Savannenbussard

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Savannenbussard

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Schwarzbussarde (Buteogallus)
Art: Savannenbussard
Wissenschaftlicher Name
Buteogallus meridionalis
(Latham, 1790)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Savannenbussard (Buteogallus meridionalis), auch unter dem Synonym Heterospizias meridionalis bekannt, zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Schwarzbussarde (Buteogallus). Im Englischen wird der Savannenbussard savanna hawk genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Früher wurde die Art in eine separate monotypische Gattung der Froschhabichte (Heterospizias) gestellt (Hellmayr & Conover 1949, Friedmann 1950, Meyer de Schauensee 1970), jedoch zeigte Plótnick (1956), dass diese Art in die Unterfamilie der Bussardartigen (Buteoninae) gehört und nicht in die Unterfamilie Habichte und Sperber (Accipitrinae), zuvor von Amadon (1949), Amadon & Eckelberry (1955) und Amadon (1982) vertreten. In jüngster Zeit zeigten mitochondriale Gen-Studien von Raposo do Amaral (2006), dass eine engere Beziehung zwischen dieser Art und dem Weißhalsbussard (Leucopternis lacernulatus) besteht und weitere Ergebnisse zeigten, dass der Savannenbussard eher der Gattung der Weißbussarde (Leucopternis) zuzuordnen ist, zu der auch die Arten Leucopternis plumbeus, Leucopternis schistacea, Leucopternis lacernulatus, Buteogallus urubitinga und Harpyhaliaetus coronatus angehören. Die Populationen in Paraguay, im Südosten Brasiliens und im Norden Argentiniens wurden aufgrund ihrer geringeren Größe (Wetmore 1965) als eine Unterart rufulus angesehen. Diese Form war angeblich von Swann (1921) australis genannt. Die meisten neueren Autoren, darunter Bierregaard (1994), haben nicht die Gültigkeit dieser Art als Unterart akzeptiert und betrachteten die Art somit als monotypisch.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Savannenbussard im Flug
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Savannenbussard im Flug

Der Savannenbussard ist ein mittelgroßer Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 46,0 bis 61,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 845,0 Gramm, wobei das Weibchen größer und schwerer ist als das Männchen. Das Gefieder weist eine rotbraune Färbung auf und ist oben mit grauen Marmorierungen besetzt. Die Unterseite zeigt eine etwas hellere rotbraune Färbung und ist zusätzlich mit feinen schwarzen Streifen versehen. Die Schwungfedern der langen und breiten Flügel sind schwarz gefärbt. Die Iris der Augen zeigt eine dunkelbraune Tönung. Der Schnabel ist von einer dunkelgrauen bis schwarzen Färbung. Die Wachshaut weist eine gelbliche Tönung auf. Der Schwanz ist schwarz-weiß gebändert und die extrem langen Extremitäten weisen eine gelbliche Färbung auf und die spitzen scharfen Klausen sind von einer schwarzen Färbung. Die Jungvögel sind ähnlich wie die Erwachsenen in der Gefiederfärbung, jedoch haben sie ein mattes dunkleres Obergefieder. Die Unterseite dagegen ist blasser gefärbt und eine gröbere Streifung auf. Des Weiteren erkennt man im Gesicht der Jugendlichen einen weißlichen Überaugenstreif.

Lebensweise

Der Savannenbussard ist ein Teilzieher, wodurch lokale Bewegungen als Reaktion auf kurzfristige Umweltschwankungen stattfinden. In Zentral-Argentinien migrieren die Brutvögel außerhalb der Brutzeit nicht ins nördliche Argentinien, ins südamerikanische Pantanal und eventuell weiter nach Norden. Der Savannenbussard tritt im Flachland, in Savannen oder in anderen offenen, meist trockenen Lebensräumen mit vereinzelten Bäumen und Mangroven auf. Des Weiteren trifft man ihn oft entlang der Meeresküsten, an Waldrändern oder entlang an Straßen und Autobahnen. In Französisch-Guayana meidet der Savannenbussard Sümpfe und Reisfelder. Typischerweise verweilt er auf Zäunen, Stromleitungen oder Erdhügel oder bewegt sich auch des öfteren zu Fuß auf dem Boden. Der Savannenbussard lebt einzeln oder manchmal auch in kleinen Gruppen, besonders bei Grasbränden sieht man dann den Savannenbussard häufig in kleinen Trupps. In Fanzösisch-Guayana hält er sich regelmäßig und weit verbreitet in küstennahen Savannen und auf Weiden, die mit Wald umgeben sind, auf. Jedoch meidet er Sümpfe und Reisfelder. In Guyana wird er häufiger auf frisch gepflügten Feldern oder in Bereichen, wo junger Zuckerrohr sprießt, gesehen. In Brasilien verweilt er häufig auf Zäunen oder auf Erdhügel, die in Savannen vorkommen. Des Weiteren hält er sich an Sumpfränder und in Mangroven auf. Ferner tritt der Savannenbussard in Rio Grande do Sul im Grünland, auf geernteten Reisfeldern und auf Weiden auf.

Verbreitung

Savannenbussard im Flug
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Savannenbussard im Flug

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Savannenbussard in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Französisch-Guyana, Guyana, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay und Venezuela. Zu seinen Lebensräumen zählen unter anderem subtropische und tropische Wälder mit Mangroven-Vegetation in höher gelegenen Regionen, trockene Savannen, subtropisches und tropisches Grünland mit saisonbedingten Überschwemmungen, Feuchtbiotope (Inland) wie Moore, Sümpfe und Torfmoore, landwirtschaftliche Nutzflächen sowie Weidelandschaft, subtropische und tropische stark degradierte ehemalige Wälder.

Ernährung

Der Savannenbussard ernährt sich von kleinen Säugetieren, Vögeln, Schlangen, Eidechsen, Fröschen, Kröten, Aalen, Krabben und von großen Insekten. Er jagt meist von einem niedrigen Ast und stürzt sich dann in einem Gleitflug auf die Beute. Häufig folgt er Grasbränden oder Landmaschinen zu Fuß und erbeutet die aufgescheuchten Tiere, manchmal in großen Gruppen. In Argentinien nimmt er auch den Reihern (Ardeidae) gelegentlich Beutetiere ab. In Panama folgt er regelmäßig Grasbränden und macht jagt auf große Insekten und Eidechsen. Zusammen mit Ratten und Mäusen bilden diese ihre Hauptnahrung. Gelegentlich werden auch Fliegenschnäpper (Muscicapidae) gejagt. In Suriname ernährt sich der Savannenbussard von kleinen Säugetieren, Schuppenkriechtieren (Squamata) (einschließlich Ameiven (Ameiva ameiva) und junge Grüne Leguane (Iguana iguana). Ferner werden Schlangen und mittelgroße Insekten, wie Heuschrecken, verzehrt. In Brasilien besteht sein Nahrungsspektrum aus Amphibien, großen Insekten, Krebsen, Schuppenkriechtieren (Ameiven und Grüne Leguane) und gelegentlich auch Vögel wie der Guirakuckuck (Guira guira).

Savannenbussard
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Savannenbussard

Einige Individuen besitzen die Fähigkeit, grabende Schlankblindschlangen (Leptotyphlopidae) zu erbeuten. Ferner verzehrt der Savannenbussard Fische, Krebse und auch Wurzelwerk. In Argentinien besteht die Nahrung hauptsächlich aus kleinen Wirbeltieren und großen Insekten. In der Brutzeit von Oktober bis November werden auch Ameisen (Formicidae) wie zum Beispiel Atta wollenweideri und große Heuschrecken verspeist. Des Weiteren verzehrt der Savannenbussard tote Tiere, wie Schlangen und Frösche, die auf der Straße überfahren wurden. Aber auch vor lebenden Fröschen macht der Savannenbussard nicht halt, darunter zählen die Laubfrösche (Hylidae) und Leptodactylidae. Gelegentlich schnappt er die Fische den Reihern, einschließlich Cocoireiher (Ardea cocoi) und Marmorreiher (Tigrisoma lineatum), weg.

Fortpflanzung

Auch hier findet die Brut je nach Verbreitungsgebiet zu unterschiedlichen Jahreszeiten statt, in der Regel von Februar bis in den späten Dezember hinein. Der Horst ist eine große, solide Plattform, bestehend aus trockenen Ästen und Zweigen. Innen wird er mit Gras oder Flechten Usnea sulcata ausgekleidet. Der Horst befindet sich auf einem isolierten Baum in der Savanne, auf einem großen Baum am Waldrand oder in einer großen Palme. Meist ist der Horst jedoch in einer vertikalen Astgabel in einem hoch gewachsenen Baum, etwa 6 bis 12 Meter über dem Boden, platziert. Die Baumarten, die am häufigsten für den Horstbau verwendet werden, sind unter anderem Schinopsis balansae, Astronium balansae, Tabebuia nodosa, Diplokeleba florifunda, Chloroleucon tenuiflorum, Pachyramphus spp. und Prosopis sp. Das Gelege besteht aus 1 bis 2 Eiern. Sie weisen eine weiße oder blau-weiße Färbung auf und sind mit rotbraunen und braunen Flecken, verstreuten kleinen zimtfarbenen Lichtflecken oder mit dünnen schwarzen und rotbraunen Linien besetzt. Die Eier messen etwa 59,1 x 47,2 Millimeter (56,0-63,1 x 45,4-49,1 Millimeter) und das Gesamtgewicht liegt bei etwa 65,8 Gramm (60,0 bis 72,0 Gramm). Die Inkubationszeit in Argentinien beträgt 35 bis 36 Tage und die Nestlingszeit dauert etwa 48 bis 55 Tage. Während der Inkubation- und Nestlingszeit versorgt das Männchen das Weibchen und die Nestlinge reichlich mit Nahrung. Nach etwa 5 bis 6 Wochen verlassen die Jungvögel den Horst und halten sich noch bis zu 8 Wochen in der Nähe des Nistplatzes auf.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Savannenbussard heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Er ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Savannenbussard selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Savannenbussard als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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