Schreifrosch

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Schreifrosch
Weibchen

Systematik
Klasse: Amphibien (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Überfamilie: Echte Frösche und Verwandte (Ranoidea)
Familie: Echte Frösche (Ranidae)
Gattung: Echte Frösche (Rana)
Art: Schreifrosch
Wissenschaftlicher Name
Rana clamitans
Latreille, 1801

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Schreifrosch (Rana clamitans), der auch Amerikanischer Grünfrosch genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Echten Frösche (Ranidae) zur Gattung Echte Frösche (Rana). Der generische Name leitet sich aus dem Lateinischen clamitans ab, was so viel bedeutet wie laut-benennend oder laut. Der Schreifrosch wird häufig mit dem Amerikanischen Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) verwechselt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Schreifrosch ist ein mittelgroßer Frosch und erreicht eine Körperlänge von 8 bis 13 Zentimeter. Männchen bleiben dabei deutlich kleiner und leichter als Weibchen. Je nach Verbreitungsgebiet zeigt der Schreifrosch verschiedene Farbtöne. Das kann ein sattes Grün sein oder ein grünliches Braun sowie ein bräunliches Olivgrün oder ein gelbliches Grün bis Oliv. Einige Exemplare weisen sogar eine blaue Färbung auf, was aber selten vorkommt. Die Frontseite ist mit kleinen unregelmäßigen schwachen schwarzen Punkten versehen. Das Kinn, die Brust und die Unterseite der Beine sind mit dunklen Punkten und mit Sprenkeln bedeckt. Neben den dunklen Punkten weisen die Beine ein dunkles Querband auf. Die Bauchseite ist gelblich oder weiß gefärbt. Die Kehle ist beim Männchen hellgelb.

Der vorstehende externe Tympanum (Trommelfell) beim Männchen ist im Durchmesser größer als das Auge. Dagegen weist der vorstehende externe Tympanum beim Weibchen im Durchmesser die gleiche Größe wie das Auge auf. Die Augen befinden sich seitlich gut sichtbar am Kopf. Die dorsolaterale Falte ist gut definiert und zieht sich von der Rückseite des Auges posterior bis hinunter zum Körper. Die Zehen sind mit gut ausgebildeten Haftlamellen versehen, wobei der erste Finger etwas verlängert erscheint. Das Schienbein und das Schenkelbein entsprechen der halben Körperlänge. Die Schallblase des Männchens ist außen nicht sichtbar. Die Balzrufe der Männchen sind laut hörbar und die Männchen können sechs unterschiedliche Töne produzieren. Sie erzeugen dabei ein lautes hohes kläffendes Quaken, das in ein bis drei hintereinander explosive banjoartig schwirrende Töne übergeht oder wie ein Gummibandreißen klingt. Es kann sich aber auch wie ein Knurren anhören. Droht Gefahr, so stossen beide das Männchen und das Weibchen einen Alarmruf aus. Der Schreifrosch ist ein tagaktiver und nachtaktiver Frosch. Bei kaltem Wetter findet man den Schreifrosch auch schlafend vor. Allerdings gut versteckt in hohlen Baumstümpfen oder im verrottenden Totholz. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Schreifrosches beträgt etwa zehn Jahre.

Der Schreifrosch teilt sich in zwei Unterarten. Die zwei Unterarten unterscheiden sich in Größe und Aussehen vom Schreifrosch. Bei der Unterart Rana clamitans clamitans weist die Rückseite eine bronzene Färbung auf, allerdings fehlen bei dieser Unterart die Flecken. Bei der Unterart Rana clamitans melanota ist die Rückseite grünlich bis bräunlich gefärbt, die mit bräunlichen oder grauen Flecken bedeckt ist. Der Bauch beider Unterarten ist mit dunklen Punkten oder weissen länglichen Flecken versehen. Sie wirken kleiner als der Schreifrosch und die beiden Unterarten kommen im südöstlichen Teil der Vereinigten Staaten vor.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Schreifrosches erstreckt sich über die Vereinigten Staaten bis nach Westontario und Oklahoma. Er kommt auch im Süden Osttexas sowie im Osten Nordfloridas vor. Des weiteren hält sich der Schreifrosch in der gesamten Ostküste der Vereinigten Staaten auf. Der Schreifrosch besiedelt eine breite Vielzahl an Lebensräumen. Er frequentiert flaches Wasser umgeben von Sümpfen und bewaldeten Sümpfen. Des weiteren hält er sich in Teichen und Seen sowie auf Sandbänken von langsam fliessenden Flüssen und Strömen auf. Der juvenile Schreifrosch dagegen lebt vorwiegend in bewaldeten Bereichen oder in Wiesen während der Regenzeit. Der Schreifrosch überwintert eingegraben in Substraten im Wasser.

Gefährdung, Schutz

Der Schreifrosch ist noch nicht vom Aussterben bedroht. Vom Menschen wird er nur wenig verfolgt. Gelegentlich wird der Schreifrosch für den Nahrungsmittelverbrauch als Froschschenkel angeboten. In der Roten Liste der IUCN wird der Schreifrosch als nicht gefährdet geführt. Jedoch ist auch in den natürlichen Lebensräumen des Schreifrosches eine Ausbreitung der Land- und Viehwirtschaft zu beobachten. Dadurch wird der natürliche Lebensraum immer weiter eingeschränkt.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern des Schreifrosches gehören unter anderem größere Frösche, Schildkröten, Schlangen, Reiher, Watvögel, Waschbären, Otter und Nerze. Der Schreifrosch steht auch beim Menschen auf der Speisekarte. Dabei werden nur die Froschschenkel gegessen und die restlichen Körperteile sind Abfall. Die Eier und die Larven des Schreifrosches werden von Blutegeln, Libellenlarven und von anderen Wasserinsekten sowie von Fischen, Schildkröten und Reihern gefressen.

Schreifrosch - Männchen
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Schreifrosch - Männchen

Um sich vor den zahlreichen Fleischfressern zu schützen, ahmt der Schreifrosch das Aussehen des Nerzfrosches (Rana septentrionalis) nach. Der Nerzfrosch besitzt die Fähigkeit, einen moschusartigen Geruch abzusondern und ruft beim Verspeisen des Nerzfrosches einen fürchterlichen Geschmack hervor, der die Fleischfresser abschreckt. Der Schreifrosch kann diese Fähigkeit nicht aufweisen und nutzt die Eigenschaft durch Mimicry (Nachahmung) des Nerzfrosches, um so das Gefressenwerden zu vermeiden.

Ernährung

Der Schreifrosch ist ein opportunistischer Fleischfresser. Er ernährt sich von Insekten und anderen wirbellosen Tieren, die sich im Wasser oder an Land aufhalten. Darunter gehören Blutegel, Schnecken, Würmer, Panzerkrebse, Spinnen, Fliegen, Raupen, Schmetterlinge und Motten. Des weiteren nimmt er auch andere Wirbeltiere zu sich, wie kleine Schlangen und Frösche. Der Schreifrosch ist ein Lauerjäger. Er sitzt und wartet auf die Beute und frißt folglich, was auch immer innerhalb seiner Reichweite kommt. Die Lokalisierung erfolgt über optische Reize. Es werden also nur bewegliche Beutetiere wahrgenommen. Ein Beutetier wird mit der klebrigen Zunge gefangen und im Ganzen verschluckt. Die Larven ernähren sich von Kieselalgen, Algen und vom Plankton.

Fortpflanzung

Der Schreifrosch erreicht seine maximale Größe und somit auch die Geschlechtsreife erst mit vier bis fünf Jahren. Je nach Verbreitungsgebiet und Umgebungstemperatur findet die Reproduktion in den Monaten vom April bis zum September statt. Zu diesem Zeitpunkt zieht es die Frösche aus den Winterquartieren an die Laichgewässer. Als erstes treffen die geschlechtsreifen Männchen ein. Während der Paarungszeit ist in den späten Abendstunden das charakteristische Froschkonzert zu hören. Mit den extrem lauten Balzrufen wollen die Männchen einer potentiellen Partnerin beeindrucken. Die Töne werden im Rachen produziert und über die Schallblase, die hierbei als Resonanzverstärker dient, verstärkt. Die Schallblase ist beim männlichen Schreifrosch außen nicht sichtbar.

Schreifrosch - Weibchen
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Schreifrosch - Weibchen

Neben den dominanten Männchen, also die, die das Froschkonzert anstimmen, gibt es noch sogenannte Satellitenmännchen. Diese Satellitenmännchen halten sich stets in der Nähe eines dominanten Männchens auf. Ziel der Satellitenmännchen ist es, ankommende Weibchen abzufangen und sich mit ihnen zu paaren. Zu einer Paarung kommt es in der Regel um Mitternacht. Wie für Kröten und Frösche üblich, so kommt es zu einer Umklammerung des Weibchens durch das Männchen. Sie bilden dann ein sogenanntes Amplexus-Paar. Weibchen suchen sich bei der Balz ihren Partner selbständig aus. Dabei achten sie insbesondere auf den Gesang eines Männchens. Nicht selten erliegen sie aber auch der Täuschung eines Satellitenmännchens.

Bevor die Eier gelegt und befruchtet werden, ernährt das Weibchen die Eier innerhalb ihres Körpers. Sobald die Eier gelegt sind, gibt es keine weitere elterliche Beziehung zur Entwicklung des juvenilen Schreifrosches. Nachdem sich ein Pärchen gefunden hat und ein passender Laichplatz ausgesucht wurde, klammert sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens fest. Zeitgleich geben Männchen und Weibchen den Laich und das Sperma ab. Es kommt dabei zu einer äußeren Befruchtung. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen große Laichballen mit etwa 1000 bis 7000 Eier im flachen, stehenden Wasser mit reichlich vorhandener Vegetation ab. Es kann zu mehreren Eiablagen kommen. Für gewöhnlich ist die letzte Eiablage etwas kleiner. Sie beträgt dann nur noch 1000 bis 1500 Eier. Die einzelnen Eier sind mit einer dicken Gelschicht umgeben. Ein einzelnes Ei mißt etwa ein bis zwei Millimeter im Durchmesser. Je nach Wassertemperatur dauert der Schlupf der Larven etwa drei bis sieben Tage und die Entwicklung von der Larve bis zum Jungfrosch beträgt ungefähr drei bis zweiundzwanzig Monate.

Schreifrosch - Männchen
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Schreifrosch - Männchen

Kurz nach dem Schlupf ernähren sich die Larven vom Dottersack ihres Eies. Kurz danach machen sie bereits Jagd auf Mikroorganismen, ernähren sich von Kieselalgen und vom Plankton sowie von zellulären Abfallstoffen. Dabei sind sie keineswegs wählerisch. Erbeutet wird alles, was sich überwältigen läßt. Unmittelbar nach dem Schlupf ist der Körper der Larven, die auch Kaulquappen genannt werden, grün und mit kleinen schwarzen Punkten bedeckt. Der Bauch weist eine gelbliche Färbung auf. Ansonsten ist der Körper langgestreckt und setzt sich letztlich aus einem Kopf und Magen sowie aus einem kräftigen Schwanz zusammen. Der Schwanz dient den Kaulquappen zur Fortbewegung und Steuerung. Der Schwanz ist mit einem Saum versehen, der sich bis zum Kopf erstreckt. Die Augen liegen seitlich am Kopf. Die Atmung erfolgt über innere Kiemen, den sogenannten Spiraculum. Gegen Ende der larvalen Entwicklung erfolgt die Ausbildung der Extremitäten.

Einige Kaulquappen machen den Übergang zum Jungfrosch noch vor dem Winter durch. Aber der überwiegende Teil der Kaulquappen überwintert und vollzieht die Umwandlung erst im Frühling. In der Übergangsphase hält sich der Jungfrosch meist noch in der Nähe des Laichgewässers auf, ehe er vollständig das aquatile Leben aufgibt. Während der Anfangsphase lebt der Jungfrosch noch von seinen Reserven, wobei der Jungfrosch seinen Schwanz vollständig resorbiert. Erst danach verläßt der Jungfrosch sein Heimatgewässer und geht auf Jagd, indem er seine Beute sitzend und wartend auflauert. Dabei stellt er seine Ernährungsgewohnheiten vollständig um. Der Jungfrosch ernährt sich wie der adulte Schreifrosch rein carnivor.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert, Gisela Deckert, Günther E. Freytag: Urania Tierreich, 7 Bde., Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania, Freiburg (1991) ISBN 3332003763
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

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