Schlanke Bernsteinschnecke

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Schlanke Bernsteinschnecke

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Überfamilie: Succineoidea
Familie: Bernsteinschnecken (Succineoidea)
Unterfamilie: Oxylomatinae
Gattung: Oxyloma
Art: Schlanke Bernsteinschnecke
Wissenschaftlicher Name
Oxyloma elegans
(Risso, 1826)

Die Schlanke Bernsteinschnecke (Oxyloma elegans), auch unter den Synonymen Cyclostoma elegans, Oxyloma pfeifferi, Succinea dunkeri, Succinea elegans und Succinea pfeifferi bekannt, zählt innerhalb der Familie der Bernsteinschnecken (Succineoidea) zur Gattung Oxyloma. Im Englischen wird die Schlanke Bernsteinschnecke slender amber snail genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Die Deutsche Malakozoologische Gesellschaft wählte in Kooperation mit dem NABU am 23. November 2011 die Schlanke Bernsteinschnecke (Oxyloma elegans) zum Weichtier des Jahres 2012.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Gehäuse der Erwachsenen weist eine Höhe von etwa 16,0 bis 20,0 Millimeter und eine Breite von etwa 8,0 bis 9,0 Millimeter auf. Die schlanke Schnecke weist eine dunkle rauchgraue Färbung auf und ist mit vielen dunklen Flecken auf dem Rücken versehen. Die oberen Fühler sind beinahe schwarz getönt und von der Basis bis zur Mitte wirken die Fühler etwas verdickt, nehmen dann allmählich in der Breite ab und enden in eine stumpfe Spitze. Die unteren Fühler sind sehr kurz und kaum sichtbar. Das Gehäuse ist eirund und ist in der Farbe variabel. Die Farbe reicht von rötlich, bernsteinfarben bis strohgelb. Des Weiteren íst das Gehäuse ziemlich dünn, durchscheinend und glänzend. Die Oberfläche des Gehäuses zeigt deutlich hellere und dunklere Jahresringe. Das Gewinde hat drei bis vier schiefe Umgänge. Der unterste Umgang ist sehr groß und bauchig. Der Scheitel wirkt etwas stumpf. Die Mündung ist eiförmig, sehr groß und höher als breit. Der Mundsaum ist einfach und ungenabelt.

Lebensweise

Die Schlanke Bernsteinschnecke hält sich an Ufern der Teiche und Bäche auf. Auch auf feuchten Wiesen und unter Hecken ist die Schlanke Bernsteinschnecke anzutreffen. Häufig trifft man die Schlanke Bernsteinschnecke auf Pflanzen an, die im Wasser stehen. Sie toleriert vorübergehende Überschwemmungen und lebt auch in Orten mit wenig Vegetation. Sie ernährt sich von welken Pflanzenteilen. Auch wenn die Schlanke Bernsteinschnecke zu den Landlungenschnecken (Stylommatophora) zählt, so verrät doch der Bau dieser Art und dessen Lebensweise, eine nahe Verwandtschaft mit den Süßwasserschnecken. Man findet die Schlanke Bernsteinschnecke an feuchten sumpfigen Orten, gewöhnlich an Wasserpflanzen, und nicht selten an solchen, die beständig von Wasser umgeben sind.
Gemeiner Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica)
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Gemeiner Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica)
Ihre oberen Fühler sind an der Basis breit und dadurch den der Limnäen ähnlich. Hingegen sind die unteren Fühler sehr kurz und kaum sichtbar.

Die Schlanke Bernsteinschnecke ist ein potentieller Zwischenwirt für Saugwürmer. Am wunderbarsten aber ist die Übertragung der in der Schlanken Bernsteinschnecke lebenden, als Leucochloridium bekannten Sporocyste des Saugwurmes Urogonimus macrostomus auf seinen Wirt, einen Singvogel: Die stark verzweigte Sporocyste ist braun-weiß oder grün-weiß geringelt und schiebt sich von innen, in einen Fühler der Schlanken Bernsteinschnecke, den sie stark verdickt, so dass er einer Insektenlarve gleicht. Dazu streckt und verkürzt sie sich rhythmisch, so dass die Larvenähnlichkeit des Gebildes durch seine Bewegung noch erhöht wird. Pickt nun der Singvogel diese Lockspeise auf, so infiziert er sich mit dem Saugwurm. Dieser Vorgang kann sich bei der Schlanken Bernsteinschnecke mehrfach wiederholen, da der Fühler schnell wieder heilt und sich ein neuer Schlauch in ihn einschieben kann. Hier ist das Stadium der freilebenden Schwanzlarve unterdrückt und ebenso können auch andere Larvenstadien unterdrückt oder sogar verdoppelt werden.

Verbreitung

Die Schlanke Bernsteinschnecke ist von Nordafrika über Europa bis nach Nord-Asien verbreitet. Im Norden von Skandinavien fehlt sie und Österreich wird die Schlanke Bernsteinschnecke als bedroht gelistet.

Ernährung

Infizierte Schnecke mit dem Saugwurm Leucochloridium paradoxum
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Infizierte Schnecke mit dem Saugwurm Leucochloridium paradoxum

Die Schlanke Bernsteinschnecke ernährt sich vorwiegend von den abgestorbenen und faulenden Pflanzenteilen des Gewöhnlichen Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica). Ferner nimmt sie auch Algen und organische Reste vom Boden auf.

Fortpflanzung

Die Schlanke Bernsteinschnecke ist wie alle Landlungenschnecken (Stylommatophora) ein Zwitter. Sie produziert in einem Organ, der Zwitterdrüse in der Spitze des Gehäuses, sowohl Ei-, als auch Samenzellen. Alle anderen Organismen, die üblicherweise als Zwitterwesen bezeichnet werden, sind Hermaphroditen, d. h. sie produzieren in zwei Organen, den Keimdrüsen, Ei- und Samenzellen getrennt voneinander. Die Geschlechtsöffnung liegt oberhalb des Mundes. Die gesamte Kopulation bei der Schlanken Bernsteinschnecke beträgt etwa ein bis zwei Stunden. Die Begattung kann wechselseitig sein, indem jeder Partner dem anderen Samenzellen zur Befruchtung der Eier überträgt. Meist fungiert aber ein Partner als Männchen, der andere als Weibchen. In dem Fall gibt nur das Männchen die Samenzellen ab. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Geschlechterrollen getauscht werden. Durch die Form und Beschaffenheit der Eier ist ihre Annäherung zu den Wasserschnecken noch viel auffallender. Sie sind nicht isoliert wie bei den Landlungenschnecken (Stylommatophora), sondern in einer Masse von 18 bis 20 an der Zahl verbunden. Die Eier liegen drei- bis vierschichtig übereinanderliegend. Sie haben keine Schale, sind rund, durchsichtig und farblos. Auch haben sie einen Dotter, welcher den Landlungenschnecken (Stylommatophora) fehlt. Der Dotter ist hochgelb, undurchsichtig, zur Seite liegend und ist wie ein Pünktchen sichtbar. Die Schlanke Bernsteinschnecke legt die Eier nur an bewachsene Ufer, die beständig vom Wasser bespült werden. Aufgrund dessen trifft man die Brut schon in den ersten Frühlingstagen in großen Ballen unmittelbar an den Ufern an.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Die Schlanke Bernsteinschnecke (Oxyloma elegans)
  • Michael P. Kerney, Robert A. D. Cameron, Dr. Dr. Jürgen H. Jungbluth: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde. Hamburg und Berlin, Verlag Paul Parey, 1983 ISBN 3-490-17918-8
  • Dr. Václav Pfleger: Schnecken und Muscheln Europas. Land- und Süßwasserarten. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1984 ISBN 3-440-05261-3
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
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