Schlieffen-Fledermaus

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Schlieffen-Fledermaus
Foto/Zeichnung folgt.

Taxonomie
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Unterfamilie: Eigentliche Glattnasen (Vespertilioninae)
Gattung: Nycticeinops
Hill and Harrison, 1987
Art: Schlieffen-Fledermaus
Wissenschaftlicher Name
Nycticeinops schlieffeni
Peters, 1859

Die Schlieffen-Fledermaus (Nycticeinops schlieffeni) gehört innerhalb der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) zur Gattung Nycticeinops. Im Englischen wird die Art Schlieffen's Bat oder Schlieffen's Twilight Bat genannt. Innerhalb der Gattung ist Nycticeinops schlieffeni die einzige Art. Nycticeinops schlieffeni ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (vergl. Corbet & Hill 1992). Der wissenschaftliche Name wurde zu Ehren des Endeckers der Art, Wilhelm Graf von Schlieffen, vergeben.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Von den verwandten und ähnlichen Arten, wie Nycticeius humeralis, lässt sich die Schlieffen-Fledermaus aufgrund des Baculum (Penisknochen) unterscheiden. Dieser weist bei der Schlieffen-Fledermaus eine erweiterte Basis auf, die in einem langem Schaft mündet. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das kürzere Rostrum und ein schmalerer Schädel.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Schlieffen-Fledermaus ist eine der kleinsten Fledermausarten in Afrika. Die Art erreicht eine Gesamtlänge von 64 bis 80 mm, eine Körperlänge von 40 bis 50 mm, eine Schwanzlänge von 28 bis 31 mm, eine Unterarmlänge von 28 bis 31 mm, eine Condylobasallänge von 11,6 bis 12,9 sowie ein Gewicht von 3,7 bis 5 g. Männchen bleiben insgesamt etwas leichter als Weibchen. Die Fellfärbung variiert geografisch und weist dorsal eine braune bis hellbraune Tönung auf. Ventral ist das Fell mit einem gräulichen Weiß deutlich blasser. Die Schnauze ist abgeflacht und nur spärlich behaart. Die kleinen Ohren sind abgerundet und weisen nach hinten weisende basale Lappen auf. Der Tragus der Ohren ist stumpf zugespitzt. Der Hirnschädel der Schlieffen-Fledermaus ist breit und abgeflacht. Das Gebiss besteht aus 30 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/1, c1/1, p1/2, m3/3 (Johnston, 2006).

Lebensweise

Als nachtaktive Art hält sich die Schlieffen-Fledermaus tagsüber an den Schlafplätzen auf. Diese liegen für gewöhnlich in Höhlen, in Spalten von Bäumen, Häusern und Kellern. An den Schlafplätzen ist die Schlieffen-Fledermaus meist einzelgängerisch zu beobachten. Eher selten tritt die Art in kleinen Gruppen mit bis zu 3 Individuen auf. Die Schlieffen-Fledermaus ist sesshafte Art, zu saisonbereinigten Migrationen kommt es demnach nicht (Johnston, 2006).

Verbreitung und Lebensraum

Die Schlieffen-Fledermaus ist in Afrika weit verbreitet. Die Vorkommen reichen von Mauretanien in Westafrika, östlich bis nach Ägypten und südlich bis nach Namibia und den Nordosten von Südafrika. Nach Angaben der IUCN kommt die Art in Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Kamerun, in der Zentralafrikanischen Republik, imTschad, in der Demokratischen Republik Kongo, in Djibouti, Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Ghana, Kenia, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Saudi-Arabien, Senegal, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania, Togo, Jemen, Sambia und Simbabwe vor (IUCN, 2009). Kleinere Vorkommen sind im Südwesten von Saudi-Arabien bekannt. Die Tiere sind in der Nähe von offenen Gewässern anzutreffen. Besiedelt werden daher Sümpfe, Stauseen, Flüsse, Auwälder und ähnliche Lebensräume. Im südlichen Afrika wird auch die offene Savanne und lichter Wald bewohnt. Die Jagd auf Beutetiere wie Insekten erfolgt meist im offenen Gelände, seltener zwischen größeren Ästen und Baumstämmen (Johnston, 2006).

Biozönose

Sympatrie

Je nach Verbreitungsgebiet lebt die Schlieffen-Fledermaus sympatrisch mit zahlreichen anderen Arten. Dies sind insbesondere Zwergfledermäuse (Pipistrellus capensis). Die beiden Arten leben in Lebensraum- und zum Teil auch Nahrungskonkurrenz. Weitere sympatrische Arten sind Epaulettenflughunde (Epomophorini) wie Epomophorus labiatus und Epomophorus minimus, Breitflügelfledermäuse (Eptesicus) wie Eptesicus capensis, Eptesicus somalicus und Eptesicus tenuipinnis, Eigentliche Rundblattnasen (Hipposideros) wie die Gewöhnliche Rundblattnase (Hipposideros caffer), Schlitznasen (Nycteridae) wie die Behaarte Schlitznase (Nycteris hispida), die Großohr-Schlitznase (Nycteris macrotis) und die Ägyptische Schlitznase (Nycteris thebaica), Glattnasen (Vespertilionidae) wie Pipistrellus nanulus, Scotoecus albofuscus und Scotophilus leucogaster (Johnston, 2006).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Schlieffen-Fledermaus gehören insbesondere Habichtartige (Accipitridae) wie der Fledermausaar (Macheiramphus alcinus) (Johnston, 2006).

Ernährung

Die Nahrungssuche beginnt in den frühen Abendstunden, meist ab etwa 17.30h, und erstreckt sich über 2 bis 3 Stunden. Die Art geht demnach in der Dämmerung auf Nahrungssuche. Auf der Speisekarte stehen Insekten (Insecta) wie Köcherfliegen (Trichoptera), Käfer (Coleoptera), Motten und Wanzen (Heteroptera) (Johnston, 2006).

Fortpflanzung

Die Schlieffen-Fledermaus gilt als saisonal monogam. Die Paarungszeit beginnt sich je nach Vorkommen durchaus zu unterschiedlichen Zeiten. Im südlichen Afrika beginnt die Paarungszeit beispielsweise im Juni. Weibchen sind in der Lage, die Spermien über mehrere Monate zu speichern. Im südlichen Afrika kommt es im November oder Anfang Dezember zu den meisten Geburten. Die Säugezeit und die Lebenserwartung sind nicht dokumentiert (Johnston, 2006).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Schlieffen-Fledermaus gehört heute noch nicht zu den gefährdeten Fledermausarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. In der Nähe des Menschen ist die Fledermaus beliebt, da sie als ein eifriger Insektenvertilger gilt. Zu den Hauptgefährdungsursachen gilt, zumindest lokal, die Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie die Ausbringung von Insektiziden in der Landwirtschaft.

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist die Schlieffen-Fledermaus unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind adovanus Heuglin, 1877, africanus Allen, 1911, albiventer Thomas & Wroughton, 1908, australis Thomas & Wroughton, 1908, bedouin Thomas & Wroughton, 1908, cinnamomeus Wettstein, 1916, fitzsimonsi Roberts, 1932 und minimus Noack, 1887. Die genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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