Steinadler

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Steinadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Gattung: Echte Adler (Aquila)
Art: Steinadler
Wissenschaftlicher Name
Aquila chrysaetos
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Steinadler (Aquila chrysaetos) gehört zur Familie der Habichtartigen (Accipitridae) sowie zur Gattung der Echten Adler (Aquila).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Steinadler erreicht eine Körperlänge von 80,0 bis 100,0 cm sowie eine Flügelspannweite von 185,0 bis 230,0 cm. Weibchen werden allgemein etwas größer und schwerer als Männchen. Das Gewicht liegt beim Männchen zwischen 3.000 und 4.100 Gramm, beim Weibchen zwischen 3.000 und 4.500 Gramm. Einzelne Exemplare können auch etwas schwerer werden. Das Gefieder ist überwiegend bräunlich. Im Nacken und auf dem Kopf weisen adulte Vögel meist eine gelbliche bis goldene Färbung auf. Der Schwanz ist meist graubraun und mit einer hellen Querbänderung versehen. Die Deckfedern des Unterschwanzes sind meist weiß bis cremefarben. Das Jugendfederkleid weist an den Flügelspitzen oft helle Flecken auf. Das adulte Gefieder stellt sich meist zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr ein. Die Flügel weisen elf Handschwingen sowie siebzehn Armschwingen auf. Der Schwanz besteht aus zwölf Steuerfedern. Der Schnabel weist eine dunkelgraue, die Iris eine dunkelbraune Färbung auf. Die Beine sind bis zu den Zehen bräunlich befiedert.

Lebensweise

Die Steinadler sind schnelle und gewandte Flieger. Sie können Geschwindigkeiten von bis zu 125 km/h erreichen. Im Normalflug erreichen sie ein Tempo von 50 bis 55 km/h. Im Flug halten Steinadler ihre Flügel horizontal zum Körper. Ihre Reviere weisen eine durchschnittliche Größe von 30 qkm auf. Es kann gebietsweise aber auch bis 150 qkm betragen.

Unterarten

Verbreitung

Der Steinadler ist auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel, insbesondere in der Holaktis verbreitet, also in Gebieten mit kaltem bis gemäßigten Klima. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Mittel- und Nordeuropa, Nordafrika, Eurasien bis nach Nordchina und Japan sowie über Nordamerika. In Nordamerika sind Steinadler von Kanada bis in den Norden Mexikos verbreitet. In Mitteleuropa sind die Vögel recht selten und sind nur noch in den Karpaten und den Alpen anzutreffen. Ihr Lebensraum reicht vom Tiefland, entlang von großen Flüssen, der offenen Tundra, Waldrändern bis ins Hochgebirge mit Höhen von 3.600 Metern.

Ernährung

Auf der Nahrungssuche fliegen sie im Tiefflug durch ihr Revier. Ist ein Beutetier erspäht, so stützt sich der Steinadler meist im Sturzflug auf das Tier und nutzt den Überraschungsmoment. Die Beute wird mit den mächtigen Fängen getötet. In der Regel geschieht dies am Boden, selten in der Luft. Es wurde schon beobachtet, daß Steinadler paarweise auf die Jagd gehen. Zu ihrer bevorzugten Beute gehören Nagetiere, Vögel, Reptilien. Von der Größe her jagen sie Tiere bis Rehgröße.

Fortpflanzung

Steinadler erreichen die Geschlechtsreife mit rund sechs Jahren. Hat sich ein Paar gefunden, so leben sie in lebeneslanger Einehe. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Brutzeit über die Monate März bis August. Während der Paarungszeit kommt es zu aufwendigen Balzflügen. Ihren Horst erbauen Steinadler meist in Felsnischen oder in hohen Bäumen. Ein Horst wird meist über mehrere Jahre genutzt und jährlich erweitert. Muss ein Nest neugebaut werden, so dauert dies unter Umständen vier bis sechs Wochen. Die Nester bestehen hauptsächlich aus stabilen Ästen und Reisig. Der Nistplatz wird mit Blattwerk, Moosen und Flechten ausgepolstert. Meist wird in Mai oder Juni das erste Ei gelegt. Im Abstand von drei bis vier Tagen legt das Weibchen bis zu vier Eier. Ein Durchschnittsgelege umfasst zwei Eier. Die Eier weisen eine Größe von 77 bis 60 mmm auf. In der Regel werden die Eier vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von 35 bis 45 Tagen ausgebrütet. Die durchschnittliche Brutzeit beträgt 42 Tage. Die geschlüpften Jungen werden in den ersten Tagen vom Weibchen gehudert, bis ihnen nach 10 bis 15 Tagen das Dunenkleid gewachsen ist. Bis zu dieser Zeit sorgt fast ausschließlich das Männchen für Nachschub an Nahrung. Danach werden die Jungvögel von beiden Elternvögeln mit Nahrung versorgt.

Nach rund 50 Tagen ist den Jungtieren das jugendliche Gefieder gewachsen. Sie nehmen nun auch selbständig Nahrung in Form von Fleischhappen zu sich, die sie von Beutetieren mit ihrem Schnabel reissen. Mit rund 70 Tagen erfolgen die ersten Flugversuche. Bereits 10 bis 14 Tagen nach den ersten Flugversuchen sind sie voll flugfähig. Oft ist es so, daß nur ein Jungtier aus einem Gelege überlebt. Es ist meist der erstgeschlüpfte Vogel, der auch am kräftigsten ist. Vor allem bei Nahrungsmangel tötet er seine Geschwister und wirft sie aus dem Nest. Das höchste bekannte Alter eines Steinadlers in Gefangenschaft war 46 Jahre. In Freiheit können sie unter günstigen Umständen ein Alter von bis zu 30 Jahren erreichen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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