Sternmull

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Sternmull

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Eigentliche Maulwürfe (Talpinae)
Gattung: Condylura
Art: Sternmull
Wissenschaftlicher Name
Condylura cristata
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Sternmull (Condylura cristata) zählt innerhalb der Familie der Maulwürfe (Talpidae) zur Gattung Condylura. Im Englischen wird diese Maulwurf Star-nosed Mole genannt. Innerhalb der Gattung Condylura ist der Sternmull der einzige Vertreter.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem mittleren bis späten Pleistozän und weisen somit ein Alter von etwa 700.000 auf. Die Funde stammen im Wesentlichen aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania, Virginia, West Virginia, Maryland, Tennessee und Missouri. Die Funde konnten direkt dem Sternmull zugeordnet werden. Ältere Funde, die ein Alter von bis zu 4 Millionen Jahren aufweisen und aus dem späten Pliozän stammen, konnten der Gattung Condylura zugeordnet werden. Es waren die Arten Condylura kowalski und Condylura izabellae (Skoczen, 1976).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Sternmull erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Gesamtlänge von 16,1 bis 19,1 (18,0) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6,1 bis 7,6 (6,9) Zentimeter, eine Schädellänge von 3,21 bis 3,43 (3,3) Zentimeter sowie ein Gewicht von 35 bis 75 Gramm. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich kein nennenswerter Dimorphismus. Der Kopfbau ist leicht zylindrisch und kräftig. Das dichte und kurze Fell weist eine dunkelbraune bis schwärzliche Färbung auf. Ventral zeigt sich eine hellbraune Färbung. Die unbehaarte und sternförmige Nase ist das markanteste Merkmal der Sternmulle. Die fleischige Scheibe ist symmetrisch aufgebaut und weist je Seite 11 Anhängseln auf. Die Anhängseln weisen eine Länge von bis zu 4 Millimeter auf. Die Vorderfüße sind besonders kräftig und enden in schaufelartige Krallen. Die vorderen Füße haben sich im Laufe der Evolution zu kräftigen Grabwerkzeugen umgewandelt. Sowohl die Füße der Vorder- als auch Hinterbeine enden in jeweils fünf Zehen. Die Augen sind sehr klein aber voll entwickelt. Augen und Ohren liegen in der Regel im Fell verborgen. Die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 4/4, 3/3. Die einzelnen Zähne weisen scharfe Schmelzleisten und spitze Höcker auf. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 4 Paar Zitzen.

Lebensweise

Sternmulle leben hauptsächlich unter der Erde. Sie bevorzugen dabei feuchte Erde in der Nähe von Gewässern. Das Netzwerk aus Gängen kann leicht eine Länge von mehr als 250 Meter aufweisen. Die einzelnen Gänge erreichen eine Breite von bis zu 7,5 Zentimeter. Die Höhe der Tunnel ist geringfügig niedriger als die Breite. Die Tunnel liegen in Tiefen von bis zu 60 Zentimeter. Markant im Lebensraum der Sternmulle sind die charakteristischen Maulwurfshügel, die eine Höhe von gut 15 Zentimeter erreichen können. Zentraler Punkt im Bau ist das leicht kugelartige Nest im Innern. Es erreicht einen Durchmesser von etwa 13 Zentimeter und ist mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Anders als die meisten anderen Maulwürfe kommt der Sternmull häufig an die Erdoberfläche, um hier auf die Jagd zu gehen. Die Jagd wird auch auf Gewässer ausgedehnt. Sternmulle gelten als ausgezeichnete Schwimmer. Sternmulle sind das ganze Jahr über aktiv. Dies gilt selbst in den nördlichen Verbreitungsgebieten im Winter. Beim Graben dient die fleischige Nase als Tastorgan. Die Anhängsel sind permanent in Bewegung und tasten die unmittelbare Umgebung ab. Die Fortsätze an der Nasenscheibe sorgen auch dafür, dass keine Erde in die Nase eintritt. Jedes Anhängsel ist mit zahlreichen Papillen (taktile Rezeptoren) besetzt, die eine hohe Sensibilität ermöglichen. Sternmulle sind durchaus territorial. Sie beanspruchen ein Revier in einer Größe von mehr als 3.000 m². Je nach Lebensraumqualität liegt die Siedlungsdichte zwischen 25 und 75 Individuen pro Hektar.

Unterarten

  • Condylura cristata parva - Paradiso, 1959 - nordwestliche USA
  • Condylura cristata cristata - Desmarest, 1819 - südostliche USA

Verbreitung

Sternmulle sind im nordöstlichen Amerika weit verbreitet. Im Nordosten reicht das Verbreitungsgebiet bis in die Kanadischen Provinzen Québec und Neufundland und Labrador. Im Westen ist die Art bis in die US-Bundesstaaten North Dakota und die kanadische Provinz Manitoba verbreitet, im Südosten bis nach Ohio und Virginia. Besiedelt werden vor allem feuchte bis sehr feuchte Lebensräume. Trockengebiete werden strikt gemieden. Sternmulle sind in feuchten Nadel-und Laubwäldern, Feuchtwiesen, Sumpfgebieten und Moorflächen anzutreffen. Besiedelt werden auch Flussufer, Seen und Teiche. Sternmulle leben in unmittelbarer Nähe zu Gewässern. Selten sind sie einige Hundert Meter von einem Gewässer entfernt anzutreffen. In den Appalachen sind Sternmulle bis in Höhen von über 1.600 Metern über NN anzutreffen. Ansonsten werden auch Landstriche auf Meereshöhe besiedelt.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden gehören insbesondere räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia), Greifvögel (Falconiformes) und zahlreiche Eulen (Strigiformes). Unter den Säugetieren sind insbesondere Wildkatzen (Felis silvestris), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Amerikanische Nerze (Mustela vison), Langschwanzwiesel (Mustela frenata), Streifenskunks (Mephitis mephitis), Fischermarder (Martes pennanti) zu nennen. Unter den Eulen und Greifvögeln stellen Breitschwingenbussarde (Buteo platypterus), Rotschulterbussarde (Buteo lineatus), Raufußbussarde (Buteo lagopus), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Waldohreulen (Asio otus), Virginia-Uhus (Bubo virginianus), Schleiereulen (Tyto alba), Streifenkauze (Strix varia) und Sägekauze (Aegolius acadicus) den Sternmullen nach. In Feuchtgebieten gehört auch der Amerikanische Ochsenfrosch (Rana catesbeiana) zu den natürlichen Feinden. Anders als die meisten anderen Maulwürfe hält sich der Sternmull sehr häufig über der Erde auf. Da der Sternmull sich sehr langsam bewegt, ist er an der Erdoberfläche sehr anfällig und stellt eine leichte Beute dar (Choate, 1971 in Petersen & Yates, 1980; Kurta, 1995).

Ernährung

Sternmulle ernähren sich hauptsächlich von Gliederfüßern (Arthropoda), Weichtieren (Mollusca) und Wenigborstern (Oligochaeta) wie Regenwürmer (Lumbricidae), Ringelwürmer (Annelida) wie Egel (Hirudinea). Augrund der semiaquatischen Lebensweise stehen zu einem kleinen Teil auch Krebstiere (Crustacea) und kleine Fischchen (Actinopterygii) auf der Speisekarte. Die Nahrungssuche erfolgt unter der Erde, über der Erde und auch im Wasser. Lokal stellt aquatische Nahrung bis zu 80% der Nahrung. Beliebt sind insbesondere aquatische Larven verschiedenster Insekten. Hier sind insbesondere die Larven der Köcherfliegen (Trichoptera), Libellen (Odonata), Zuckmücken (Chironomidae), Steinfliegen (Plecoptera) und Schwimmkäfer (Dytiscidae) zu nennen. Aber auch Schnaken (Tipulidae) und Bremsen (Tabanidae) werden keineswegs verschmäht. Die Nahrungshabitate liegen meist entlang von Gewässern oder in Sumpfgebieten.

Fortpflanzung

Sternmulle erreichen die Geschlechtsreife im Alter von gut 10 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen über das Frühjahr, meist über die Monate März und April oder Mai. In einer Saison kommt es dabei nur zu einem Wurf. Sternmulle führen eine monogame Lebensweise. Die Ehe hält für gewöhnlich nur eine Saison. Die Hoden der Männchen sind ausgesprochen große und erreichen während der Paarungszeit rund 14% des Körpergewichtes. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 45 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Bau 2 bis 7 (5) Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs kommt blind, taub und nackt zur Welt. Ein Jungtier weist eine Körperlänge von kaum 5 Zentimeter und ein Gewicht von 1,5 Gramm auf. Die Vibrissen der Neugeborenen weisen eine Länge von 3 bis 6 Millimeter auf. Das erste Fell stellt sich ab dem 10. Lebenstag ein, die Augen und Ohren öffnen sich mit 14 bis 16 Tagen. Gegen Ende der vierten Lebenswoche endet die Säugezeit, kurze Zeit später sind die Jungen selbständig. Die Lebenserwartung ist nicht bekannt, wird jedoch auf etwa 3 bis 4 Jahre geschätzt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Sternmulle zählen heute noch nicht zu den bedrohten Tierarten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Im Ökosystem bildet der Sternmull ein durchaus wichtiges Bindeglied. Er belüftet durch seine Grabaktivitäten den Boden. Der dient zum einen als Nahrung für räuberisch lebende Tiere und hält durch seinen gesunden Appetit die Populationen an Schadinsekten bzw. deren Larven klein. In der Nähe des Menschen werden die Tiere wegen ihrer Grabaktivitäten jedoch nicht gerne gesehen. Die größte Bedrohung geht heute von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere der Trockenlegung von Feuchtgebieten aus.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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