Sorex vagrans

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Sorex vagrans
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Waldspitzmäuse (Sorex)
Art: Sorex vagrans
Wissenschaftlicher Name
Sorex vagrans
Baird, 1857

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Sorex vagrans zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Waldspitzmäuse (Sorex). Im Englischen wird die Art Vagrant Shrew genannt. Übersetzen könnte man das englische Synonym mit Wanderspitzmaus.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Sorex vagrans erstreckt sich weit über das heutige Vorkommen. Fossile Funde aus dem frühen Holozän und dem mittleren Pleistozän stammen aus Texas, New Mexico und Arkansas. Die ältesten Funde stammen aus dem Yellowstone-Nationalpark in Wyoming. Zahlreiche Funde lassen sich aufgrund der hohen Ähnlichkeit zu Sorex monticolus und Sorex pacificus jedoch genau zuordnen (Gillihan & Foresman, 2004). <1>

Erkennung und Unterschiede

Sorex vagrans unterscheidet sich von allen anderen nordamerikanischen Waldspitzmäusen (Sorex) wie Sorex longirostris, Sorex monticolus oder auch Sorex trowbridgii durch die Condylobasallänge. Diese beträgt bei Sorex vagrans 15,5 bis 17,5 mm. Sorex monticolus ist kleiner als Sorex vagrans, hat einen etwas kürzeren Schwanz sowie einen kleineren Schädel und Zähne. Der Schwanz von Sorex trowbridgii ist zweifarbig, der von Sorex vagrans ist einfarbig (Gillihan & Foresman, 2004). <2>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Sorex vagrans weist je nach Geschlecht leicht divergierende Maße und Gewichte auf. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 83 bis 128 (99,69) mm, eine Schwanzlänge von 25 bis 58 (40,52) mm, eine Hinterfußlänge von 10 bis 18 (12,23) mm, eine Schädellänge von 15,46 - 19,34 (16,46) mm, eine Schädelbreite von 7,55 bis 9,41 (8,16) mm, eine Unterkieferlänge von 6,43 bis 8,43 (7,08) mm sowie ein Gewicht von 4,9 bis 7,8 (6,3) Gramm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 80 bis 130 (98,64) mm, eine Schwanzlänge von 23 bis 55 (39,68) mm, eine Hinterfußlänge von 10 bis 18 (12,15) mm, eine Schädellänge von 14,93 - 19,50 (16,35) mm, eine Schädelbreite von 7,36 bis 9,69 (8,08) mm, eine Unterkieferlänge von 6,29 bis 8,81 (7,03) mm sowie ein Gewicht von 4,2 bis 7,7 (5,5) Gramm. Das Fell von Sorex vagrans ist je nach Vorkommen gräulich bis dunkelbraun, zuweilen auch fast schwarz gefärbt. Eine schwärzliche Färbung zeigt sich vor allem bei den Populationen im Küstenbereich. Ventral zeigt sich eine weißliche, hellbraune oder auch gräuliche Färbung. Der Schwanz ist mehr oder weniger einfarbig, seltener zeigt sich andeutungsweise oben eine helle bis mittelbraune, unten eine weißliche Färbung (Gillihan & Foresman, 2004). Sorex vagrans durchläuft zwei Fellwechsel jährlich. Das Sommerfell wird durch das Winterfell Ende September bis Anfang Oktober ersetzt. Das Sommerfell wächst während der Überwinterung gegen Ende des Frühjahrs. Der Zeitpunkt des Fellwechsels richtet sich nach dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Das kräftige Gebiss von Sorex vagrans besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/1, c1/1, p3/1, m3/3 (Gillihan & Foresman, 2004; Novak, 1999) <3> .

Lebensweise

Sorex vagrans lebt einzelgängerisch, die Geschlechter treffen für gewöhnlich nur während der Paarungszeit aufeinander. Das eigene Revier wird gegenüber Artgenossen erbittert verteidigt. Es handelt sich jedoch meist um agonistische Verhaltensweisen, insbesondere um Drohgebärden. Zu echten Kämpfen kommt es hingegen nur selten. Die Reviergrößen variieren je nach Jahreszeit und Verbreitungsgebiet. Die größten Reviere zeichnen sich während der Paarungszeit ab. Ein durchschnittliches Revier eines Männchens in British Columbia weist eine Größe von 4.343 m² auf. Weibchen leben in deutlich kleineren Revieren. Diese erreichen eine Größe von etwa 2.233 m². Im Washington sind die Reviere mit 316 bzw. 235 m² (Männchen/Weibchen) deutlich kleiner. Sorex vagrans baut drei unterschiedliche Nester. Die Nester der Weibchen, in denen sie den Nachwuchs zur Welt bringen, sind eine offene, schalenartige Konstruktion mit einem Außendurchmesser von 6 bis 24 cm und einem Innendurchmesser von 4 bis 6 cm. Die eigentliche Nistmulde hat einen Durchmesser von 3 bis 4 cm. Die Nester bestehen aus trockener Vegetation wie Blätter und Gräser sowie Haaren von Säugetieren. Hin und wieder werden auch Papier und Federn eingearbeitet. Eine anderer Nestart sind die sogenannten Ruhenester. Diese wesen einen Durchmesser von 2 bis 8 cm auf und sind deutlich flacher als die Geburtsnester. Die dritte Nestart ist eine rundliche bis ovale Kuppelkonstruktion, die die Tiere bei schlechtem Wetter vor Nässe schützt. Nistmaterial nimmt Sorex vagrans mit dem Maul auf und transportiert es zum Zielort. Sorex vagrans ist sowohl in der Nacht als auch am Tage aktiv. Beobachtungen zu folge ist die Aktivität in der Nacht jedoch höher als am Tage. Zwischen den einzelnen Aktivitäten liegen in kürzeren Ruhepausen und in der Zeit für die Fellpflege. Mit den Hinterfüßen kratzen sich die Tiere das Fell oder Putzen das Gesichtsfeld mit den Vorderpfoten. Der Analogenitalbereich wird durch Lecken sauber gehalten (Gillihan & Foresman, 2004; Novak, 1999) <4> .

Unterarten

Nachstehend die Unterarten nach Gillihan & Foresman, 2004.

Wilson & Reeder (2005) erkennen Sorex vagrans orizabae nicht als Unterart an. Sie führen die Unterart als eigenständige Art Sorex orizabae (Orizaba Long-tailed Shrew).

Verbreitung

Sorex vagrans kommt im nordwestlichen Nordamerika vor. Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich über das südliche British Columbia (Kanada), Oregon, Washington, das westliche Montana, das westliche und südliche Idaho, das nördliche Nevada, das nördliche Utah, westliche Wyoming sowie das nordwestliche Kalifornien. Eine Unterart kommt im zentralmexikanischen Hochland vor (Gillihan & Foresman, 2004). Sorex vagrans bewohnt je nach Vorkommen Wiesen, Weiden, Grasland, aber auch die alpine Tundra, Sumpfgebiete, Moore und lichte Wälder. Die Lebensräume sind meist mäßig feucht und die Bodenvegetation weist eine Höhe von 5 bis 10 cm auf. Sorex vagrans kommt in Höhen von bis zu 2.133 Meter über NN vor (Gillihan & Foresman, 2004) <5> .

Biozönose

Prädatoren und Mortalität

Prädator: der Gnomen-Sperlingskauz (Glaucidium gnoma)
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Prädator: der Gnomen-Sperlingskauz (Glaucidium gnoma)

Zu den natürlichen Feinden von Sorex vagrans gehören insbesondere Eulen (Strigiformes) wie die Schleiereule (Tyto alba), der Bartkauz (Strix nebulosa), der Streifenkauz (Strix varia), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Gnomen-Sperlingskauz (Glaucidium gnoma) und der Sägekauz (Aegolius acadicus). Unter den Raubtieren (Carnivora) stellt der Rotluchs (Lynx rufus) den Spitzmäusen nach (Gillihan & Foresman, 2004) <6> .

Krankheiten und Parasiten

In Felduntersuchungen konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. An Endoparasiten sind dies vor allem Saugwürmer (Trematoda) wie Neoglyphe soricis und Bandwürmer (Cestoda) wie Vertreter der Gattungen Hymenolepis und Protogynella. Zu den bekanntesten Ektoparasiten gehören Flöhe (Siphonaptera) wie Corypsylla, Epitedia, Hystrichopsylla, Malaraeus, Catallagia, Corrodopsylla, Megabothris, Nearctopsylla und Peromyscopsylla sowie Milben (Acari) wie Alphalaelaps, Amorphacarus, Androlaelaps, Cyrtolaelaps, Eulaelaps, Euryparasitus, Haemogamasus, Hirstionyssus, Laelaps und Protomyobia. Die höchste Belastung mit Parasiten weisen die Spitzmäuse im Spätsommer auf (Gillihan & Foresman, 2004) <7> .

Ernährung

Sorex vagrans ernährt sich von Regenwürmern (Lumbricidae), Grillen (Gryllus), Spinnentieren (Arachnida), die Raupen von Schmetterlingen (Lepidoptera), Schnecken (Gastropoda), Käfern (Coleoptera), deren Larven, Blattläusen (Aphidoidea) und Ameisen (Formicoidea). Aber auch pflanzliche Kost wird nicht verschmäht. Hier sind beispielsweise Früchte, Beeren, Sämereien und grüne Pflanzenteile zu nennen. Gefressen werden ebenfalls Pilze (Fungi) wie Vertreter der Gattung Endogone. Sorex vagrans frisst besonders Sämereien von Bäumen wie Purpur-Tannen (Abies amabilis), Silber-Tannen (Abies procera), Sitka-Fichten (Picea sitchensis), Kiefern (Pinus) oder Douglasien (Pseudotsuga menziesii). In Gefangenschaft konnte nachgewiesen werden, dass Sorex vagrans pro Tag rund 4,2 bis 12,3 (10,95) Gramm Nahrung zu sich nimmt. Dies entspricht das rund 1,68-fache des Körpergewichtes. Nicht verbrauchte Nahrung wird von den Spitzmäusen gehortet (Gillihan & Foresman, 2004; Novak, 1999) <8> .

Fortpflanzung

Sorex vagrans erreicht die Geschlechtsreife zwar schon im Alter von 7 bis 10 Monaten, zur ersten Paarung kommt es meist erst im ersten Frühjahr nach der Geburt. Eher selten pflanzen sich die Tiere schon im ersten Sommer fort. Bei den Männchen zeigt sich eine Vergrößerung der Hoden (Testes) im Februar. Dieser Zustand hält bis August oder September an. Die höchste Fortpflanzungsrate weist Sorex vagrans zwischen April und Juni auf. Geburten können lokal bis in den September hinein auftreten. Nach einer Tragezeit von gut 20 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Nest 2 bis 8 (6,5) Jungtiere zur Welt. In einer Saison kann ein Weibchen bis zu drei Würfen zur Welt bringen. Der Nachwuchs kommt nackt und blind zur Welt. Das Geburtsgewicht liegt je nach Wurfgröße bei 0,35 bis 0,50 Gramm. Mit zwei Wochen stellt sich bereits das erste Fell ein. Die Augen öffnen sich im Alter von zwei bis drei Wochen, die ersten Zähne brechen im Alter von 3 Wochen durch. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im Alter von 16 bis 25 Tagen. Spätestens in der fünften Lebenswoche erreicht der Nachwuchs die Selbständigkeit. Zu diesen Zeitpunkt weisen die Jungtiere ein Gewicht von 5 bis 6 Gramm auf. Im Alter von acht Wochen geht das adulte Gewicht auf 4 bis 5 Gramm zurück. Das niedrigste Gewicht weisen die Tiere gegen Ende der Winterruhe auf (Gillihan & Foresman, 2004). Das Höchstalter liegt bei 6,6 Jahre, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt jedoch nur bei 16 bis 17 Monaten. Den zweiten Winter überleben nur wenige Tiere. Die höchste Sterblichkeit weist Sorex vagrans zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat auf (Gillihan & Foresman, 2004; Novak, 1999) <9> .

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Sorex vagrans gehört noch nicht zu den bedrohten Spitzmausarten. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Nach Angaben der IUCN sind keine Gefährdungsursachen bekannt. Zudem ist die Art sehr weit verbreitet.

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist Sorex vagrans unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind: amoenus Merriam, 1895, dobsoni Merriam, 1891, nevadensis Merriam, 1895, shastensis Merriam, 1899, sukleyi Baird, 1858, trigonirostris Jackson, 1922 und vancouverensis Merriam, 1895. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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