Schmarotzermilan

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Schmarotzermilan

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Milane (Accipitrinae)
Gattung: Milane (Milvus)
Art: Schmarotzermilan
Wissenschaftlicher Name
Milvus aegyptius
(Gmelin, 1788)

Der Schmarotzermilan (Milvus aegyptius) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Milane (Milvus). Im Englischen wird der Schmarotzermilan yellow-billed kite genannt. Diese Art wurde in zwei Spezies gesplittet, und zwar Milvus migrans und Milvus aegyptius, jedoch betrachten einige Autoren Milvus aegyptius als Unterart von Milvus migrans.

Der Schmarotzermilan, der hauptsächlich in der Subsahara und im Nordosten Afrikas vorkommt, ist ein Gegenstück zum Schwarzmilan (Milvus migrans). Der Schmarotzermilan wird oft als eine Unterart angesehen. Jedoch neuere DNA-Studien deuten darauf hin, dass der Schmarotzermilan sich erheblich von dem Schwarzmilan (Milvus migrans) in der eurasischen Clade (Stamm) unterscheidet und sollte als eine separate, allopatrische (Artentstehung) Art betrachtet werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schmarotzermilan ist ein mittelgroßer Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 50 bis 55 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 130 bis 155 Zentimeter. Das Gewicht beträgt in etwa 550 bis 950 Gramm. Der Schmarotzermilan unterscheidet sich vom Schwarzmilan (Milvus migrans), indem er einen gelben Schnabel, einen braunen Kopf und einen tief gegabelten Schwanz aufweist. Die Jungvögel haben einen schwarzen Schnabel und nur die Wachshaut ist gelblich gefärbt. Des Weiteren weisen die Jungvögel einen braunen Kopf und eine rötlich gefärbte Unterseite auf. Während des Fluges hört man manchmal den charakteristischen Ruf des Schmarotzermilan, der etwa wie "kleeeuw" klingt und dann mit einem Triller endet.

Lebensweise

Meist migriert der Schmarotzermilan während der Brutzeit innerhalb von Afrika. Die Wanderung findet dann im südlichen Afrika von Juli bis März statt, manchmal aber auch erst im Mai. Der Schmarotzermilan kommt in fast allen Lebensräumen vor, darunter zählt der Nationalpark in Suburbia, selten ist er in den Trockengebieten Namid und Karoo anzutreffen. Der Schmarotzermilan lebt gerne gesellschaftlich, vorwiegend in Städten und Dörfern und ihrer Umgebung. Des Weiteren hält er sich auch in Fischerhütten, auf Karawanenstrassen und längs der Gewässer auf. In Bezug auf seine Standorte ist er nicht wählerisch. So kommt es vor, dass er auf dem Turm einer Moschee, auf den Dächern von Wohnhäusern, auf Ruinen, in Palmpflanzungen sowie auf Friedhöfen anzutreffen ist. Den Tag über sieht man ihn häufig auf Marktplätzen, an Schlachtbänken, auf Strassen und Plätzen, wo vermehrt Schutt und Unrat zu finden sind. Ebensowenig fehlt er bei verendeten Tieren in Gesellschaft mit Geiern. Im Gefieder des Schmarotzermilan parasitieren zahllose Federläuse.

Unterarten


Es gibt zwei Unterarten: Milvus aegyptius parasitus. Diese Unterart ist überall in West-, Ost-und Südafrika, mit Ausnahme des Kongo-Becken und in der Wüste Sahara (innerafrikanische Wanderungsbewegungen) zu finden und Milvus aegyptius aegyptius. Diese Unterart ist in Ägypten und am Horn von Afrika anzutreffen. Des Weiteren bewohnt die Unterart auch die südlichen Bereiche Afrikas, jedoch während der Brutzeit nicht.

Verbreitung

Der Schmarotzermilan weist ein sehr großes Verbreitungsgebiet auf. Zu den Verbreitungsgebieten zählen unter anderem: Nordafrika, Ägypten, Westafrika, Mauretanien und Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Mali, Sierra Leone, Liberia, Côte d'Ivoire, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Niger, Tschad, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Äquatorialguinea, Gabun, Kongo, Kinshasa, Upemba-Nationalpark, Angola, Ostafrika, Sudan, Äthiopien und Eritrea, Dschibuti, Somalia, Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Zanzibar, Pemba Island, Mafia Island, Sambia, Mosambik, Malawi, Südliches Afrika, Namibia, Botsuana, Simbabwe, Südafrika, Western Cape, Tankwa-Karoo-Nationalpark, Table Mountain National Park, Karoo National Park [selten/gelegentlich], West Coast National Park, Eastern Cape,Addo Elephant National Park, Tsitsikamma National Park, Mountain Zebra National Park, Northern Cape, Augrabies Falls National Park, Kgalagadi, Kwazulu-Natal, Gauteng, Groenkloof National Park, Transvaal (ehemalige Provinz), Limpopo Province, Marakele National Park, Mapungubwe Nationalpark,Kruger National Park, Nordwest-Provinz, Mpumalanga, Free State, Golden Gate Highlands National Park, Lesotho, Swasiland, African Islands, Kap Verde, Golf von Guinea-Inseln, Bioko (Fernando Po), Annobon, São Tomé und Príncipe, Madagaskar, Komoren und Mayotte, Seychellen [selten/gelegentlich], Aldabra [selten/gelegentlich]. Asien: Palästina, Arabische Halbinsel, Saudi-Arabien, Jemen und Socotra [selten/gelegentlich].

Ernährung

Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Aas, Abfall von geschlachteteten Tieren, Eingeweiden, Knochen- und Hautresten und toten Fischen. Seltener geht der Schmarotzermilan an junges Geflügel, oder fängt sich Ratten, Fledermäuse, Reptilien und selbst Käfer. Erblickt jedoch der Schmarotzermilan einen anderen Greifvogel mit Beute, so stürzt er sich schreiend auf ihn, um ihm die Beute abzujagen. Hat der Schmarotzermilan geschickt die Beute erobert, so verzehrt er diese Beute sofort während des Fluges aus den Fängen. Dabei stossen seine Artgenossen schreiend auf ihn und nötigen ihn, einen Teil des Beutetieres fallen zu lassen, das jedoch ehe es die Erde erreicht, mit staunenswerter Schnelligkeit wieder erhascht und davongetragen wird.

Fortpflanzung

Zur Brutzeit sind die Männchen sehr streitsüchtig und lärmend. In Ägypten fällt die Brutzeit in die Monate Februar bis Mai. Den Horst, welcher ziemlich leicht aus dürrem Reisig zusammengefügt ist, findet man meist auf Palmen. Doch nistet der Schmarotzermilan auch auf den Zinnen von Moscheen, Festungswerken und in Ruinen. Die Zahl der Eier schwankt zwischen drei und fünf. Sie sind bläulich oder grünlich weiss gefärbt, selten ganz ungefleckt, zuweilen mit nur wenigen feinen rostbraunen Schnörkeln und Punkten am stumpfen Ende besetzt, meist jedoch mit größeren deutlichen oder verwischten Flecken versehen.


Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
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