Schwarze Bohnenblattlaus

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Schwarze Bohnenblattlaus
Schwarze Bohnenblattläuse auf der Acker-Kratzdistel

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Gleichflügler (Homoptera)
Unterordnung: Pflanzenläuse (Sternorrhyncha)
Überfamilie: Blattläuse (Aphidoidea)
Familie: Röhrenblattläuse (Aphididae)
Unterfamilie: Aphidinae
Gattung: Aphis
Art: Schwarze Bohnenblattlaus
Wissenschaftlicher Name
Aphis fabae
Scopoli, 1763

Die Schwarze Bohnenblattlaus (Aphis fabae), auch Schwarze Bohnenlaus oder Rübenlaus genannt, zählt innerhalb der Familie der Röhrenblattläuse (Aphididae) zur Gattung Aphis.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die mit stechend saugenden Mundwerkzeugen ausgestattete Schwarze Bohnenblattlaus ist ähnlich wie die Wanzen ein ausgesprochener Pflanzensaftsauger. Der Saugrüssel besteht aus einer Reihe von Stechborsten, die durch umgewandelte Mandibeln und durch die ersten Maxillen gebildet werden. Die Stechborsten liegen in einer Führungsrinne, welche durch das Labium gebildet wird. Die Schwarze Bohnenblattlaus weist einen relativ plumpen und wenig sklerotisierten Körper auf. Sie kann eine Körperlänge von zwei Millimetern erreichen und weist eine dunkel olivgrüne bis mattschwarze Färbung auf. Ebenso ist der Kopf schwarz gezeichnet. Die frontalen Tuberkel sind nicht entwickelt. Die Unterseite ist schwarz gefärbt, während die langen und dünnen Beine hell erscheinen.

Die Schwarze Bohnenblattlaus besitzt zwei große Siphonen. Siphonen sind paarige Abdominaldrüsen. Diese befinden sich dorsal auf dem fünften Abdominalsegment. Aus den Siphonen kann zur Verteidigung ein Sekret ausgeschieden werden. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Honigtau, sondern um wachshaltige Blutzellen, mit denen einem Angreifer zum Beispiel die Mundwerkzeuge verschmiert werden können. Bei der geflügelten Generation Migrantes alatae sind der Kopf und der längliche Thorax glänzend schwarz gefärbt. Die Antennen sind kleiner als zwei Drittel der Körperlänge. Sie bestehen aus maximal sechs Segmenten und setzen sich aus zwei kurzen dicken Grundgliedern und ein bis vier fadenförmigen Geißelgliedern zusammen. Das Weibchen zeigt deutlich geschwollene Hinterschienbeine.

Lebensweise

Die Schwarze Bohnenblattlaus und die Schwarze Wegameise (Lasius niger) sowie die Grauschwarze Sklavenameise (Formica fusca) bilden eine Art Symbiose. Die Schwarzen Wegameisen (Lasius niger) halten sich die Schwarze Bohnenblattlaus, beschützen sie vor den gefrässigen Marienkäfern (Coccinellidae) oder vor den Larven der Schwebfliegen (Syrphidae), und züchten sie im eigenen Nest.
In Symbiose - Schwarze Wegameisen (Lasius niger) züchten Schwarze Bohnenblattläuse, um von Ihnen den Honigtau abzuzapfen.
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In Symbiose - Schwarze Wegameisen (Lasius niger) züchten Schwarze Bohnenblattläuse, um von Ihnen den Honigtau abzuzapfen.
Ebenso bekannt ist das Erbetteln von Honigtau durch die Grauschwarze Sklavenameise (Formica fusca), die sich die Schwarze Bohnenblattlaus wie eine Milchkuh hält und diese aber auch vor Fleischfressern schützt.

Verbreitung

Die Schwarze Bohnenblattlaus tritt überwiegend in Mitteleuropa auf. Die Verbreitung liegt hauptsächlich in den gemäßigten oder wärmeren Zonen. Die Schwarze Bohnenblattlaus bevorzugt vor allem Wiesen und Heckenheiden, auf denen zahlreiche primäre und sekundäre Wirtspflanzen vorkommen. Die ungeflügelten Läuse sind sehr stark ortsgebunden, während die geflügelten Läuse für eine weitreichende Verbreitung sorgen.

Ernährung

Die Schwarze Bohnenblattlaus ist phytophag und sie ist ein Phloemsauger. Verwertet werden die im Phloemsaft enthaltenen Aminosäuren. Der Zucker wird als Honigtau ausgeschieden. Die Schwarze Bohnenblattlaus ist also ein Honigtau-Erzeuger.
In Symbiose - Schwarze Bohnenblattlaus mit Schwarzer Wegameise (Lasius niger)
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In Symbiose - Schwarze Bohnenblattlaus mit Schwarzer Wegameise (Lasius niger)

Sie ernährt sich von mehr als zweihundert primären Wirtspflanzen. Dazu zählen unter anderem Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris), Strahlenlose Kamille (Chamomilla suaveolens), Weißer Gänsefuß (Chenopodium album), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare), Kletten-Labkraut (Galium aparine), Stumpfblättriger Ampfer (Rumex obtusifolius), Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) sowie Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus). Die geflügelte Generation Migrantes alatae bezieht etwa im Juni die sekundären Wirtspflanzen vieler Kulturpflanzen wie Rote Rüben, Saubohnen, Pferdebohnen, Grüne Bohnen, Zuckerrüben und Mohn sowie Kartoffeln, Karotten, Artischocken und Tabakpflanzen. Die Schwarze Bohnenblattlaus ist auch ein Vektor (Überträger) bestimmter Viruskrankheiten.

Fortpflanzung

Bei der Schwarzen Bohnenblattlaus besteht ein Wechsel zwischen einer geschlechtlichen und einer ungeschlechtlichen Vermehrung, man bezeichnet dies auch als Heterogenie. Mit der Heterogenie ist oft auch ein Wechsel der Wirtspflanzenart verbunden. Im Frühjahr etwa Ende März, schlüpfen aus den Wintereiern Larven, die sich im Laufe von drei Larvenstadien zu den Fundatrix heranwachsen.
In Symbiose - Schwarze Wegameisen (Lasius niger) züchten Schwarze Bohnenblattläuse, um von Ihnen den Honigtau abzuzapfen.
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In Symbiose - Schwarze Wegameisen (Lasius niger) züchten Schwarze Bohnenblattläuse, um von Ihnen den Honigtau abzuzapfen.
Als Larven durchlaufen sie dann Säfte saugend und wachsend drei Häutungen bis zu ihrem Erwachsenenstadium. Ohne geschlechtliche Paarung bringt sie dann lebende Larven zur Welt, pro Fundatrix können es etwa 80 Individuen sein. Diese benötigen dann vier Häutungen bis zu ihrem Erwachsenenstadium und gebären anschließend etwa 40 lebende Larven, die sich in gleicher Weise entwickeln und vermehren.

Ende April sind dann die Triebspitzen der Wirtspflanze dicht mit schwarzen Kolonien bedeckt. Im Laufe der Zeit nimmt der Anteil der geflügelten Tiere (Migrantes) zu. Die Migrantes verlassen die Wirtspflanze und wechseln auf die sekundären Wirtspflanzen über. Die Migrantes erzeugen dort lebendgebärend durchschnittlich 20 Individuen, die geflügelt oder ungeflügelt sein können. Im September entstehen dann die geflügelten Läuse (Sexuparae). Diese kehren dann wieder zu den primären Wirtspflanzen zurück. Dort bringen sie dann eine Generation hervor, die sich paart und zeugen somit die männlichen Geschlechtstiere (Sexuales). Die Weibchen legen auf den primären Wirtspflanzen ihre befruchteten Eier ab, die dort überwintern und somit schließt sich der Lebenszyklus der Schwarzen Bohnenblattlaus wieder. Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung, die im Herbst stattfindet, werden relativ wenige Nachkommen erzeugt. Die ungeschlechtlichen Vermehrung hat den Vorteil, dass eine Population ziemlich schnell aufgebaut werden kann.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
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