Schwarzgesicht-Uakari

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Schwarzgesicht-Uakari
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Sakiaffen (Pitheciinae)
Gattung: Uakaris (Cacajao)
Art: Schwarzgesicht-Uakari
Wissenschaftlicher Name
Cacajao melanocephalus
(Humboldt, 1811)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Schwarzgesicht-Uakari (Cacajao melanocephalus), der auch Scharlachgesicht genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung der Uakaris (Cacajao). Im Englischen wird der Schwarzgesicht-Uakari Golden-backed Black Uakari, Black Uacari, Black-headed Uacari oder Humboldt's Black-headed Uacari genannt.

Inhaltsverzeichnis

Diagnose, Kontext und Inhalt

Der Schwarzgesicht-Uakari zeichnet sich im Gegensatz zum Roten Uakari (Cacajao calvus) durch mit einer markanten Haarpracht im Bereich des Kopfes aus. Beim Roten Uakari ist der Schädel fast kahl. Das Gesicht des Schwarzgesicht-Uakaris ist zudem schwarz gefärbt. Dieses Merkmal war namensgebend. Beim Roten Uakari ist die Haut hingegen leicht rosafarben. Hervorgerufen wird die Rosafärbung durch subkutane Blutgefäße. Die beiden Arten unterscheiden sich auch in der Fellfärbung. Der Rote Uakari ist im Wesentlichen einfarbig, der Schwarzgesicht-Uakari ist durch eine zimtfarbene Färbung des Schwanzes und der Flanken gekennzeichnet. Das restliche Fell ist schwarz (Barnett, 2005). Ursprünglich wurden die beiden Unterarten des Schwarzen Uakari als eigenständige Arten geführt. Nach einhelliger Meinung handelt es sich jedoch um nur eine Art (Barnett, 2005; Wilson & Reeder, 2005). Der Holotypus existiert nicht mehr. Der Erstautor, Alexander Freiherr von Humboldt, beschrieb seinerzeit die Art aufgrund eines lebendigen Jungtieres (Barnett, 2005).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarzgesicht-Uakari erreicht je nach Geschlecht eine unterschiedliche Größe und ein unterschiedliches Gewicht. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 365 bis 445 mm, eine Schwanzlänge von 150 bis 165 mm sowie ein Gewicht von 2.500 bis 3.000 Gramm. Männchen erreichen eine Körperlänge von 435 bis 485 mm, eine Schwanzlänge von 155 bis 185 mm sowie ein Gewicht von bis zu 3.700 Gramm. Weibchen bleiben demnach kleiner und leichter als Männchen. Die Unterarten unterscheiden sich nicht in Größe und Gewicht. Zu unterscheiden sind die Unterarten durch die Fellzeichnung. Cacajao melanocephalus melanocephalus weist eine schwarzen Nacken auf, Cacajao melanocephalus ouakary einen goldgelben Nacken. Das Gesicht ist nackt und die Haut ist schwarz pigmentiert. Die Flanken, der Schwanz und die oberen Bereiche der Gliedmaßen sind zimtrot bis zimtbraun gefärbt. Das restliche Fell ist ansonsten schwarz gefärbt. Das Fell ist relativ lang. Am längsten ist es mit bis zu 10 cm im Bereich der Flanken. Das Gebiss ist kräftig und besteht aus 36 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p2/3, m3/3. Das Gebiss weist eine starke Spezialisierung auf. Die Schneidezähne stehen eng und sind länglich. Die leicht eckig anmutenden Eckzähne, die eine Länge von bis zu 14 mm erreichen, stehen seitlich etwas gespreizt. Die Kronen der Molaren sind niedrig. Die unteren Eckzähne sind durch ein recht breites Diastema von den Schneidezähnen getrennt. Bei den Eckzähnen zeigt sich aufgrund der fehlenden männlichen Konkurrenz kein nennenswerter Dimorphismus zwischen den Geschlechtern. Die Prämolaren und Molaren sind relativ klein. Die Zahnmorphologie stellt eine Anpassung an die Ernährungsgewohnheiten dar (Barnett, 2005; Novak, 1999).

Anatomische Anpassungen an die Ernährungsweise zeigen sich auch beim Schädel und dem Unterkiefer. Die nasalen Knochen sind vergrößert, der Gaumen ist relativ schmal. Der Jochbeinbogen liegt recht weit vorne und der Condylobasalbereich ist groß. Der Unterkiefer ist ausgesprochen robust gebaut. Schwarzgesicht-Uakari bewegen sich im Geäst der Bäume hauptsächlich quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Die Tiere halten sich meist in mittlerer Höhe bis hoch in den Baumwipfeln auf. Mittlere Entfernungen von bis zu 10 Metern können zwischen Bäumen durch Sprünge überwunden werden. Der Daumen ist nicht opponierbar. Zeigefinger und Daumen sind zusammen gegen die 3 restlichen Finger beweglich gelagert. Schwarzgesicht-Uakaris verfügen über 46 bis 50 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 13 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 6 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 3 bis 4 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 17 bis 20 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Der Caecum, also der Blinddarm, ist sehr groß und erreicht ein Volumen von etwa 60 bis 70% des Magen-Darm-Inhaltes. Der Magen ist hingegen eher klein (Barnett, 2005; Novak, 1999).

Lebensweise

Die Geschlechter leben meist in gemischt-geschlechtlichen Gruppen. Es treten sowohl mehrere Männchen als auch mehrere Weibchen auf. Eine durchschnittliche Gruppe weist eine Stärke von 20 bis 30 Tieren auf. Gruppenstärken von bis zu 120 Individuen treten eher selten auf. Gruppengrößen von 3 bis 10 Tieren sind ebenso selten. Während der täglichen Suche nach Nahrung verstreut sich eine Gruppe auf einen Radius von 100 bis 150 Metern. Wasser nehmen die Tiere über die Hände zu sich, die ins Wasser getaucht werden und das Wasser überlas Fell ins Maul fließen kann. Die Reviere einer durchschnittlichen Gruppe weisen eine Größe von 1.000 bis rund 14.000 Hektar auf. Die Reviergröße richtet sich auch nach dem Nahrungsangebot.

Unterarten

Verbreitung

Schwarzgesicht-Uakaris sind in Südamerika im Rio Negro-Becken und einige Nebenflüsse verbreitet. Cacajao melanocephalus melanocephalus ist im brasilianischen Bundesstaat Amazonas und im südlichen Venezuela auf. Die Unterart ist auf nur nördlich und östlich des Rio Negro anzutreffen. Cacajao melanocephalus ouakary ist im Bereich südlich des Japurá und östlich des Rio Negro verbreitet. Das Verbreitungsgebiet dieser Unterart beschränkt sich auf das Staatsgebiet von Kolumbien. Schwarzgesicht-Uakaris sind entlang der Schwarzwasserflüsse des Negro-Beckens anzutreffen. Besiedelt werden auch saisonal überflutete Wälder und andere Überschwemmungsbereiche. Die Wahl des Lebensraumes richtet sich nach den jährlichen Überschwemmungen und der Verfügbarkeit von Nahrung, insbesondere von Früchten (Barnett, 2005; Novak, 1999).

Biozönose

Sympatrie

Der Schwarzgesicht-Uakari lebt in seinem Lebensraum sympatrisch mit anderen Primaten (Primates). Hier sind insbesondere Gehaubte Kapuziner (Cebus apella), Weißstirnkapuziner (Cebus albifrons), Bartsakis (Chiropotes), Weißkopfsaki (Pithecia pithecia) und Gewöhnliche Totenkopfaffen (Saimiri sciureus) zu nennen. Kontakte oder Interaktionen zu den genannten Arten gibt es nicht. Auch eine Konkurrenz um Nahrungsmittel spielt keine große Rolle (Barnett, 2005).

Prädatoren und Mortalität

Natürliche Feinde hat der Schwarzgesicht-Uakari im Grunde nut wenige. Meist fallen hauptsächlich Jungtiere Greifvögeln (Falconiformes) zum Opfer. Der einzige, der den Primaten nachstellt, ist der Mensch. Dies jedoch nur in einem geringen Ausmaß, da die Schwarzgesicht-Uakaris schwer zu jagen sind. Lokal werden die Tiere auch gefangen und als Haustiere gehalten (Barnett, 2005).

Ernährung

Schwarzgesicht-Uakaris ernähren sich als Allesfresser hauptsächlich von harten, unreifen Sämereien. Mit dem kräftigen Gebiss können die Tiere mühelos die harte Schale knacken um an den Kern zu kommen. Untersuchungen haben ergeben, dass Schwarzgesicht-Uakaris die Früchte von 95 Baumarten und einigen anderen Gewächsen fressen. Je nach Pflanzenart kann die Schale eine Dicke von bis zu 4 mm erreichen. Beliebt sind besondere die Früchte von Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae) wie Hevea braziliensis und Micrandra spruceana, Pflanzen aus der Familie der Fabaceae wie Eperua leucantha. Saisonal schwankt die aufgenommene Nahrung. Während der Trockenzeit werden beispielsweise auch Blätter gefressen. Hier sind beispielsweise die Blätter von Flügelsamengewächse (Combretaceae) wie Buchenavia oxicarpa, Topffruchtbaumgewächse (Lecythidaceae) wie Eschweilera tenuifolia oder Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) wie Mabea taquari. Neben der pflanzliche Kost steht zu einem kleinen Teil auch tierisches Protein auf der Speisekarte. Gefressen werden beispielsweise Insekten (Insecta), die von Baumstämmen oder von Blättern aufgelesen werden. Weit oben auf der Speisekarte stehen zum Beispiel Ameisen (Formicoidea) und Geradflügler (Orthoptera) sowie andere kleine Gliederfüßer (Barnett, 2005; Novak, 1999).

Fortpflanzung

Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 3 Jahren, Männchen sind erst im Alter von rund 6 Jahren geschlechtsreif. Die Paarungszeit der Uakaris erstreckt sich in den tropischen Lebensräumen über das ganze Jahr, zu den meisten Geburten kommt es jedoch zwischen März und April. Der Intervall zwischen 2 Geburten liegt für gewöhnlich bei 2 Jahre. Ein Weibchen bringt in der Regel ein Jungtier zur Welt, über Zwillingsgeburten liegen keine Informationen vor. Während des Östrus der Weibchen, der 3 bis 4 Tage andauert, spielt die olfaktorische Wahrnehmung eine große Rolle. Die Wahrnehmung erfolgt durch Schnuppern und Lecken an den Genitalien. Bei Paarungsbereitschaft lässt sich ein Weibchen dieses Verhalten gefallen, ansonsten drängt sie das Männchen zurück. Eine Kopulation kann sich über mehrere Minuten erstrecken. Die Kopulation erfolgt durch Aufreiten, seltener auch in Bauch-zu-Bauch-Lage. Nach der Kopulation kommt es in der Regel zur gegenseitigen Fellpflege, aber mittelfristig lässt das Interesse des Männchens am Weibchen nach. Die Trächtigkeit erstreckt sich über einen Zeitrum von 180 bis 182 Tagen. Die Geburt erfolgt meist in der Nacht. Das Neugeborene wird von der Mutter die erste Zeit am Bauch getragen, ab dem dritten oder vierten Lebensmonat auch auf dem Rücken. Die Väter kümmern sich nicht um den Nachwuchs. Die Säugezeit erstreckt sich über 120 bis 150 Tage. Die Selbständigkeit wird gegen Ende des ersten Lebensjahres erreicht. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 15 bis 18 Jahren (Barnett, 2005; Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Schwarzgesicht-Uakari gehört heute noch nicht zu den bedrohten Primatenarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Die größten Populationen liegen in 2 großen Nationalparks in Kolumbien. Dies sind die Schutzgebiete Nukak mit 855.000 Hektar und Puinawai 1.280.000 Hektar. Schutzgebiete gibt es für die Art auch in Brasilien, die sich über mehrere Millionen Hektar erstrecken (Barnett, 2005; IUCN 2008).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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