Spitze Blasenschnecke

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Spitze Blasenschnecke

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Wasserlungenschnecken
Überfamilie: Planorboidea
Familie: Blasenschnecken (Physidae)
Unterfamilie: Physinae
Tribus: Physellini
Gattung: Physella
Art: Spitze Blasenschnecke
Wissenschaftlicher Name
Physella acuta
(Draparnaud, 1805)

Die Spitze Blasenschnecke (Physella acuta), auch unter den Synonymen Physella heterostropha und Physella integra bekannt, zählt innerhalb der Familie der Blasenschnecken (Physidae) zur Gattung Physella. Im Englischen wird die Spitze Blasenschnecke european physa genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Gehäuse ist 8,0 bis 12,0 Millimeter hoch und 5,0 bis 7,0 Millimeter breit. Das Gehäuse ist kugelig und ziemlich durchscheinend. Die Spitze ist sehr kurz und abgerundet. Die Blende ist sehr lang und breit und besetzt deutlich mehr als die Hälfte der gesamten Fläche der Schale. Das Gehäuse dieser Art besitzt kein Operculum (Deckel). Die zentrale Spindel vom Gehäuse ist mit der Falz gut markiert. Ferner weist das Gehäuse ein Linksgewinde mit sechs Umgängen auf, so dass sich die Öffnung auf der Linken Seite des Gehäuses befindet. Die Schale ist gelblich-hornfarben. Der Mantelfortsatz ist rechtsseitig und greift über das Gehäuse. Des Weiteren zeigen sich kreisförmige Punkte auf dem schwarzen Boden des Mantels.

Lebensweise

Die Spitze Blasenschnecke lebt im Süßwasser wie Flüsse, Bäche, Seen, Teiche und Sümpfe. Sie wird häufig in anthropogenen künstlich angelegten Wasserbecken gefunden, in warmem Wasser vorkommender Ableitungen aus Kraftwerken und auch in einigen Flüssen, aber sehr selten und nicht zahlreich in Tongruben-Teichen. Sie kann auch unter temporären rauen Bedingungen überleben, wie extreme Temperatur- und Wasserverschmutzung, aber so lange sie nur von kurzer Dauer sind.

Verbreitung

Die Spitze Blasenschnecke ist eine weit verbreitete Art und ist in ganz Nordamerika und in Europa zu finden. Sie kam erst nur in der mediterranen Region vor, aber langsam verbreitete sich die Spitze Blasenschnecke auch in Nordeuropa aus. In Europa ist die Spitze Blasenschnecke in folgenden Ländern verbreitet: Kroatien, Tschechische Republik, Deutschland und Niederlande. Seit 1983 ist die Art auch im Pripjat-Fluss und seit 2007 ist sie im Memel-Becken in Belorussland heimisch. Des Weiteren findet man die Spitze Blasenschnecke auch im Mittelmeerraum und in Afrika.
Spitze Blasenschnecken
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Spitze Blasenschnecken
In den USA ist sie in folgenden Bundesstaaten anzutreffen: Maryland, New Jersey und Virginia. In Kuba ist die Spitze Blasenschnecke die häufigste Süßwasserschnecke.

Ernährung

Die Spitze Blasenschnecke ernährt sich von abgestorbenen Pflanzenteile und von tierischen Stofen sowie von verschiedenen anderen Detritus. Während die Spitze Blasenschnecke hauptsächlich auf epiphytische und auf Makrophyten, nutzen andere Gastropoden wie zum Beispiel die Gemeine Tellerschnecke (Planorbis planorbis) und die Gemeine Schlammschnecke (Radix balthica) den Bewuchs der Gewässerboden. Dieser Bewuchs wird hauptsächlich durch Algen gebildet. Aufgrund dessen besteht zwischen der Spitzen Blasenschnecke und den anderen Gastropoden kaum eine Nahrungskonkurrenz.

Fortpflanzung

Die Spitze Blasenschnecke ist ein Zwitter (Hermaphrodit) und kann sowohl sexuell als auch asexuell reproduzieren. Die Hermaphroditen haben eine Zwitterdrüse, einen Zwittergang, einen Legedarm (Oviduct), eine Samentasche, einen Samenleiter (Vas deferens), einen Penis und ein meist sehr voluminös entwickeltes gelapptes Organ, eine Prostata. Nicht artbeständig sind die kleinen Divertikel am Ductus hermaphroditicus (Zwittergang), die Eiweissdrüse und der im Eingang befindliche Kalkstachel. Die asexuelle Vermehrung geschieht durch Selbstbefruchtung, bei der die Schnecke die Eier selbst befruchtet. Dies tritt auf, wenn die Schnecke keinen Partner findet und zeigt aber auch, dass auch mehr Nachkommen gezeugt werden können. Denn die Wahrscheinlichkeit ist gegeben, dass das Schlüpfen und das Überleben der Nachkommen größer ist.

Weitere Synonyme

  • Physa acuta - Draparnaud, 1805
  • Physella heterostropha - (Say, 1817)
  • Physella integra - (Haldeman, 1841)
  • Physa globosa - Haldeman, 1841
  • Haitia acuta - Haldeman, 1841

Anhang

Literatur und Quellen

  • Rainer Willmann: Muscheln und Schnecken der Nord- und Ostsee. Verlag J.Neumann-Neumann GmbH & Co. KG, 1989 ISBN 3-7888-0555-2
  • Dr. Václav Pfleger: Schnecken und Muscheln Europas. Land- und Süßwasserarten. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1984 ISBN 3-440-05261-3
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Rosina Fechter/Gerhard Falkner: Weichtiere. Europäische Meeres- und Binnenmollusken. Herausgegeben von Gunter Steinbach, Illustriert von Fritz Wendler. 1990 Mosaik Verlag GmbH, München 54321, Gesamtherstellung Mohndruck Graphische Betriebe GmbH, Gütersloh. Printed in Germany. ISBN 3-570-03414-3
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