Seeschwalbe

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Seeschwalbe

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Überordnung: Heterobranchia
Ordnung: Hinterkiemerschnecken (Opisthobranchia)
Unterordnung: Nacktkiemer (Nudibranchia)
Teilordnung: Cladobranchia
Überfamilie: Fadenschnecken (Aeolidioidea)
Familie: Glaucidae
Gattung: Glaucus
Art: Seeschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Glaucus atlanticus
Forster, 1777

Die Seeschwalbe (Glaucus atlanticus), auch als Blaue Ozeanschnecke bekannt, zählt innerhalb der Familie Glaucidae zur Gattung Glaucus. Im Englischen wird die Seeschwalbe sea swallow, blue glaucus, blue sea slug oder blue ocean slug genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Im Allgemeinen sind die Fadenschnecken (Aeolidioidea) durch zahlreiche keulen- bis fadenförmige Rückenanhänge gekennzeichnet. Die Rückenanhänge (Cerata) sind meist mehrreihig angeordnet oder in Bücheln stehend und sind mit Taschen zur Speicherung von Nesseltierkapseln (Cniden) versehen. Der Kopf ist in der Regel mit zwei Paar Fühlern ohne Scheiden und ohne Stirnsegel besetzt. Ferner sind die Mitteldarmdrüsen verzweigt-paarig, aber rechts kleiner und die Augen sind teilweise erhaben stehend.

Ein kennzeichnender Bewohner des Meeres ist Glaucus atlanticus. Die Art erreicht eine Körperlänge von etwa 3 bis 4 Zentimeter. Sie weist einen flachen, durch langausgezogene Anhänge in drei Büschelpaaren zum Schweben nahe der Wasseroberfläche eingerichteten Körper auf. Des Weiteren besitzt sie neben dem rechts am Rücken mündenden Enddarm stets eine einreihige Raspelzunge. Die nach oben gekehrte blauglänzende Bauchseite und der nach unten zeigende farblose Rücken sind Anpassungen an diesen Lebensraum. Die Art kann auch Gase oder Luft zum Auftrieb benutzen.

Lebensweise

Als Hochseetier ist Glaucus atlanticus wie die Veilchen-Schnecke (Janthina janthina) oder die Beilschnecke (Phylliroe bucephala) auf eine entsprechende Nahrung angewiesen, wie zum Beispiel die Segelqualle (Velella velella), die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) und andere frei schwimmende Nesseltiere. Selbst die Fortpflanzung ist dem Leben der Hochsee angepaßt. Denn die Art legt seine spiraligen Laichschnüre auf dem Gerüst abgegessener Segelquallen ab. In engster Gemeinschaft sind somit die Veilchen-Schnecken und Glaucus atlanticus mit Segelquallen vereint und bilden silbrigblaue dahintreibende Schwärme, die einer Blauen Flotte gleichen.

Verbreitung

Einteilung der Pelagische Zone in 5 Tiefenzonen
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Einteilung der Pelagische Zone in 5 Tiefenzonen

Glaucus atlanticus lebt pelagisch, d. h. im uferfernen Freiwasserbereich oberhalb der Bodenzone, und ist weltweit in den gemäßigten und tropischen Gewässern verbreitet. Sie lebt in Assoziation mit Glaucilla marginata sowie mit anderen im offenen Meer lebenden wirbellosen Tieren wie die Portugiesische Galeere (Physalia physalis), die Segelqualle (Velella velella) und Porpita porpita.

Ernährung

De Art ernährt sich fast ausschließlich von verschiedenen Nesseltieren (Cnidaria), deren Kapseln sie vorübergehend in Taschen ihrer Rückenanhänge speichert. Hierbei wandern die Nesselkapselzellen unverdaut durch den Darm, werden in den Wandzellen der Rückenanhangtaschen aufbewahrt und als unerwünschte Bestandteile der Nahrung von Zeit zu Zeit nach außen entleert. Ein Vorgang, der also als eine Art Ausscheidung anzusehen ist. Erstaunlich ist dabei, dass sich die Nesselzellen nicht entladen und demnach der Schnecke keinen Schaden zufügen können. Vielleicht verwenden die von Nesseltieren lebenden Weichtiere eine Absonderung, die sie unempfindlich gegen die Nesselkapseln macht und durch die sie sich gleichsam physiologisch tarnen. Es kann auch sein, dass sie eine der Beute angepaßte Schleimabsonderung aus den Vorderdarmdrüsen abgeben, damit sie vor oder während der Nahrungsaufnahme durch dieses Einschleimen nicht als artfremd erkannt und damit nicht genesselt werden.

Fortpflanzung

Die Entwicklung der Fadenschnecken ist so ähnlich wie die der Kopfschildschnecken (Cephalaspidae). Die Fadenschnecken bilden ebenfalls Schwimmlarven vom Veligertypus aus. Diese Schwimmlarven haben eine spiralige Embryonalschale und vielfach auch noch einen Gehäusedeckel. Viele Fadenkiemer weichen davon ab. Ihre Larven besitzen eiförmig-aufgeblasene Larvenschalen. Einige Arten unterdrücken im Laufe ihrer Embryonalzeit die frei schwimmende Entwickliungsstufe. Sie machen wie Rhodope unter den Hinterkiemerschnecken (Opisthobranchia), Acteonia corrugata unter den Schlundsackschnecken (Sacoglossa) oder Dendrodoris limbata unter den Sternschnecken (Doridoidea) eine direkte Entwicklung durch.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
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