Schneemaus

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Schneemaus
Schneemaus (Chionomys nivalis)

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
Tribus: Arvicolini
Gattung: Schneemäuse (Chionomys)
Art: Schneemaus
Wissenschaftlicher Name
Chionomys nivalis
Martins, 1842

IUCN-Status
Near Threatened (NT) - IUCN

Die Schneemaus (Chionomys nivalis) zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Schneemäuse (Chionomys). Im Englischen wird die Schneemaus European Snow Vole oder Snow Vole genannt. Die Art ist auch unter dem veralteten Synonym Microtus nivalis bekannt. Ursprünglich wurde die Art in der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) geführt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Die Schneemaus kann leicht mit der Martino-Schneemaus (Dinaromys bogdanovi) verwechselt werden. Die beiden Arten überschneiden sich jedoch nur im Balkan. Zudem ist sie etwas größer als die Schneemaus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die relativ große Schneemaus erreicht eine Körperlänge von 8 bis 14 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 4 bis 7 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,5 bis 1,7 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 1,8 bis 2,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von 35 bis 65 Gramm. Das langhaarige Fell ist ausgesprochen dicht und weich. Die Oberseite ist hellgrau mit einem leicht bräunlichen bis gelblichbraunen Anflug, ventral zeigt sich eine weißlich bis leicht gräuliche Färbung. Der dicht behaarte Schwanz weist überwiegend eine weißliche Färbung auf, die pinselartige Schwanzspitze kann weißlich, gräulich oder schwarz gefärbt sein. Die Tasthaare im Bereich der Schnauze sind mit bis zu 6 Zentimeter ausgesprochen lang. Die mit flachen Kronen ausgestatteten Zähne weisen auf die pflanzenfressende Ernährungsweise hin. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3.

Lebensweise

Schneemäuse leben in Regionen, in denen der Sommer sehr kurz ist. In der kalten Jahreszeit, dies sind gut 9 Monate, halten sich die Tiere ausschließlich in ihren Erdbauten auf und leben von ihren Nahrungsvorräten. Die aktive Zeit erstreckt sich demnach im Sommer über nur 3 Monate. Während der Ruhephasen leben die Tiere in ihren unterirdischen Bauten. Schneemäuse sind am Tage, seltener auch in der Nacht aktiv. Vor allem bei sonnigem Wetter kann man sie vor ihren Erdbauten beobachten. Schneemäuse gelten als gute Kletterer, Springer und Schwimmer. Dem Menschen gegenüber zeigen sie nur wenig Scheu. Die Kommunikation untereinander erfolgt durch quiekende Laute. Sie sind üblicherweise kurz, nur während der Paarungszeit auch länger anhaltend. Die Erdbauten setzen sich aus einer geräumigen Wohnkammer und einer oder mehrerer Vorratskammern sowie mehrerer Ein- und Ausgängen zusammen. Die Wohnkammer ist mit trocknen Halmen und Heu ausgelegt. In felsigen Regionen leben die Tiere auch in tiefen Felsspalten oder unter größeren Steinen.

Verbreitung

Die Schneemaus ist in den Gebirgsmassiven des südlichen Europas weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Alpen, die Pyrenäen, das Pindosgebirge, das Balkangebirge und den Kaukasus. Regional tritt die Schneemaus auch in der östlichen Türkei, im westlichen Kaukasus, insbesondere in Armenien und Georgien, im Libanon, im westlichen Syrien, im westlichen und nördlichen Iran und im südlichen Turkmenistan auf. Nach Angaben der IUCN ist die Art in Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, in der Tschechischen Republik, in Frankreich, Georgien, Griechenland, Israel, Italien, Mazedonien, Serbien, Polen, Rumänien, in der Slowakei, in Slowenien, Spanien, Schweiz, Syrien, Türkei und in der Ukraine verbreitet. <2>

Schneemäuse leben in Gebirgsmassiven und sind hier relativ stark an Felsen statt an Schnee gebunden. In Höhenlagen treten die Tiere in Höhen von 1.300 bis 4.000 Metern auf. In niedrigen Lagen sind Schneemäuse nur in Frankreich anzutreffen. Die Lebensräume zeichnen sich in allen Verbreitungsgebieten durch eine spärliche Vegetation aus. Sonnige Plätze oberhalb der Baumgrenze, jedoch seltener oberhalb der Schneegrenze, insbesondere Geröllfelder, Felsen mit Spalten als Versteckmöglichkeiten oder Latschenregionen gehören zu den beliebten Habitaten der Schneemäuse. Kleine buschige Bereiche mit Heidekrautgewächsen (Ericaceae), insbesondere Alpenrosen wie Rhododendron hirsutum, Rhododendron ferrugineum sowie ähnliche Alpenflora sind beliebte Mikroklimata.

Prädatoren und Parasiten

Zu den häufigsten Fressfeinden der Schneemäuse gelten Eulen (Strigiformes) wie der Waldkauz (Strix aluco). Aber auch Kolkraben (Corvus corax) und andere räuberisch lebende Vögel (Aves) des Hochgebirges sowie das Mauswiesel (Mustela nivalis) und der Rotfuchs (Vulpes vulpes). <5> Neben Ektoparasiten wie Flöhe (Siphonaptera), Tierläuse (Phthiraptera) und Milben (Acari) stellen vor allem Endoparasiten wie Bandwürmer (Cestoda) und Fadenwürmer (Nematoda) für die Schneemäuse eine große Gefahr dar. Unter den Fadenwürmern konnten insbesondere Haarwürmer (Capillaria) wie Capillaria hepatica nachgewiesen werden. <4>

Ernährung

Schneemäuse ernähren sich überwiegend pflanzlich. Zum Nahrungsspektrum gehören zahlreiche Alpenkräuter, Sämereien, Gräser, Wurzeln und Knospen. Zu einem kleinen Teil greifen Schneemäuse auch auf tierische Nahrung in Form von Insekten (Insecta) und deren Larven zurück. Für die kalte Jahreszeit legen die Tiere in ihren Bauten Nahrungsvorräte an. Gräser werden, bevor sie in den Bau verbracht werden, in der Sonne getrocknet. Nur so wird die Nahrung haltbar. Reichen die Vorräte nicht für den langen Winter, so graben Schneemäuse Gänge unter der Schneedecke und gehen hier auf die Suche nach Wurzeln und ähnlichem.

Fortpflanzung

Die Schneemaus ist nach einer langsamen Jugendentwicklung mit rund 2 bis 3 Monaten geschlechtsreif. Zur ersten Paarung kommt es jedoch erst im Sommer des Folgejahres. Die Paarungszeit erstreckt sich über die warmen Sommermonate. Während dieser Zeit kommt es in der Regel zu 1 bis 2 (2) Würfen. Schneemäuse leben wie alle Wühlmäuse (Arvicolinae) polygam, ein Männchen paart sich für gewöhnlich mit mehreren Weibchen und haben mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Die Weibchen bringen nach einer Tragezeit von gut 21 Tagen 2 bis 7 Jungtiere zur Welt. Die Jungmäuse sind bei der Geburt nackt und blind. Sie weisen ein Geburtsgewicht von gut 4 Gramm auf. Die Augen öffnen die Jungtiere gegen Ende der zweiten Lebenswoche, meist jedoch am 13. Lebenstag. Sie werden für etwa 3 Wochen gesäugt. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt, wie bereits erwähnt, ausschließlich dem Weibchen. Zu einer Massenvermehrung wie bei anderen Wühlmäusen kommt es nicht. Die Lebenserwartung unter natürlichen Bedingungen liegt zwischen 2 und 4 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Roten Liste der IUCN wird die Schneemaus auf der Vorwarnstufe NT, Near Threatened geführt. Die Gefährdungsgründe sind nicht vollständig bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Tiere aufgrund der Vernichtung der natürlichen Lebensräume gefährdet sind. Auch die Überweidung der Bergwiesen könnte eine Ursache sein. <3>

Synonyme

Zu den bekannten Synonymen gehören: abulensis (Agacino, 1936), aleco (Paspalev, Martino & Peshev, 1952), alpinus (Wagner, 1843), appeninicus (Dal Piaz, 1929), aquitanius (Miller, 1908), cedrorum (Spitzberger, 1973), dementievi (Heptner, 1939), hermonis (Miller, 1908), lepruni (Crespon, 1844), leucurus (Gerbe, 1852), loginovi (Ognev, 1950), malyi (Bolkay, 1925), mirhanreini (Schäfer, 1935), nivicola (Schinz, 1845), olypicus (Neuhäuser, 1936), petrophilus (Wagner, 1853), pontius (Miller, 1908), radnensis (Ehik, 1942), satunini (Shidlovsky, 1919), spitzenbergerae (Nadachowski, 1990), trialeticus (Shidlovsky, 1919), ulpius (Miller, 1908), wagneri (Martino, 1940). Alle aufgeführten Synonyme sind ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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