Schneckenkanker

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Schneckenkanker

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Weberknechte (Opiliones)
Unterordnung: Dyspnoi
Überfamilie: Ischyropsalidoidea
Familie: Schneckenkanker (Ischyropsalididae)
Gattung: Ischyropsalis
Art: Schneckenkanker
Wissenschaftlicher Name
Ischyropsalis hellwigi
Panzer, 1839

Der Schneckenkanker (Ischyropsalis hellwigi) zählt innerhalb der Familie der Schneckenkanker (Ischyropsalididae) zur Gattung Ischyropsalis. Eine Verwechslungsmöglichkeit zwischen dem Schneckenkanker und weiteren, zum Teil sehr ähnlichen Arten, die auch im Alpenraum vorkommen, besteht.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schneckenkanker besitzt einen ovalen bis länglichen, einteiligen Körper, d. h. der Vorderkörper und der Hinterkörper des Schneckenkanker sind zu einer kompakten Einheit verschmolzen. Es fehlt die deutliche Verengung zwischen Vorderleib und Hinterleib. Die Verbindung zwischen dem breiten Vorderleib und dem kurzen, breiten Hinterleib ist meist nur sehr schwer zu erkennen. Sie ist von einem dunklen Band, dem sogenannten Sattel bedeckt, das vom Kopf bis zum Hinterleibsende führt. Der Hinterleib ist deutlich gegliedert und besitzt keine Spinnwarzen. Der Schneckenkanker erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 5,5 bis 7 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 7 bis 8,5 Millimeter (ohne Cheliceren). Die Beine sind außerordentlich lang. Die Färbung ist tiefschwarz, nur die Tarsen und Metatarsen sind etwas heller gefärbt. Die Tarsen sind durch zahlreiche Scheingelenke sekundär untergliedert. Der Schneckenkanker kann sich dadurch peitschenartig um Pflanzenstengel schlingen. Das auffälligste sind die riesigen, mehr als körperlangen Scheren, die aus einem massigen, stark bedornten Stielglied und einer sehr kräftigen Schere bestehen. Bei dem Männchen trägt dieses Stielglied oberseits vor dem Ende ein dicht behaartes Drüsenfeld, das dem Weibchen fehlt. Die Atemöffnungen sind deutlich sichtbar. Die zwei kleinen, punktförmigen Augen liegen an den Seiten eines Augenhügels (Ocularium) in der Körpermitte. Die adulten Tiere sind von Juli bis Oktober anzutreffen.

Lebensweise

Der Schneckenkanker kann keine Netze oder Schlupfgespinste weben. Wie bei allen Weberknechten fehlen dem Schneckenkanker die Spinnwarzen. Bei Gefahr sucht der Schneckenkanker Schutz im Bodenlaub oder unter Steinen. Der Schneckenkanker ist eine dämmerungsaktive bzw. eine nachtaktive Spinne und sucht hauptsächlich in der Nacht nach Beutetieren. Als Nahrung dienen dem Schneckenkanker wie bei dem Brettkanker (Trogulus nepaeformis) vorzugsweise Nacktschnecken und Gehäuseschnecken wie zum Beispiel die Cernuella-Arten. Diese werden mit einer Schere am Mündungsrand ergriffen und mit der anderen Stück für Stück aufgebrochen, so dass immer weitere Nahrungsbrocken vom Weichkörper abgeschnitten werden können.

Unterarten

Verbreitung

Der Schneckenkanker kommt vor allem in Mittelgebirgstälern und in den Alpen in naturnahen, feuchten Laubwäldern und Nadelwäldern, an Baumstümpfen, am Boden unter Fallholz, im Bodenlaub oder unter Steinen vor. Der Schneckenkanker ist vor allem in schneckenreichen Gebieten im Bergland weit verbreitet, ist aber in seinen Tagesverstecken schwer zu finden und daher sehr selten.

Ernährung

Der Schneckenkanker besitzt außerordentlich lange und kräftige Cheliceren, die mit mehr als 1 Zentimeter Länge die Körperlänge deutlich übertreffen. Mit diesen gewaltigen Cheliceren bricht der Schneckenkanker die Schalen von Gehäuseschnecken, wie zum Beispiel von Arten aus der Gattung Cernuella, auf und verzehrt den Inhalt.

Fortpflanzung

Das Paarungsverhalten läuft bei dem Schneckenkanker etwas anders ab, denn das Paarungsverhalten enthält eine gustatorische Balz (Balzfüttern). Bei der Balz wird ein Pheromon wirksam, das in einer Drüse im ersten Cheliceren-Glied des Männchens gebildet wird. Ein solches Paarungsverhalten, bei dem ein Ektohormon in den Ablauf bestimmend eingreift, ist bei Spinnentieren bisher nicht beobachtet worden. Die Paarung kann wenige Sekunden bis einige Minuten dauern und des öfteren wiederholt werden. Bei der Paarung stehen die Partner Kopf an Kopf einander gegenüber. Dabei betrillert das Männchen seine Partnerin mit den Tarsen der beiden vorderen Beinpaare. Das Weibchen berührt mit seiner Mundöffnung das Drüsenfeld oben auf dem Chelicerenstiel des Männchens. Das Männchen schiebt nun sein langes, in einer Spalte unter dem Bauchschild erscheinendes Begattungsglied in die an gleicher Stelle bei dem Weibchen liegende Geschlechtsöffnung. Das Weibchen besitzt eine sehr lange, biegsame Legeröhre, mit der das Weibchen seine Eier im Erdboden oder unter Holzstücken ablegt. Im Spätsommer legt das Weibchen seine Eier in einer gallertigen Kugel meist unter einem Holzstück ab. Die Jungspinnen schlüpfen manchmal noch im Herbst, meist aber erst im folgenden Frühjahr. Der Schneckenkanker ist einjährig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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