Spanischer Kaiseradler

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Spanischer Kaiseradler
immatur

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Aquilinae
Gattung: Echte Adler (Aquila)
Art: Spanischer Kaiseradler
Wissenschaftlicher Name
Aquila adalberti
C. L. Brehm, 1861

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Spanische Kaiseradler (Aquila adalberti) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Echten Adler (Aquila). Im Englischen wird der Spanische Kaiseradler spanish imperial eagle, iberian imperial eagle, spanish eagle oder adalbert's eagle genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch. Der Spanische Kaiseradler ist eng mit dem Kaiseradler (Aquila heliaca) verwandt. Früher galt der Spanische Kaiseradler als Unterart des Kaiseradler (Aquila heliaca), jedoch aufgrund der Unterschiede in der Morphologie ist er nun allgemein als eine eigene Art anerkannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Spanische Kaiseradler ist ein mittelgroßer Greifvogel und erreicht eine Körperlänge von etwa 75 bis 84 Zentimeter sowie eine Spannweite von etwa 177 bis 200 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 2,5 bis 3,5 Kilogramm. Das Gefieder des Spanischen Kaiseradler ist dunkler gefärbt als das Gefieder des östlichen Vertreter. Des Weiteren weist der Spanische Kaiseradler einen helleren Kopf auf. Unverwechselbar sind die weißlichen Markierungen auf den Vorderflügeln und Schulterfedern. Ferner zeigt sich auf dem Schwanz eine grau gefärbte Binde. Die Jugendlichen weisen nicht die weißlich getönten Schulterflecke auf. Das Gefieder der Jugendlichen ist im Allgemeinen rötlich-braun gefärbt und auf der Oberseite des Schwanzes zeigt eine cremefarbene Binde. Der Spanische Kaiseradler ist ein Segelflieger, der die Flügel fast flach bis leicht angehoben hält. Der Ruf ist ein wiederholtes Bellen ähnlich wie "owk".

Lebensweise

Der Spanische Kaiseradler lebt einzelgängerisch oder paarweise. Eine Paarbildung hält dabei ein Leben lang. Der Spanische Kaiseradler ist ein schneller und gewandter Flieger. Er kann Geschwindigkeiten von bis zu 125 km/h erreichen. Im Normalflug erreicht er ein Tempo von 50 bis 55 km/h. Im Flug hält der Spanische Kaiseradler seine Flügel ziemlich flach bis leicht angehoben. Das Revier weist eine durchschnittliche Größe von 30 Quadratkilometer auf. Es kann gebietsweise aber auch bis 150 Quadratkilometer betragen. Im Gegensatz zum Kaiseradler (Aquila heliaca), der im Winter südöstliche Wanderungen unternimmt, ist der Spanische Kaiseradler ein standorttreuer Greifvogel.

Verbreitung

Spanischer Kaiseradler - Adult
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Spanischer Kaiseradler - Adult

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Spanische Kaiseradler in Spanien in der Sierra de Guadarrama und Gredos, in den Ebenen des Tajo und des Tiétar, in den Bergregionen von Extremadura, Montes de Toledo, im Alcúdia Tal, in der Sierra Morena und in den Guadalquivir Sümpfen vor. Gelegentlich nistet der Spanische Kaiseradler in Salamanca und Málaga. In den 1960er Jahren gab es nur noch 30 Paare und die Genesung begann in den frühen 1980er Jahren von fünf neuen Brutpaaren pro Jahr bis 1994. Von 1994 bis 1998 sank die Populationszahl von 148 Paare auf 131 Paare und in den wichtigen Gebieten wie der Guadalquivir Sümpfe nahm der Bruterfolg in den späten 1990er Jahren drastisch ab. Seit geraumer Zeit ist eine positive Entwicklung zu verzeichnen und die Population besteht etwa aus 200 Brutpaaren. Die geschätzte Populationsgröße steigt jährlich in Spanien seit dem Jahr 2000 und zwei Brutpaare haben vor kurzem Portugal neu besiedelt. Jedoch ist eine gründliche Nachforschung in dem Verbreitungsgebiet des Spanischen Kaiseradler, vor allem in Andalusien, erforderlich. Derzeit ist der Spanische Kaiseradler in Portugal und in Spanien heimisch. In Algerien und Marokko ist die Art schon ausgestorben und in Frankreich und Gibraltar ist der Spanische Kaiseradler nur als Gast anwesend.

Der Spanische Kaiseradler hält sich in Schwemmebenen und Dünen der Guadalquivir Sümpfe sowie in den Ebenen und Anhöhen in Zentral-Spanien und in höher gelegenen Berghängen des Iberischen Scheidegebirges (Sistema Central oder Cordillera Central), wo bewässerte Anbauflächen fehlen. Die Größe und Verteilung der Kaninchen, die bevorzugte Beute des Spanischen Kaiseradler, haben einen großen Einfluß auf die Populationsdichte, Verbreitung und auf die Fortpflanzung. Tatsächlich hing die evolutionäre Entwicklung dieser Art stark von den Kaninchen ab. Aufzeichnungen vom Doñana-Nationalpark in Spanien zeigen, dass die Standortwahl für den Horstbau von der Baumhöhe abhängt und ebenfalls von menschlichen Aktivitäten stark beeinflußt wird. Zusammengefaßt besiedelt der Spanische Kaiseradler folgende Gebiete: Gemäßigtes Buschland, Buschland mit Mittelmeer-Charakter und strauchiger Vegetation, gemäßigtes Grasland, Feuchtgebiete (Inland) wie Süßwasserseen über 8 Hektar und Süßwassermarschen unter 8 Hektar.

Ernährung

Iberisches Scheidegebirge
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Iberisches Scheidegebirge

Der Spanische Kaiseradler ist wie alle Greifvögel ein reiner Fleischfresser. Er ernährt sich hauptäschlich von Kaninchen. Jedoch zählen noch andere Tiere zu seinem Beutespektrum wie zum Beispiel Rebhühner, Nager, Hasen, Tauben, Krähen, Enten und sogar Hunde. Gelegentlich nimmt der Spanische Kaiseradler auch Aas zu sich. Seine Beute lokalisiert der Spanische Kaiseradler über seinen hoch entwickelten Sehsinn. Bereits aus großer Entfernung kann er Beutetiere erspähen. Bei Sichtung eines Tieres erfolgt der Fang über einen Sturzflug. Die Beute wird mit den Fängen getötet. Der Spanische Kaiseradler jagt am Tage auf offenen Flächen und an den Rändern von Wäldern.

Fortpflanzung

Der Spanische Kaiseradler erreicht die Geschlechtsreife mit etwa drei bis vier Jahren. Hat sich ein Paar gefunden, so leben sie in lebenslanger Einehe. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungs- und Brutzeit über die Monate April bis August. Während der Paarungszeit kommt es zu aufwendigen Balzflügen. Seinen Horst erbaut der Spanische Kaiseradler gelegentlich in Felsnischen, meist aber in hohen alten Bäumen. Ein Horst wird meist über mehrere Jahre genutzt und jährlich erweitert. Muss ein Horst neu gebaut werden, so dauert dies unter Umständen vier bis fünf Wochen. Der Horst besteht hauptsächlich aus stabilen Ästen und Reisig. Das Innere des Horstes wird mit Blattwerk, Moosen und Flechten ausgepolstert.

Meist wird in Mai oder Juni das erste Ei gelegt. Im Abstand von drei bis vier Tagen legt das Weibchen meist zwei, selten auch drei oder vier Eier. Ein Durchschnittsgelege umfasst zwei Eier. In der Regel werden die Eier vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von 40 bis 43 Tagen ausgebrütet. Die durchschnittliche Brutzeit beträgt 42 Tage. Die geschlüpften Jungen werden in den ersten Tagen vom Weibchen gehudert, bis ihnen nach 10 bis 15 Tagen das Dunenkleid gewachsen ist. Bis zu dieser Zeit sorgt fast ausschließlich das Männchen für Nachschub an Nahrung. Danach werden die Jungvögel von beiden Elternvögeln mit Nahrung versorgt.

Nach rund 50 bis 55 Tagen ist den Jungtieren das jugendliche Gefieder gewachsen. Sie nehmen nun auch selbständig Nahrung in Form von Fleischhappen zu sich, die sie von Beutetieren mit ihrem Schnabel abrupfen. Mit rund 60 bis 65 Tagen erfolgen die ersten Flugversuche. Bereits 10 bis 14 Tagen nach den ersten Flugversuchen sind sie voll flugfähig. Oft ist es so, dass nur ein Jungtier aus einem Gelege überlebt. Es ist meist der erstgeschlüpfte Vogel, der auch am kräftigsten ist. Vor allem bei Nahrungsmangel tötet er seine Geschwister und wirft sie aus dem Nest. In Freiheit kann der Spanische Kaiseradler unter günstigen Umständen ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen.

Bedrohung, Schutz

Windparkanlage in Galicia/Spanien
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Windparkanlage in Galicia/Spanien

Laut der Roten Liste der IUCN gilt diese Art als verwundbar, weil es eine sehr kleine Population ist, die über laufende Management-Maßnahmen zur Abschwächung der Auswirkungen von Bedrohungen, wie Vergiftungen, Stromschläge und unzureichende Verfügbarkeit von Nahrung angewiesen ist. Insbesondere die Zerstörung von Lebensraum durch Abholzung für die Landwirtschaft hat negative Auswirkungen auf die Brutplätze. Eine weitere Bedrohung für die Art sind die Stadtentwicklung und die Landnutzung durch neue Bewässerungssysteme in Huelva. Die Sterblichkeit von absichtlicher Vergiftung hat in den Jahren stark zugenommen, vor allem in den Jagdgebieten, in denen Wild kommerziell gehalten wird. Zwischen 1990 und 1999 starben 57 Vögel an Vergiftung und das ist vermutlich die Hauptursache für den Rückgang in den späten 1990er Jahren. Die Jugendlichen werden häufig durch Stromschläge von Stromleitungen getötet und es ist eine stetige Zunahme dieser Mortalität in den letzten Jahren zu verzeichnen. Des Weiteren ist die Kaninchen-Population aufgrund viraler hämorrhagischer Erkrankung stark dezemiert. Darüber hinaus haben die menschlichen Aktivitäten in der Nähe der Brutplätze zugenommen, so dass die Brutpaare während der Inkubation häufiger gestört werden. Ferner wurde eine Abnahme der Bruteier festgestellt.

Der Spanische Kaiseradler wird im CITES-Anhang I und II und im CMS-Anhang I und II geführt. Er ist in Spanien mit 62 Prozent der Brut-Population in 20 Schutzgebieten rechtlich geschützt. Seit 1987 haben die nationalen und regionalen Regierungen die Umsetzung eines koordinierten Plans zur Erhaltung dieser Art durchgeführt. Ein europäischer Aktionsplan wurde 1996 veröffentlicht und ein nationaler Plan wird noch umgesetzt. Von 1991 bis 1999 wurden 14.370 gefährliche elektrische Strommasten modifiziert, so dass die Todesfälle durch Stromschläge erheblich reduziert wurden. Ein zusätzliches Ernährungsprogramm wurde eingeführt, um so die Auswirkungen durch den Rückgang der Kaninchen etwas abzuschwächen. Aufgrund der Nestüberwachung wurden die Störungen reduziert und ein verbesserter reproduktiver Erfolg konnte verzeichnet werden. Derzeit wird daran gearbeitet, auf privatem Gelände (über 70 Prozent der Gebiete) die Sensibilisierung und Unterstützung dieser Art zu fördern, einschließlich die Verbesserung der Lebensräume. Zahlreiche junge Vögel wurden im Rahmen einer Wiedereinführung in Cádiz in die freie Wildbahn entlassen. Um die Art zu erhalten und vor dem Aussterben zu bewahren, sind weitere und künftige Maßnahmen dringend erforderlich wie die jährliche Umfrage der Brutpopulationen, das Pflegen ausreichender Flächen von rechtlich geschützten Lebensräumen, das Beschützen und das Verwalten wichtiger Brutplätze, die Fortsetzung erfolgreicher Nestüberwachung sowie die Fortsetzung von Zusatznahrung. Weitere Maßnahmen sind die Förderung der Kaninchen-Populationen sowie die Modifizierung gefährlicher Stromleitungen und die Vermeidung von einem weiteren Ausbau der Windparkanlagen in den Schlüsselgebieten dieser Art. Eine verstärkte Koordinierung zwischen den privaten Großgrundbesitzern, Nichtregierungsorganisationen (NRO respektive NGO) und der Regierung ist ebenfalls erforderlich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

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