Schönbär

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Schönbär

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Bärenspinner (Arctiidae)
Unterfamilie: Arctiinae
Gattung: Callimorpha
Art: Schönbär
Wissenschaftlicher Name
Callimorpha dominula
(Linnaeus, 1758)

Der Schönbär (Callimorpha dominula), auch als Spanische Fahne sowie unter den Synonymen Hypercampa dominula und Eyprepia dominula bekannt, zählt innerhalb der Familie der Bärenspinner (Arctiidae) zur Gattung Callimorpha. Im Englischen wird der Schönbär Scarlet tiger moth genannt. Aufgrund der großen Ähnlichkeit mit dem Russischen Bären (Euplagia quadripunctaria) kommt es häufig zu Verwechslungen.

Für das Jahr 2010 wurde der Schönbär am 10. Dezember 2009 vom BUND NRW Naturschutzstiftung und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. zum Schmetterling des Jahres gewählt. Mit der Wahl dieses Falters soll auf die zunehmende Klimaerwärmung aufmerksam gemacht werden. Des Weiteren ist der Schönbär auf lichte, feuchte und halbschattige Wälder angewiesen, die jedoch durch intensive Forstwirtschaft und Trockenlegung von Kleingewässern im Wald immer seltener werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der verhältnismäßige schlanke und mittelgroße Schönbär erreicht eine Flügelspannweite von etwa 45 bis 60 Millimeter und die Raupen sind etwa 40 bis 50 Millimeter lang. Aufgrund seines langen Saugrüssels, der erheblich in eingerolltem Zustand über dem Kopf ragt und der undurchsichtigen schuppigen Flügel unterscheidet sich der Schönbär von allen anderen Arten aus der umfangreichen Familie der Bärenspinner (Arctiidae). Mit dem langen Saugrüssel kann der Schönbär flüssige Nahrung wie Nektar aufnehmen. Eine weitere Eigenart ist die Struktur der mittellangen fadenartigen Fühler, die bei beiden Geschlechtern im Gegensatz zu den anderen Arten aus der Gattung Callimorpha nicht gezähnelt oder kammartig erscheinen. Die Taster sind von gleicher Länge wie die beiden unteren Gelenke. Der Körper ist im hinteren Bereich viel kürzer und weist eine eiförmige Form auf. Die Flügel sind insgesamt ganzrandig und die Extremitäten sind schwarz getönt. Der Schönbär ist ein eleganter Falter und weist eine dekorative Musterung auf. Die Flügel sind schwarz und glänzend mit einem feinen seidigen grünlichen Glanz überzogen. Jeder Flügel ist mit einem Dutzend cremefarbenen oder gelblichen Flecken in unterschiedlicher Größe verziert. Die beiden größten Flecken befinden sich in der Mitte der Flügel. Die sekundären Flügel sind von einer feinen karminroten Färbung und sind mit drei großen unregelmäßigen schwarzen Flecken gezeichnet. Der Rand aller Flügel ist schwarz gezeichnet. Der Thorax weist eine schwarze und grünliche Färbung auf und ist mit zwei länglichen gelblichen Flecken versehen. Das Abdomen weist dieselbe Färbung auf wie die unteren Flügel. Das basale Segment und die dorsale Linie sind von einer schwarzen Färbung und die Unterseite weist eine schillernde grünliche Tönung auf. Bemerkenswert sind diejenigen Exemplare, die statt einer roten eine blassgelbe Färbung aufweisen. Des Weiteren ist der Bauch ganz schwarz gefärbt und die unteren Flügel erscheinen bei einigen Exemplaren mattbraun. Die Raupe dagegen ist von einer schmutzig gelben Färbung mit zahlreichen kleinen schwarzen Flecken am Kopf und am Körper. Nach der ersten Häutung weist die Raupe eine schwarze Färbung und drei gelbliche Längslinien auf. Eine auf dem Rücken und auf jeder Seite eine Längslinie. Der schwarze Bereich ist mit vielen kleinen blauen Knötchen übersät, auf denen sich divergierende graue Härchen befinden.

Lebensweise

Die Raupe lebt im April und Mai auf der Gewöhnlichen Hundszunge (Cynoglossum officinale), ferner auf den Taubnesseln (Lamium), an Sal-Weiden (Salix caprea), an Eschen (Fraxinus), Vogelbeere oder Eberesche (Sorbus aucuparia), auf Kleinen Brennnesseln (Urtica urens), Brombeere (Rubus fruticosus), Erdbeeren (Fragaria), Schlehdorn (Prunus spinosa). Der Schönbär zählt zwar biologisch zu den Nachtfaltern, fliegt jedoch am Tage. Der Falter ist sehr selten und man trifft ihn nur vereinzelt an. Der Schönbär fliegt im Juni und Juli in halbschattigen Waldungen auf Attich, Wilder-Holunder oder Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus).

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Schönbär

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Falters erstreckt sich über Nord-, Mittel- und Südeuropa. In südöstlicher Ausrichtung sind sie bis in den Nahen Osten verbreitet. Vorwiegend findet man den Falter an feuchten, sonnigen bis halbschattigen Orten, zum Beispiel auf Waldwiesen und an Bachufern. Der Falter ist nicht häufig anzutreffen. Die gelb und schwarz gezeichneten Raupen entwickeln sich an vielen verschiedenen Kräutern und Holzgewächsen.

Ernährung

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Schönbär

Die Falter saugen an den Blüten verschiedenster blütentragender Pflanzen. Dazu gehören unter anderem der Wasserdost (Eupatorium cannabinum), der Gemeine Dost (Origanum vulgare), verschiedene Disteln der Gattung Cirsium und ähnliche Pflanzen. Die Raupen fressen unter anderem an den Blättern von Rosengewächsen der Gattung Rubus, an Brennesseln der Gattung Urtica sowie an verschiedenen Laubgehölzen.

Forpflanzung

Die Eiablage erfolgt durch das Weibchen in kleinen Gruppen auf die Blätter von Futterpflanzen. Nach einer Entwicklungszeit von gut zwei Wochen schlüpfen die jungen Raupen. Die Raupen sind von einer schmutzig gelben Färbung mit zahlreichen kleinen schwarzen Flecken am Kopf und am ganzen Körper. Nach der ersten Häutung weist die Raupe eine schwarze Färbung und drei gelbliche Längslinien auf. Eine Längslinie auf dem Rücken und auf jeder Seite ebenfalls eine Längslinie. Der schwarze Bereich ist mit vielen kleinen blauen Knötchen bzw. Warzen übersät, auf denen sich divergierende graue Härchen befinden. In der Endphase ihrer Entwicklung erreichen sie eine Körperlänge von etwa 40 bis 50 Millimeter. Im September beginnt für die Raupen die Überwinterung in den untern Krautschichten ihres Lebensraumes. Im Juni des Folgejahres ist die Entwicklung der Raupen abgeschlossen und die Verpuppung beginnt. Hierzu spinnen sie sich in ein Gespinst aus weißgrauer gefärbter Seide in Bodennähe ein. Nach etwa vier bis fünf Wochen erfolgt dann der Schlupf des fertigen Falters. Es kommt nur zu einer Generation pro Jahr.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Kosmos, 2003 ISBN 3440093301
  • Leon Rogez: Schmetterlinge und Raupen. Ensslin im Arena Verlag, 2006 ISBN 3401452541
  • Thomas Ruckstuhl: Schmetterlinge und Raupen. Gondrom Verlag, 2001 ISBN 3401452541
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Valerio Sbordoni, Saverio Forestiero: Weltenzyklopädie der Schmetterlinge Arten, Verhalten, Lebensräume. München Südwest Verlag, 1985 ISBN 3-517-00876-1
  • Dr. Frieder Sauer: Sauers Naturführer Raupe und Schmetterling. Karlsfeld Fauna-Verlag, 1988, 4. Auflage ISBN 3-923010-00-1
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