Stephens Kängururatte

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Stephens Kängururatte
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Heteromyinae
Tribus: Dipodomyini
Gattung: Dipodomys
Art: Stephens Kängururatte
Wissenschaftlicher Name
Dipodomys stephensi
Merriam, 1907

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Stephens Kängururatte (Dipodomys stephensi) zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung Dipodomys. Im Englischen wird die Art Stephens' Kangaroo Rat genannt. Die Art ist auch unter dem Synonym D. cascus Huey (1962) bekannt (Wilson & Reeder, 2005). Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Bleich, 1977).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde einer Stephens Kängururatte ähneln denen anderer fossiler Dipodomys und stammen aus Costeau Pit, Orange Co., Kalifornien/USA. Sie wurden in pleistozänen Ablagerungen gefunden (Bleich, 1977).

Erkennung und Unterschiede

Innerhalb der Gattung ist die Stephens Kängururatte eine mittelgroße Art. Die Stephens Kängururatte ist ähnelt der Pazifik-Kängururatte (Dipodomys agilis). Unterschieden werden kann die Stephens Kängururatte durch einen breiteren Schädel, durch dunklere Sohlen an den Hinterfüßen, aber auch aufgrund der weißlichen Schwanzspitze (Bleich, 1977).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Stephens Kängururatte erreicht eine Gesamtlänge von 277 bis 300 mm, eine Schwanzlänge von 164 bis 180 mm, eine Hinterfußlänge von 39 bis 43 mm, eine Ohrlänge von 16 bis 16 mm sowie ein Gewicht von etwa 67 g. Das Fell ist überwiegend hellbraun gefärbt, ventral und im Bereich der Beine zeigt sich eine deutlich hellere Färbung. Die Ohren sind relativ groß und liegen weit hinten am Kopf. Die Augen sind groß, was ein Indiz für eine Nachtaktivität ist. Die Nieren sind an das Leben in trocknen Regionen angepasst und produzieren einen hoch konzentrierten Urin. Auf Trinkwasser sind Stephens Kängururatten nicht angewiesen, den Bedarf an Flüssigkeit decken die Tiere ausschließlich über die Nahrung. Das Gebiss weist 20 Zähne auf, die medizinische Gebissformel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Weibchen verfügen über 3 Paare Zitzen, 2 liegen davon inguinal und 1 Paar pectoral. Ähnlich wie bei den anderen Vertretern der Dipodomys verfügen Stephens Kängururatten über ausgedehnte Wangenbeutel, in denen sie Nahrung speichern können. Die Füße der Hinterbeine weisen je 5 Zehen auf (Bleich, 1977).

Lebensweise

Stephens Kängururatten sind nachtaktiv und leben einzelgängerisch. Während des Tages halten sich die Tiere in ihren Erdbauten auf. Diese werden selbst gegraben oder es werden Baue von anderen Tieren übernommen. Das Revier der Stephens Kängururatten weist je nach Vorkommen und Lebensraumqualität eine Größe von 420 bis 1.600 m² auf (Bleich, 1977).

Verbreitung und Lebensraum

Die Stephens Kängururatte ist in Kalifornien endemisch. Das Verbreitungsgebiet umfasst etwa 2.870 Quadratkilometer und erstreckt sich im Wesentlichen von den San Jacinto Mountains bis zu den San Bernardino Mountains, nördlich bis in in den Bezirk San Diego. Die Art lebt in Höhen von 55 bis 1.250 m über NN. Die Stephens Kängururatte lebt in Habitaten mit spärlicher Vegetation. Karges Grasland gehört zu den bevorzugsten Lebensräumen. Zu den typischen Pflanzen im Lebensraum der Tiere gehört unter anderem Wüsten-Beifuß (Artemisia tridentata), Kalifornischer Beifuß (Artemisia californica), Knöterichgewächse (Polygonaceae) wie Eriogonum fasciculatum und Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) wie Gewöhnlicher Reiherschnabel (Erodium cicutarium). Die Erde ist für gewöhnlich trocken und bröckelig. In der Nähe des Menschen werden auch landwirtschaftliche Flächen besiedelt (Bleich, 1977; IUCN, 2011).

Biozönose

Sympatrie

Die Tiere leben in Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenz zu anderen kleinen Nagetieren. Dies sind beispielsweise die Pazifik-Kängururatte (Dipodomys agilis); die Gebirgs-Taschenratte (Thomomys bottae) und die Hirschmaus (Peromyscus maniculatus) (Bleich, 1977).

Prädatoren

Stephens Kängururatten werden vor allem von Eulen (Strigiformes), Schlangen (Serpentes) und kleinen Raubtieren (Carnivora) gejagt. Zu den räuberischen Säugetieren zählen insbesondere der Rotluchs (Lynx rufus), Kojoten (Canis latrans), der Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis) und der Kitfuchs (Vulpes velox). Unter den Eulen zählen die Schleiereule (Tyto alba) und die Waldohreule (Asio otus) zu den gefürchtesten Räubern. Auf landwirtschaftlichen Flächen stellen auch Hauskatzen (Felis catus) den Tieren nach (Bleich, 1977).

Ernährung

Stephens Kängururatten ernähren sich hauptsächlich von Sämereien, Knollen, Wurzeln, grüner Vegetation und Beeren. Im Früjahr stehen auch verschiedene Insekten (Insecta) auf der Speisekarte. Auf Trinkwasser sind die Tiere nicht angewiesen, ist jedoch Wasser vorhanden, wird dieses auch getrunken. Für Zeiten mit unzureichendem Zugang zur Nahrung legen Stephens Kängururatten in ihren Bauten Vorratslager an (Bleich, 1977).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich primär über das späte Frühjahr und den frühen Sommer, hauptsächlich über Juni und Juli. Ein Weibchen bringt durchschnittlich 2,5 Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere erreichen bei der Geburt eine Schwanzlänge von 15 bis 20 (17,7) mm, eine Körperlänge von 37 bis 44 (40) mm, eine Hinterfußlänge von 10 bis 12 (10,8) mm, eine Ohrlänge von 2 mm, eine Vibrissenlänge von 5 mm und ein Gewicht von 3,8 bis 4,7 (4,4) g. Der Nachwuchs ist bei der Geburt nackt und blind. Die Haut ist pinkfarben gefärbt. Das erste Fell ist dunkel olivbraun. Der erste Fellwechsel stellt sich im 3. Lebensmonat ein. Die Augen öffnen sich nach 14 Tagen, die Ohren öfffnen sich nach 10 bis 11 Tagen. Die adulte Größe wird im Alter von 40 Tagen erreicht (Bleich, 1977).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Stephens Kängururatten gehören heute zu den stark gefährdeten Arten und werden in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie EN, Endaangered, geführt. Zu den Hauptursachen zählt vor allem die Zerstörung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch die starke Ausweitung der landwirtschaftlichen Flächen und die Besiedlung durch den Menschen. Die Ausbringung von Giften in der Landwirtschaft hat der Art ebenfalls stark zugesetzt. Durch die Ausweitung der Landwirtschaft kam es auch zu einer starken Fragmentierung der Lebensräume. Schon heute leben zahlreiche Reliktpopulationen in abgeschnittenen Regionen. Eine genetische Verarmung ist hierbei die Folge (Bleich, 1977); IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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