Schwarzhörniger Totengräber

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Schwarzhörniger Totengräber
In Symbiose mit kleinen Milben

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Aaskäfer (Silphidae)
Unterfamilie: Nicrophorinae
Gattung: Totengräber (Nicrophorus)
Art: Schwarzhörniger Totengräber
Wissenschaftlicher Name
Nicrophorus vespilloides
Herbst, 1783

Der Schwarzhörnige Totengräber (Nicrophorus vespilloides), auch unter der Bezeichnung Schwarzfühleriger Totengräber bekannt, zählt innerhalb der Familie der Aaskäfer (Silphidae) zur Gattung der Totengräber (Nicrophorus). Im Englischen wird der Schwarzhörnige Totengräber burying beetle oder sexton beetle genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarzhörnige Totengräber erreicht eine Körperlänge von etwa 12,0 bis 18,0 Millimeter. Die Flügeldecken sind deutlich kürzer als der Hinterleib. Auf den Flügeldecken zeigen orangefarbene Querbänder, die einen gezackten Rand aufweisen. Das weiter hintergelegene Querband ist in zwei Flecken getrennt. Unter der Schulter zeigt sich ebenfalls ein kleiner orangefarbener Fleck. Der Kopf, der Schild, die Fühler und der Thorax weisen eine schwarze Färbung auf. In der Regel besitzt der Schwarzhörnige Totengräber am Ende einen kurzen, dicken, quer auf die Achse gefiederten, Knopf tragenden Fühlern. Die Brust ist mit gelben Härchen besetzt. Das Abdomen ist ebenfalls von einer schwarzen Tönung und die Beine sind dick, schwarz und geeignet zum Graben. Ein besonderes Merkmal ist die Lautäußerung bzw. der starke Summton des Schwarzhörnigen Totengräber. Der Ton besteht aus einem abgesetzten schnarrenden Laut. Er wird hervorgerufen durch die Reibung des fünften Hinterleibsringes an die Hinterränder der beiden Flügeldecken. Der Hinterleib ist aus acht Ringen zusammengesetzt. Von diesen zeigen die ersten vier einen anderen Bau, als die vier letzten. Erstere liegen stets mit ihrer oberen Hälfte unter den Flügeldecken verborgen und sind weicherer, wo die Stigmen gelegen sind. Die vier hintersten Ringe sind sowohl in ihren oberen als auch an ihren unteren Halbbogen sehr fest. Die drei letzten stehen immer unter den Flügeldecken hervor, und sind an ihren hinteren Rändern behaart. Der fünfte Hinterleibsring zeigt einen abnormen Bau. <1>

Schwarzhörniger Totengräber
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Schwarzhörniger Totengräber

Sein oberer Halbbogen ist von allen der größte und zeigt auf der Mitte zwei schmale Leisten, welche nach vorn zu etwas weiter auseinanderlaufen, als nach hinten. Die Flügeldecken, hinten abgestutzt, haben am Hinterrand eine starke Chitineinfassung. In der Nähe der Deckennaht erhebt sich letztere zu einer erhabenen Leiste in einiger Entfernung vom Hinterrand der Elytren. Wird nun der fünfte Hinterleibsring durch die Muskelkontraktionen des Abdomens auf und ab bewegt, so reiben sich die beiden kleinen Längsleisten des fünften Ringes an die quergestellten Leisten der Elytren, wodurch der Ton entsteht. Der Deckenrand bildet so das Reibzeug, die Leisten des Hinterleibsringes den Reiber. Es entsteht sowohl beim Aufbiegen des Hinterleibes, als auch beim Herunterbiegen des Hinterleibes der Ton, wenngleich er im ersteren Fall viel kräftiger ist. Die beiden erhabenen Längsleisten sind auf dem Hinterleibsring angebracht, damit die Deckennaht beim Reiben zwischen denselben Platz findet. Reibzeug und Reiber passen genau aufeinander, wäre dies nicht der Fall, so könnten die Flügeldecken leicht beim Reiben auseinandergepreßt werden. Aber so befinden sie sich in ihrer natürlichen Lage, da die Randadern der Flügeldecken zwischen den Leisten zusammengeklemmt werden. Die beiden Längsleisten auf dem fünften Hinterleibsring sind durch eine große Anzahl feiner Rillen in etwa 140 bis 153 kleinen Leisten geteilt. Die kleinen Leisten, welche sämtlich quer stehen, werden durch die Bewegung der Hinterleibsringe über die sehr scharfe hintere Kante der Flügeldecken gestrichen, wodurch in ähnlicher Weise der knarrende Ton entsteht, als wenn man mit der Messerschärfe über die Rillen einer Feile kratzt. Die messerscharfe Reibleiste jeder Flügeldecke ist 0,86 Millimeter lang. Jede der beiden gerillten Reibleisten des fünften Hinterleibsringes ist oben 0,23 Millimeter breit, läuft nach unten bis zu 0,16 Millimeter Breite verjüngt zu. Der Abstand beider gerillten Leisten beträgt oben 0,5 Millimeter, unten hingegen nur 0,46 Millimeter, ihre ganze Länge mißt 1,95 Millimeter. <2>

Lebensweise

Der tagaktive Schwarzhörnige Totengräber hat einen sehr feinen Geruchssinn und wittert auf weite Entfernung schon tote Tiere, wie Maulwürfe, Mäuse, Vögel und dergleichen. Er fliegt ihnen mit einem starken schnarrenden Ton zu und gräbt sie in einer sehr kurzen Zeit in die Erde, um darin seine Eier abzulegen und um eine größere Sicherheit für die Eier zu gewährleisten. In Gesellschaft trifft man den Schwarzhörnigen Totengräber mit dem Gemeinen Speckkäfer (Dermestes lardarius). Es gibt eine Reihe von elektrophoretischen (per Anhalter) Milben (Acari, Acarida), die in Symbiose auf den Flügeldecken, auf dem Kopf, auf der Unterseite oder an den Beinen des Schwarzhörnigen Totengräber leben. Dazu zählen unter anderem Pelzneria crenulata, Macrocheles merderius und Uroobovella novasimilis and die größte Milbe Poecilochirus carabi.

Verbreitung

Schwarzhörniger Totengräber mit toter Waldspitzmaus (Sorex araneus)
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Schwarzhörniger Totengräber mit toter Waldspitzmaus (Sorex araneus)

Der Schwarzhörnige Totengräber ist in Europa weit verbreitet. Ferner kommt er in Sibirien, in der Mongolei, in Korea, China, Kasachstan, Kirgisistan, in der Türkei, im Iran und in Japan sowie in Nordamerika vor. Er hält sich vor allem in Gärten, auf Friedhöfen, in Parks auf. Man trifft den Schwarzhöckerigen Totengräber nahe der Wälder und in Laubmisch-Wäldern an, auch wird offenes Land aufgesucht.

Ernährung

Der Schwarzhörnige Totengräber ernährt sich von Aas, von verwesenden Pflanzenteilen und von verrottenden Pilzen. Gelegentlich werden auch kleine Insekten (Insecta) aufgenommen.

Fortpflanzung

Im Frühjahr und im Sommer verpaaren sich die Geschlechter. Die Olfaktorische Orientierung erfolgt durch das abgesonderte Pheromon des Männchens, genannt etyl-4-metylheptanoat, um die Weibchen anzulocken. Nach der Paarung suchen das Weibchen und das Männchen verwesende tierische Substanzen auf, die in kurzer Zeit in die Erde vergraben werden. Dabei legen beide Geschlechter für die Eier mehrere Kammern an. Danach legt das Weibchen die Eier ab. Die Eier sind weiß und haben eine ovale Form. Diese Art weist eine hoch entwickelte Brutpflege auf und beide Geschlechter beteiligen sich daran, indem sie die Eier beschützen. Nach dem Schlupf sind die Larven etwa 1,0 Zentimeter lang und weisen eine gelblich-weiße Färbung auf. Ferner zeigt sich ein schuppig orangefarbener Schild und in der Mitte ist der Körper etwas schraffiert. Die Larven haben an den Mandibeln kein Retinaculum und keine Mahlfläche, die Mandibeln sind schmäler, an der Spitze schief abgestutzt, fast zweispitzig und gesägt. Beide Geschlechter beschützen die Larven und sorgen für genügend Nahrung bis sie in der Lage sind, sich selbst zu ernähren, in der Regel sind es etwa fünf Stunden. Jede dieser Larven bildet für sich einen gelblich gefärbten Kokon in der Erde und überwintert. Nach etwa drei Wochen schlüpfen sie als fertige Käfer aus den Puppen.

Weitere Synonyme

Schwarzhörniger Totengräber
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Schwarzhörniger Totengräber
  • Nicrophorus aurora - Motschulsky, 1860
  • Nicrophorus defodiens oregonensis - Hatch, 1927
  • Nicrophorus hebes - Kirby, 1837
  • Nicrophorus mortuorum - Fabricius, 1792
  • Nicrophorus pygmaeus - Kirby, 1837
  • Nicrophorus vespilloides altumi - Westhoff, 1881
  • Nicrophorus vespilloides aurora - Portevin, 1924
  • Nicrophorus vespilloides borealis - Portevin, 1914a
  • Nicrophorus vespilloides oregonensis - Swann & Papp, 1972
  • Nicrophorus vespilloides fractus - Portevin, 1914
  • Nicrophorus vespilloides vespilloides - Madge, 1958
  • Nicrophorus vespilloides subfasciatus - Portevin, 1914
  • Nicrophorus vespilloides subinterrupta - Roubal, 1934
  • Nicrophorus vespilloides subinterruptus - Pic, 1917
  • Nicrophorus vespilloides sylvaticus - Reitter, 1895
  • Nicrophorus vespilloides sylvivagus - Reitter, 1897
  • Silpha mortuorum - Marsham, 1802
  • Silpha vespilloides - Crotch, 1873
  • Silpha vespilloides hebes - Crotch, 1873

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] [2] Zeitschrift für Wissenschaftliche Zoologie, Band 17, herausgegeben von Carl Theobold v. Siebold, Professor an der Universität zu München, und Albert Kölliker, Professor an der Universität zu Würzburg. Siebzehnter Band. Mit 38 Kupfertafeln. Verlag von Wilhelm Engelmann. 1876.
  • Heiko Bellmann: Insekten (ohne Schmetterlinge). Erkennen und Bestimmen. 2002 by Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe FALKEN/Mosaik, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, 81673 München / 5 4 3 2 1. ISBN 3-576-11476-9
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
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