. Mit eher langsamen Schwimmbewegungen gehen Südliche Zwergwale auf Nahrungssuche. Die Tauchzeiten liegen durchschnittlich bei rund 2 bis 6 Minuten. Sie können jedoch auch im Extremfall bis zu 20 Minuten lang tauchen (Nowak, 1999; IUCN, 2011).

Verbreitung

Der Südliche Zwergwal ist in der südlichen Hemisphäre sowohl in polaren als auch in tropischen Gewässern zu Hause. In den nördlichen Regionen des Verbreitungsgebietes tritt eine Überschneidung mit dem Nördlichen Zwergwal (Balaenoptera acutorostrata) auf. Besiedelt werden der südliche und zentrale Atlantik, der westliche Indische Ozean sowie der südwestliche und der südöstliche Pazifik. Im Süden reichen die Vorkommen im Sommer bis nahe an die Packeisgrenze heran. Saisonal kommt es zu umfangreichen Wanderungen zwischen den Fortpflanzungs- und Nahrungsgründen. Letztere liegen in den südlichen Regionen, die Fortpflanzungsgründe in den tropischen Regionen (IUCN, 2011).

Biozönose

Ein ausgewachsener Südlicher Zwergwal hat aufgrund seiner Größe kaum natürliche Feinde. Im Grunde zählt der Mensch mit seinen Fangflotten zu den Feinden der Südlichen Zwergwale. Jungtiere und Kälber können jedoch einem Großen Schwertwal (Orcinus orca) zum Opfer fallen. Ähnliches gilt für kranke und schwache Tiere (Nowak, 1999).

Ernährung

Beliebte Beutetiere: Antarktischer Krill (Euphausia superba)
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Beliebte Beutetiere: Antarktischer Krill (Euphausia superba)

Südliche Zwergwale ernähren sich ausschließlich von Kleingetier. Die Hauptnahrung besteht fast ausschließlich aus Antarktischem Krill (Euphausia superba). Kleinmengen an Euphausia crystallorophias, Euphausia frigida und Thysanoessa macrura wurden ebenfalls nachgewiesen. Die Nahrungssuche erfolgt meist in den frühen Morgenstunden und den späten Abendstunden. Die Nahrungsgründe liegen für gewöhnlich in der Nähe der Packeisgrenze. Pro Tag nehmen die Tiere bis zu 5% des Körpergewichtes an Nahrung zu sich (Nowak, 1999; IUCN, 2011).

Fortpflanzung

Südliche Zwergwale erreichen die Geschlechtsreife im Alter von durchschnittlich 8 Jahren. Sowohl die Paarung als auch die Geburt des Nachwuchses erfolgt im Winter in tropischen bis subtropischen Gewässern nahe des Äquators. In den arktischen Gewässern könnte der Nachwuchs nicht überleben, da er unmittelbar nach der Geburt noch über keine ausreichend isolierende Fettschicht verfügt. Nach einer Tragezeit von 10 Monaten bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Das Kalb eines Südlichen Zwergwals weist ein Geburtsgewicht von rund 270 cm auf. Die Säugezeit erstreckt sich in der Regel über 3 bis 6 Monate. Auch wenn Kälber schon weit entwickelt zur Welt kommen, so sind sie jedoch vollständig auf den Schutz der Mutter angewiesen. Zwischen der Mutter und ihrem Kalb herrscht eine sehr enge und innige Beziehung, die über zwei Jahre aufrecht erhalten bleibt. Die Väter spielen im übrigen aufgrund der polygamen Lebensweise bei der Aufzucht des Nachwuchses keine Rolle. Nach spätestens zwei Jahren löst sich ein Jungtier von der Mutter. Südliche Zwergwale können unter günstigen Umständen ein Alter von 30 Jahren erreichen. Der älteste Südliche Zwergwal erreichte ein Alter von über 70 Jahren (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Südliche Zwergwale wurden seit jeher bejagt, jedoch wird den anderen Bartenwalen deutlich stärker nachgestellt. Seit 1986/87 ist die Art durch das internationale Walfangmoratorium geschützt und die Bejagung ist stark eingeschränkt. Die Fänge erfolgen vor allem in der Antarktis und vor der brasilianischen Küste (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Furchenwale (Balaenopteridae)
  • Die Ordnung der Wale (Cetacea)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Mark Carwardine: Wale und Delfine in europäischen Gewässern. Delius Klasing Verlag, 2003 ISBN 3768814564
  • Karl Müller: Wale und Delfine. Karl Müller Verlag, Kön (2004) ISBN 3833601329
  • Mark Simmonds: Wale und Delfine der Welt. Delius Klasing Verlag, 2006 ISBN 3768817660

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