Sperbergeier

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Sperbergeier

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Altweltgeier (Aegypiinae)
Gattung: Gänsegeier (Gyps)
Art: Sperbergeier
Wissenschaftlicher Name
Gyps rueppellii
(Brehm, 1852)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Sperbergeier (Gyps rueppellii) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Gänsegeier (Gyps). Im Englischen wird dieser Altweltgeier Rueppell's Griffon oder Ruppell's Vulture genannt. Der Sperbergeier wurde zu Ehren des Afrikaforschers Wilhelm Peter Eduard Simon Rüppell benannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Sperbergeier erreicht eine Körperlänge von 95 bis 101 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 225 bis 240 Zentimeter sowie ein Gewicht von 5.500 bis 7.500, selten auch bis 9.000 Gramm. Sitzend erreicht er eine Höhe von gut 85 Zentimeter. Weibchen werden etwas größer und schwerer als Männchen. Der Rücken, der Schwanz und die Flügel sind überwiegend dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Es zeigt sich jedoch in fast allen Gefiederbereichen eine mehr oder weniger stark ausgeprägte weiße Säumung der einzelnen Federn. Einige Exemplare können so überwiegend weiß gefärbt erscheinen. Nur die Arm- und Handschwingen weisen keine helle Säumung auf. Im Bereich der Schulterfittiche, der Eckflügel und Deckfedern zeigt sich jedoch eine deutliche helle Säumung. Im Flug erscheinen diese Gefiederbereiche überwiegend weißlich. Der untere Teil des Halses ist durch eine weiße Halskrause gekennzeichnet. Der Schwanz weist eine rundliche Form auf. Der Kopf und der Hals sind unbefiedert. Die sichtbare Haut ist leicht rosa- bis fleischfarben gefärbt. Der Schnabelansatz, insbesondere die Wachshaut zeigt eine blaugraue Färbung, der mittlere Teil des Schnabels ist leicht gelblich bis gelblichgrau, die Spitze des kräftigen Schnabels weist eine dunkle, fast schwarze Färbung auf. Die sichtbare Haut der Extremitäten sind fleischfarben bis gräulich gefärbt.

Lebensweise

Der tagaktive Sperbergeier lebt gesellig in zum Teil großen Gruppen bzw. Kolonien. In diesen Gruppen leben sowohl Junggesellen als auch Sperbergeier in einer festen Paarbindung. Er ist ausgesprochen reviertreu und bleibt bei ausreichender Nahrung dauerhaft an einem Ort. An Fressplätze sind zumeist mehrere Sperbergeier und andere Geierarten anzutreffen. Trotz ihres hohen Gewichtes sind Sperbergeier gute Flieger, die auf ihren Suchflügen nach Nahrung die Thermik geschickt ausnutzen und so mühelos und kräftesparend gleiten. Dabei fliegen sie meist in weiten Kreisen über ihren Lebensraum. Sperbergeier können eine Flughöhe von bis zu 11 Kilometern erreichen. Dies ist unter allen Greifvögeln ein Rekord. An den Fressplätzen kommt es nicht selten zu Tumulten, da Sperbergeier immer versuchen sich Konkurrenten vom Leib zu halten. Dabei gehen sie auch deutlich größere Geier an. Der Sehsinn ist sehr gut entwickelt. Bereits aus großer Entfernung kann der Sperbergeier Aas oder potentielle Beutetiere erspähen. Die Nacht verbringen Sperbergeier gesellig in Kolonien. Als Ruheplätze werden in der Regel unzugängliche Felsen gewählt.

Unetrarten

Verbreitung

Der Sperbergeier ist in Teilen Afrikas, in der Regel südlich der Sahara anzutreffen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Westen über den Senegal, im Osten und Südosten über Sudan, Kenia, Äthiopien, Somalia, Uganda und Tansania. Bewohnt werden üblicherweise offene, steppenähnliche Habitate sowie an den Randgebieten der Wüsten. Sperbergeier sind nur in offenen Landschaften anzutreffen, geschlossene Bereiche wie Wälder oder gar tropische Regenwälder werden strikt gemieden. Höhenlagen wie Hochplateaus und Hochsteppen werden jedoch besiedelt. Hier sind die Vögel nicht selten bis in Höhen von über 2.000 Meter oder gar bis 3.000 Meter anzutreffen. Die Tiere gelten in den tropischen und subtropischen Regionen als ortstreue Standvögel.

Ernährung

Der Sperbergeier ernährt sich fast ausschließlich von Aas. Dabei ist es ihm völlig egal um was für tote Tiere es sich handelt. In der Regel sind es aber verendete Säugetiere wie beispielsweise Huftiere. Selbständig wird aufgrund zu kleiner Krallen keine Beute gerissen. Gefressen werden zumeist Fleisch und die Eingeweide vom Aas. Aas wird mit Hilfe des hoch entwickelten Geruchssinnes lokalisiert. Bereits aus großer Höhe können Sperbergeier so tote Tiere erspähen. Die Suchflüge können den Sperbergeier durchaus über große Entfernungen von über 100 Kilometer erfolgen. An einem Aasplatz sieht man in der Regel mehrere Geierarten. Man kann den Sperbergeier daher oftmals in Gruppen antreffen. Sperbergeier stecken ihren Hals meist tief in einen Kadaver hinein. Der Hals ist unbefieder, so bleibt das Gefieder sauber. Sie nehmen kleinere Fleischbrocken auf und fressen diese. Nicht selten nehmen sie anderen Geiern auch ihre Beute ab.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Sperbergeier erst sehr spät mit etwa fünf bis sieben Jahren. Hat sich ein Paar gefunden, so bleiben sie für gewöhnlich ein Leben lang zusammen. Sperbergeier sind nicht nur während des Jahres sondern auch während der Paarungszeit gesellig. Sie brüten in felsigen und schroffen Habitaten in kleineren Kolonien. Das Nest baut der Sperbergeier in hohen Felsspalten, in natürlichen Felshöhlen oder unter Felsvorsprüngen. Es wird aus Ästen und Reisig gebaut und spärlich mit Blättern und Gräsern ausgepolstert. Ein Nest, das auch Horst genannt wird, weist einen Durchmesser von bis zu 120 Zentimeter und eine Höhe von gut 30 bis 40 Zentimeter auf. Das Weibchen legt lediglich ein Ei, das über einen Zeitraum von 50 bis 55 Tagen von beiden Partnern gewärmt wird. Das Küken weist ein Schlupfgewicht von etwa 120 Gramm auf. Es wird von beiden Elternteilen mit hochgewürgter Nahrung gefüttert. Nach einer sehr langen Nestlingszeit von rund 5 Monaten ist der Jungvogel flügge. Der Nachwuchs bleibt allerdings noch einige Monaten bei den Eltern. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei über 30 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In ihrem Lebensraum erfüllen Sperbergeier eine durchaus wichtige Rolle. Als Gesundheitspolizei sorgen sie für Sauberkeit, indem Kadaver gefressen werden. So werden vor allem Krankheiten vermieden. In weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete sind heute zum Teil dramatische Rückgänge der Populationen zu beobachten. Die Hauptgründe liegen auf der Hand. Die massiv zunehmende Landwirtschaft nimmt den Sperbergeiern den Lebensraum und die ausgebrachten Pflanzenschutzmittel und Pestizide gelangen direkt oder indirekt über die Nahrung in die Geier und schädigen mehr oder weniger ihr Erbgut. Nicht selten werden vom Menschen auch vergiftete Fleischköder ausgelegt, an denen die Sperbergeier qualvoll sterben. Laut World Birdwatch (Guy Rondeau & Jean-Marc Thiollay, 2005) sind alleine im Senegal in den Jahren 2003/2004 ein Rückgang um 95 Prozent bei den Beständen der Sperbergeier zu verzeichnen. Stellenweise leben Sperbergeier nur noch in ausgewiesenen Schutzgebieten und sind außerhalb dieser Schutzgebiete praktisch nicht mehr vorhanden. In Westafrika liegen die Gründe hierbei vor allem bei der Lebensraumzerstörung, der Überbejagung und dem Nahrungsmangel. <1> Aktuell wird die Art in der Roten Liste der IUCN als gering gefährdet (near threatened) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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