Schwarzbussard

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Schwarzbussard

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Bussardartige (Buteoninae)
Gattung: Schwarzbussarde (Buteogallus)
Art: Schwarzbussard
Wissenschaftlicher Name
Buteogallus urubitinga
(Gmelin, 1788)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Schwarzbussard (Buteogallus urubitinga) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Schwarzbussarde (Buteogallus). Im Englischen wird der Schwarzbussard great black-hawk oder great black hawk genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarzbussard erreicht eine Körperlänge von etwa 56,0 bis 64,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt im Durchschnitt 1,1 Kilogramm, wobei das Weibchen größer und schwerer ist als das Männchen. In der Gefiederfärbung ähneln sich beide Geschlechter. Die Art hat sehr breite Flügel und das Gefieder ist hauptsächlich schwarz gefärbt. Der kurze Schwanz weist eine weiße Färbung auf und ist mit einer breiten schwarzen Spitze versehen. Der Schnabel ist schwarz getönt und die Wachshaut weist eine gelbe Färbung auf, ebenso sind die Extremitäten gelblich getönt. Das Obergefieder der Jugendlichen ist dunkelbraun gefärbt und ist mit Flecken und Streifen besetzt. Die Unterseite ist gelbbraun und mit dunklen Flecken versehen. Ferner ist der Schwanz der Jugendlichen mit einer Reihe von schwarzen und dunkeln Binden besetzt.

Lebensweise

Der Schwarzbussard ist ein irruptiver oder lokaler Migrant. In Argentinien ist der Schwarzbussard ein altitudinaler Migrant, der sich außerhalb der Brutzeit von Westen nach Osten bewegt. Der Schwarzbussard tritt im Flachland in niedrigeren und mittleren Höhenlagen auf. Er bevorzugt bewaldete Gebiete mehr als der Krabbenbussard (Buteogallus anthracinus), jedoch hält er sich nicht direkt im dichten Wald auf. Häufig lebt er in der Nähe von Gewässern, einschließlich Seen oder Sümpfe. Für gewöhnlich kommt der Schwarzbussard an Waldrändern und in halboffenen Gebieten vor, vor allem entlang von Flüssen und Bächen. Ferner hält sich der Schwarzbussard in Savannen, auf Feldern oder auf Weidelandschaften auf. In tropischen Gebieten wird er oft in feuchten Gebirgsregionen in Gesellschaft mit dem Krabbenbussard (Buteogallus anthracinus) gesehen. In Französisch-Guayana hält er sich in alten Mangroven- und Palmensümpfen auf. Der Schwarzbussard fliegt regelmäßig, manchmal sehr hoch ansteigend und schwebend. Im Allgemeinen ist der Schwarzbussard eher ein träger, langsam bewegender Greifvogel. In Mexiko sind die bevorzugten Lebensräume dieser Art bewaldete Küstengebiete mit Frischwasser.

Schwarzbussard im Aufflug
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Schwarzbussard im Aufflug

Am häufigsten findet man den Schwarzbussard in tropischen Laubwäldern und auf großen Ficus-Bäumen, auch in Galeriewäldern entlang an Flüssen und auf den oberen Hängen, die mit Eichenwäldern bewachsen sind, ist der Schwarzbussard häufig anzutreffen. Ferner tritt er in tropischen, immergrünen Sumpfwäldern auf. In Panama lebt auf offenen Flächen in der Nähe von größeren Strömen und in Kolumbien hält er sich in sumpfigen Wäldern, Mangroven und in Savannen auf. In Venezuela bevorzugt der Schwarzbussard Waldränder entlang von Flüssen und Seen. Ferner bewoht er auch Laubwälder, Mangroven, Meeresküsten, Llanos und Galeriewälder bis in Höhen von 500 Metern. Meist ist der Schwarzbussard in der Nähe von Lagunen und Buchten in der Sierra Imataca zu sehen. In Französisch-Guayana tritt er in primären oder sekundären Wäldern auf. Oft jagt der Schwarzbussard entlang kleiner Bäche oder in alten Mangroven- und Palmensümpfen. In Guayana hält sich die Art auf brachligenden Feldern oder auf abgeernteten Zuckerrohr-Plantagen auf. In der Regel bevorzugt er aber Savannnen. In Brasilien bewohnt der Schwarzbussard Waldränder, Agrarland, oft in der Nähe von Gewässern und in Argentinien jagt er vor allem über offenes Land oder über Sümpfe. Gelegentlich kommt es auch vor, dass der Schwarzbussard Beute aus dem Wasser holt.

Unterarten

  • Buteogallus urubitinga urubitinga - (Gmelin, 1788) - Ost-Panama westlich der Anden und südlich bis Ecuador und Peru, östlich der Anden bis Guyana, südlich durch Ost-Bolivien und Brasilien bis Paraguay, Uruguay und Zentral-Argentinien (Tucumán, Santiago del Estero, Santa Fé), Trinidad und Tobago.
  • Buteogallus urubitinga ridgwayi - (Gurney, 1884) - Nord-Mexiko (Zentral-Sonora, Süd-Tamaulipas) bis West-Panama.

Verbreitung

Schwarzbussard im Aufflug
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Schwarzbussard im Aufflug

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Schwarzbussard in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Argentinien, Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago, Uruguay und Venezuela. Zu seinen Lebensräumen zählen unter anderem subtropische und tropische Trockenwälder, subtropische und tropische feuchte Tieflandwälder, subtropische und tropische Wälder mit Mangroven-Vegetation in höher gelegenen Regionen, trockene Savannen, subtropisches und tropisches Buschland mit Trockenwald, landwirtschaftliche Nutzflächen sowie Weidelandschaft.

Ernährung

Je nach Verbreitungsgebiet ist auch das Nahrungsangebot unterschiedlich. Der Schwarzbussard ist ein diätetischer Generalist und ernährt sich von einer Vielzahl von Beute, darunter Frösche wie Hornfrösche (Ceratophrys), Kröten wie die Aga-Kröte (Bufo marinus), Fische, Eidechsen, Schlangen, Vögel wie Pirole (Oriolus), Reiher (Ardeidae), Witwenpfeifgänse (Dendrocygna viduata) Spechte (Picidae), Nachtschwalben (Caprimulgidae), Schleiereulen (Tyto), Rotschnabelbussarde (Buteo magnirostris), Ibisse (Threskiornithinae), Seeschwalben (Sternidae), Hoatzins (Opisthocomus hoazin), Felsenhähne (Rupicola), Stärlinge (Icteridae), Tauben (Columbidae) und Drosseln (Turdidae), (einschließlich Hühner und Wasservögel und deren Nestlinge, die aus Nestern gefallen sind), kleine Säugetiere (einschließlich Fledermäuse wie Eigentliche Fruchtvampire (Artibeus), Eichhörnchen, Hamster (Cricetinae), Beutelratten, Opossums (Didelphis)), Krabben, große Insekten wie Springschrecken (Orthoptera), Riesenwanzen (Belostomatidae) und Blatthornkäfer (Scarabaeidae), Aas und sogar Früchte (einschließlich Spondus lutea). Eidechsen und Schlangen umfassen nahezu 60 Prozent der Beutetiere. Die meisten der Schuppenkriechtiere (Squamata) sind Basilisken (Basiliscus) und Anolis-Arten. Zu den Schlangen gehören sowohl ungiftige als auch giftige Arten, wobei die gängigsten Oxybelis, Abgottschlangen (Boa constrictor) und Amerikanische Lanzenottern (Bothrops) sind. Gelegentlich greift er sich auch Affen wie zum Beispiel Schwarzbüschelaffen (Callithrix penicillata). Oft jagt der Schwarzbussard vom Ast aus und stürzt sich dann in einem Gleitflug auf das Beutetier. Er kann aber auch von Baum zu Baum fliegen, wenn er keine Beute gefunden hat oder geht gezielt zu Fuß auf dem Boden nach Beute suchend. Des Weiteren hält sich der Schwarzbussard auf schwimmender Vegetation in flachen Seen oder Lagunen auf, um nach Beute Ausschau zu halten. Er sucht auch die Grasbrände auf, wo er flüchtende Tiere erbeutet.

Fortpflanzung

Schwarzbussard im Aufflug
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Schwarzbussard im Aufflug

Die Brut findet je nach Verbreitungsgebiet zu unterschiedlichen Jahreszeiten statt. Im Allgemeinen ist die Brutzeit von Januar bis Dezember. Der Horst ist eine sperrige, eher flache Plattform, bestehend aus Ästen und Zweigen. In der Regel ist das Innere des Horstes mit grünen Zweigen und Blättern von zahlreichen Baumarten, wie Swietenia macrophylla, Bucida buceras, Platytmiscium spp., Ceiba pentandra und Lonchocarpus castilloi, ausgekleidet. Der Horst wird meist in einer Astgabel auf einem hohen aufstrebenden Baum, etwa in einer Höhe von 12 bis 20 Meter (auch 30 bis 40 Meter sind keine Seltenheit) platziert. Der Horst mißt etwa 78,7 x 55,9 Zentimeter. Die Bäume, die der Schwarzbussard für den Horstbau aussucht, sind unter anderem Drypetes lateriflora, Copernicia tectorum, Ceiba pentandra, Gleditsia amorphoides, Myiopsitta monacha, Phyllostylon rhamnoides, Celtis monoica, Drypetes lateriflora, Arrabidaea corallina und Cardiospermun grandiflorum. Gelegentlich kommt es auch vor, dass der Schwarzbussard einen verlassenen Horst von einem Schwarzhalsbussard (Busarellus nigricollis) bezieht. In Argentinien baut der Schwarzbussard seinen Horst auch auf einen Strommast. Das Gelege besteht nur aus einem Ei. Das Ei weist eine matte weißliche bis graue Färbung auf und ist mit rötlich-violetten und braunen Flecken oder mit bräunlichen Zick-Zack-Linien besetzt. Das Ei mißt etwa 57,4 bis 61,2 x 47,0 bis 49,4 Millimeter und wiegt etwa 5,65 bis 6,12 Gramm. Die Inkubationszeit ist je nach Verbreitungsgebiet unterschiedlich. In Argentinien beträgt sie 35 bis 37 Tage, die Nestlingszeit etwa 60 Tage. In Guatemala dauert die Inkubationszeit 40 Tage und der Jungvogel ist etwa nach 60 Tagen flügge. Das Männchen versorgt während der Inkubationszeit und auch während der Nestlingszeit das Weibchen und den Jungvogel ausreichend mit Nahrung. Der Jungvogel wird noch bis zu 7 Monate nach dem Flüggewerden von den Eltern mit Nahrung versorgt.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Schwarzbussard heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Er ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Schwarzbussard selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird der Schwarzbussard als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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