Streifenkiwi

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Streifenkiwi

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Überordnung: Urkiefervögel (Palaeognathae)
Ordnung: Laufvögel (Struthioniformes)
Familie: Kiwis (Apterygidae)
Gattung: Kiwis (Apteryx)
Art: Streifenkiwi
Wissenschaftlicher Name
Apteryx australis
Shaw, 1813

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Streifenkiwi (Apteryx australis) gehört innerhalb der Ordnung der Laufvögel (Struthioniformes) zur Gattung der Kiwis (Apteryx). Im Englischen wird der Streifenkiwi southern brown kiwi genannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Die ältesten Fossilien von Kiwis stammen aus dem späten Pleistozän und dem frühen Holozän. Sie sind also etwa 1,5 Millionen bis 10.000 Jahre alt. Man hat auch Fußabdrücke gefunden, die aus den Pleistozän stammen. Die Fußabdrücke, die zweifelsfrei den Kiwis zugeordnet werden konnten, sind also rund 20 Millionen Jahre alt.

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Streifenkiwi erreicht eine Standhöhe von bis 55 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.500 bis 4.000 Gramm. Weibchen werden dabei deutlich größer und schwerer als Männchen. Der Streifenkiwi gilt als die größte der drei Kiwi-Arten. Das Gefieder ist sehr weich und weist eine graue bis graubraune Färbung auf. Es wärmt den Streifenkiwi selbst in einem strengen Winter. Der lange Schnabel weist eine Länge von zehn bis elf Zentimeter auf, mit ihm nehmen sie Insekten und andere Tiere vom Boden auf. Am Schnabelansatz sind deutlich Barthaare zu sehen. Hier liegen auch die Nasenlöcher. Die Flügel an den oberen Körperseiten sind nur noch als verkümmerte Stummel vorhanden. Der Körper ist leicht birnenförmig bis oval. Der Hals ist recht massig und läuft in einem kleinen, leicht länglichen Kopf aus. Das Gehör und der Geruchssinn sind ausgesprochen hoch entwickelt. Ihr Sehsinn ist hingegen weniger gut ausgebildet. Die relativ kurzen Beine enden in mächtige Füße, die in drei Zehen enden. Mit ihnen können Streifenkiwis gut und schnell laufen.

Verhalten

Streifenkiwis sind überwiegend nachtaktiv und leben meist paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Dabei können die Bergwälder eine Kiwidichte von vier je Quadratkilometer aufweisen. Sie gelten als territorial und verteidigen ihr Revier auch gegenüber Artgenossen und Feinden. Bei den Kämpfen setzen sie sowohl den Schnabel als auch ihre kräftigen Beine und Zehen ein. Verletzungen und gar eintretender Tod sind bei den eher an Kommentkämpfen erinnernden Gefechten sehr selten. Innerhalb ihres Reviers legen sie mehrere Baue an, die wechselnd genutzt werden. Die Bauten dienen einerseits zum Schlafen und und andererseits als Bruthöhle. Der Eingang ist recht schmal, der Tunnel endet nach durchschnittlich zwei Meter in einer Wohnhöhle.

Unterarten

Verbreitung

Der Streifenkiwi ist auf der Nord- und Südinsel von Neuseeland und den Stewart-Islands endemisch. Neuseeland ist ein Inselstaat im Pazifik und liegt rund 2.000 Kilometer vor der südwestlichen Küste Australiens. Auf der Nordinsel gilt der Streifenkiwi so gut wie ausgerottet. Der Streifenkiwi lebt hauptsächlich im Hochland, nahe der alpinen Grenze. Man sieht ihn zumeist in Gebirgswäldern und subalpinen Trockensteppen.

Gefährdung, Schutz

Der Kiwi als Gattung gilt als das Nationaltier Neuseelands. Aufgrund seiner nachtaktiven Lebensweise haben wohl die meisten Bewohner Neuseelands noch keinen Streifenkiwi in Freiheit gesehen. Aufgrund der explosionsartigen Zunahme der Bevölkerung und der damit einhergehenden Vernichtung der Lebensräume ist der Streifenkiwi heute stark bedroht. Man schätzt das vor etwa 1.000 Jahren noch einige Millionen Kiwis Neuseeland bevölkerten. Heute sollen nach neuesten Erhebungen nur noch weniger als 20.000 Exemplare in Freiheit leben. Mit ein Grund dafür ist auch die Einfuhr von landesuntypischen Räubern wie Füchsen, Katzen und ähnlichen Raubtieren, denen der Streifenkiwi nichts entgegenzusetzen hat. Seit Ende der 90er Jahre wird mit verstärkten Mitteln versucht die Art zu erhalten. Da der Kiwi eine sehr robuste Vogelart ist, sollte dies auch gelingen. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als verletzbar geführt.

Ernährung

Nach Einbruch der Dunkelheit geht der Streifenkiwi auf Nahrungssuche. Er frisst insbesondere Insekten und deren Larven, Schnecken, Spinnen, Regenwürmer sowie Früchte und Beeren. Seine Nahrung sucht und findet er ausschließlich auf dem Erdboden. Er stochert meist mit dem Schnabel im lockeren Sand, um an schmackhafte Beutetiere zu gelangen. Dabei hinterläßt er charakteristische Löcher im Boden.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund zwei Jahren erreicht. Der Streifenkiwi lebt in monogamer Einehe, die meist über mehrere Jahre hält, nicht selten auch für ein Lebenlang. Die Paarungszeit erstreckt sich meist von August bis Dezember. Nach erfolgreicher Paarung erfolgt eine Trächtigkeit von rund 30 Tagen. Während dieser Zeit gräbt das Männchen einen schützenden Bau für das Weibchen. Das Weibchen legt dann in den Bau ein bis zwei Eier. Die Eiablage ist für das Weibchen ein kraftraubender Akt, da ein Ei enorme Ausmaße hat. Es weist rund 25 Prozent der Körpermasse des Weibchens auf. Wärend der Trächtigkeit hat das Weibchen gefastet, da selbst der Magen von dem Ei verdrängt wird. Während dieser Zeit hat das Weibchen von ihren Fettreserven gezehrt.

Das Ausbrüten übernimmt ab dem Zeitpunkt der Eiablage hauptsächlich das Männchen. Lediglich in den Brutpausen des Männchens übernimmt sie das Brutgeschäft. Das Männchen verläßt das Ei immer nur kurz zur Nahrungsaufnahme. Die Nahrungsaufnahme geschieht während der gesamten Brutdauer von 75 bis 85 Tagen in der Nacht. Nach dem Schlupf bleiben die Küken die ersten Tage im Nest. Danach folgen sie als Nestflüchter den Eltern. Sie ernähren sich von Anfang an selbständig und picken am Boden Nahrung auf. Dies gechieht in der Regel nur nachts, tagsüber ziehen sich die Vögel an geschützter Stelle zurück. Nach etwa 20 Wochen ist der Jungvogel flügge und selbständig. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt zwischen 15 und 20 Jahren. In Gefangenschaft kann es auch ein Alter von bis zu 30 Jahren oder mehr erreichen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Lister der IUCN geht die größte Bedrohung von eingeführten Fleischfressern aus: Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) und Hermelin (Mustela erminea) fressen die Eier, verwilderte Katzen und Hermelin (Mustela erminea) fressen die Küken und die Jungtiere bis zu etwa 1.200 Gramm, Frettchen (Mustela putorius furo), verwilderte Haushunde und Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) fressen Jugendliche und Erwachsene. Der Prädations-Druck ist möglicherweise niederiger auf Stewart Island, da Hunde verboten sind. Allerdings sind verwilderte Hauskatzen weit verbreitet. Die Rate des Verlustes der natürlichen Lebensräume ist deutlich zurückgegangen. Eine weitere Bedrohung sind Vogelkrankheiten und Krankheitserreger.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge