Schwarzkinnkolibri

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Schwarzkinnkolibri

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Erzkolibris (Archilochus)
Art: Schwarzkinnkolibri
Wissenschaftlicher Name
Archilochus alexandri
Bourcier & Mulsant, 1846

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Schwarzkinnkolibri (Archilochus alexandri) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung der Erzkolibris (Archilochus). Im Englischen wird dieser Kolibri Black-chinned Hummingbird oder Alexander Hummingbird genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Schwarzkinnkolibri gehört zu den mittelgroßen Kolibriarten und erreicht eine Körperlänge von gut 9 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 11 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2,5 bis 4,5 Gramm. Männchen bleiben nur unwesentlich kleiner und leichter als Weibchen. In der Gefiederfärbung weisen die Geschlechter jedoch einen deutlichen Dimorphismus auf. Die Kehle weist beim Weibchen eine weißliche bis schmutzig weiße Färbung auf, die sich über die gesamte Brust- und Bauchseite fortsetzt. Beim Männchen ist der gesamte Kopf und der Kehlbereich schwarz bis purpurrot gefärbt. Stellenweise zeigt sich an der Kehle auch eine leuchtend blaue Färbung. Seine Brust ist schmutzig weiß gefärbt, die Flanken sind hell graugrün. Die Rückseite ist bei beiden Geschlechtern grünlich schimmernd gefärbt. Unmittelbar hinter den Augen weisen beide Geschlechter einen kleinen weißen Fleck auf. Der lange Schnabel ist fast gerade geformt und weist eine schwarze Färbung auf. Die Extremitäten sind dunkelgrau gefärbt.

Lebensweise

Die tagaktiven Schwarzkinnkolibris leben typischerweise einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich nur kurz zur Paarungszeit und trennen sich nach der Kopulation wieder. Schwarzkinnkolibris gelten als durchaus territorial, verteidigen ihr Revier aber nicht sonderlich und dulden Artgenossen in ihrer Nähe. Während der Nacht ruhen Schwarzkinnkolibris an geschützten Stellen in dichter Vegetation. Ihr Metabolismus fährt dabei deutlich zurück, um Energie zu sparen. Im späten Herbst ziehen Schwarzkinnkolibris in wärmere Regionen und verbringen dort die kalte Jahreszeit. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich der Zug über weit mehr als 1.500 Kilometer. Die nördlichsten Winterquartiere liegen im Süden von Kalifornien und in Texas. Die meisten Schwarzkinnkolibris ziehen jedoch bis nach Mexiko.

Verbreitung

Schwarzkinnkolibris kommen im westlichen und südlichen Nordamerika sowie im nördlichen Mittelamerika vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südwestlichen Kanada, über die westlichen, teilweise auch zentralen bis in die südwestlichen US-Bundesstaaten und weiter südlich bis ins nördliche Mittelamerika. Man trifft den Schwarzkinnkolibri vor allem in lichten Wäldern und an deren Ränder. In Höhenlagen kommen die Vögel bis in die Mittelgebirge in Höhen von gut 2.500 Metern über NN. vor. Im Südwesten der USA, im Bereich von Kalifornien bis Texas, sind die größten Populationen beheimatet. In der Nähe des Menschen werden auch Gärten und Parks sowie landwirtschaftliche Flächen besiedelt. Dichte Vegetation wie Büsche, Hecken und ähnliches werden als Lebensraum bevorzugt. Männchen und Weibchen leben in getrennten Habitaten, dies ist vor allem während der Paarungszeit der Fall. Unmittelbar nach der Kopulation trennen sich die Geschlechter, die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Im Herbst ziehen Schwarzkinnkolibris in die Winterquartiere, die für gewöhnlich in Mittelamerika liegen.

Prädatoren, Parasiten

Prädator: Westlicher Buschhäher (Aphelocoma californica)
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Prädator: Westlicher Buschhäher (Aphelocoma californica)

Schwarzkinnkolibris stehen auf der Speisekarte einer Reihe von Fleischfressern. Zu den natürlichen Fleischfressern gehören insbesondere andere Vögel wie Greifvögel (Falconiformes) und andere räuberisch lebende Vögel. Dazu gehören insbesondere Buntfalken (Falco sparverius) und der Westliche Buschhäher (Aphelocoma californica). Weibchen verteidigen ihr Gelege vehement. Sie gehen dabei sehr aggressiv gegen potentielle Fleischfresser und Eindringlinge vor. Mithilfe dieser Strategie versucht ein Weibchen einen Fleischfresser vor allem vom Nest wegzulocken.

Ernährung

Der Schwarzkinnkolibri ernährt sich überwiegend von Blütenstaub und Nektar. Hin und wieder werden auch kleine Insekten (Insecta) gefressen. Der Nachwuchs wird ausschließlich mit Insekten gefüttert. Zu den bevorzugten Futterpflanzen gehören beispielsweise Tabak (Nicotiana) wie Blaugrüner Tabak (Nicotiana glauca), Ocotillo (Fouquieria splendens) oder Rittersporne (Delphinium). Nektar wird üblicherweise im Flug aus Blüten aufgenommen. Insekten werden im Flug erbeutet oder von Pflanzen aufgelesen. Während der kalten Jahreszeit ist der Energieverbrauch der Schwarzkinnkolibris besonders hoch. Sie können dann pro Tag ihr dreifaches Gewicht an Nahrung zu sich nehmen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Schwarzkinnkolibri mit gut einem Jahr. Die Paarungszeit der Schwarzkinnkolibris beginnt in den nördlichen Verbreitungsgebieten im April, in den südlichen Regionen bereits ab Februar oder März. Je nach Verbreitungsgebiet kommt es zu ein bis zwei Gelegen in einer Saison. Die Vögel leben in einer polygamen Beziehung, ein Männchen begattet zumeist mehrere Weibchen und hat mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Unmittelbar nach der Begattung trennen sich die Geschlechter wieder. Die eigentliche Kopulation dauert nur wenige Sekunden. Das napfartige Nest wird vom Weibchen alleine errichtet und entsteht an geschützter Stelle in einer Astgabel im Geäst von Sträuchern und niedrigen Bäumen. Sie benötigt dafür meist drei Tage. Als Nistmaterial dient Rinde, Blätter, Moose und Flechten. Als Bindematerial werden Spinnenweben genutzt, die das Nest zusammenhalten. Ausgepolstert wird das Nest mit Federchen und Tierhaaren. Das Nest ist insgesamt sehr klein und weist kaum einen Durchmesser von 35 bis 40 Millimeter auf. Das Weibchen legt meist zwei, selten drei weißliche Eier, die sie über einen Zeitraum von 14 bis 16 Tagen wärmt. Die Eier weisen eine Größe von 13 mal 8 Millimeter auf. Die Küken sind beim Schlupf unbefiedert und blind. Gegen Ende der ersten Lebenswoche öffnen sie erstmals ihre Augen. Ab diesem Zeitpunkt verfügen sie auch über ein Dunengefieder. Der Nachwuchs wird überwiegend mit einem Nahrungsbrei aus leicht vorverdauter Nahrung gefüttert und erreicht bereits mit drei Wochen die Flugfähigkeit. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei sechs bis acht Jahren.

Gefährdung und Schutz

Der Schwarzkinnkolibri gehört noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 2,4 Millionen Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 2 Millionen Individuen geschätzt (Rich et al. 2003). <1> Der Schwarzkinnkolibri ist in allen Teilen dieses großen Areals häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird er daher als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dieter Poley, Kolibris. Trochilidae, Westarp Wissenschaften; Auflage: 3., erw. Aufl. (Januar 1994) - ISBN 3894324090
  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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