Sturnira erythromos

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Sturnira erythromos
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Fruchtvampire (Stenodermatinae)
Gattung: Gelbschulterfledermäuse (Sturnira)
Art: Sturnira erythromos
Wissenschaftlicher Name
Sturnira erythromos
(Tschudi, 1844)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Sturnira erythromos zählt innerhalb der Familie der Fruchtvampire (Stenodermatinae) zur Gattung der Gelbschulterfledermäuse (Sturnira). Im Englischen wird die Art Hairy Yellow-shouldered Bat genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Ursprünglich wurde Sturnira bogotensis als Unterart von Sturnira erythromos geführt. Nach Handley (1976) in Giannini & Barquez (2003) handelt es sich jedoch um zwei verschiedene, verwandte Arten. Dies haben insbesondere kladistische Analysen ergeben (vgl. Valerio 2002 et al. in The phylogenetic relationships of the bat genus Sturnira; International Journal of Mammalian Biology 67). Der Artname kommt aus dem griechischen und ist ein Verweis auf die rötliche Farbe im Bereich der Schultern bei einigen Individuen. Der Gattungsname ist die latinisierte Version von Starling. Die Starling war das Schiff, mit dem die Reise nach Brasilien im Jahre 1836 durchgeführt wurde, bei der die Art entdeckt wurde (Giannini & Barquez, 2003).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Sturnira erythromos wird der Untergattung Sturnira zugerechnet und gilt hier als die kleinste Art. Die Unterscheidung von den anderen Arten der Sturnira ist oft schwierig, da in einigen Verbreitungsgebieten zum Teil mehrere Arten zusammenleben. Sturnira erythromos ist mit Sturnira bogotensis und Sturnira ludovici besonders eng verwandt. Beide Arten sind insgesamt etwas dunkler gefärbt. Die unteren Molaren weisen glatte innere Rändern auf. Dies ist bei Sturnira erythromos nicht der Fall. Die obere Zahnreihe ist bei Sturnira erythromos gekrümmt (Giannini & Barquez, 2003).

Beschreibung

Aussehen, Maße

Sturnira erythromos ist klein und untersetzt. Die Art erreicht je nach Vorkommen und Geschlecht eine Gesamtlänge (Durchschnittswerte in Klammern) von 50 bis 63 (55) mm, eine Hinterfußlänge von 8 bis 16,8 (10,9) mm, eine Ohrlänge von 13 bis 18,7 (16,8) mm, eine Unterarmlänge von 38,7 bis 43 (41,1) mm, eine Condylobasallänge von 18,0 bis 19,7 (18,7) mm, eine Jochbeinbreite von 11,1 bis 13,6 (12,6) mm, eine Schädelbreite von 19,6 bis 21,4 (20,5), eine Hirnschädelbreite von 9,4 bis 10,5 (9,8) mm, eine Unterkieferlänge von 12,6 bis 14,2 (12,6 bis 14,2 (13,3) mm sowie ein Gewicht von 12 bis 23 (16) g. Das weiche Fell weist eine dunkelbraune Färbung auf, die Stirn ist dunkel. Adulte Tiere verfügen meist über ockerfarbenen Stellen im Bereich der Schultern. Der Schädel geht in ein relativ kurzes Rostrum über, der Hirnschädel ist breit und rundlich. Ein Schwanz oder ein Calcar ist nicht vorhanden. Ein Calcar ist ein kleiner knorpeliger Sporn an den Hinterbeinen, der die Uropatagium (Schwanzflughaut) zwischen Calcar, Hinterbein und dem Schwanz aufspannt. Das uropatagium ist aus diesem Grunde bei Sturnira erythromos stark reduziert. Das Nasenblatt ist breit und kurz. Es ist umgeben von einer Reihe vibrissalen Papillen. Die Ohren sind kurz und leicht dreieckig geformt. Die Augen sind dunkel gefärbt und relativ groß. Die Flügel sind lang, spitz zulaufend und breit. Die Innenseiten der Beine und Füße sind dorsal behaart. Sturnira erythromos verfügt über 32 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p2/3, m3/3. Die Art ist physiologisch an das eher nasskalte Klima der östlichen Anden angepasst. Die durchschnittliche Körpertemperatur liegt bei 34,4°C. Die Thermoregulation erfolgt im Wesentlichen über die Herzschlagfreqenz.

Lebensweise

Sturnira erythromos ist strikt nachtaktiv, es zeigt sich jedoch eine bimodale Aktivität. Die Spitzen der Aktivität erstrecken über Mittelnacht und die frühen Morgenstunden. Während der Ruhephasen, insbesondere am Tage halten sich die Fledermäuse in hohlen Baumstämmen auf (Giannini & Barquez, 2003).

Verbreitung

Sturnira erythromos kommt in Südamerika in den östlichen Ausläufern der Anden von Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien sowie dem nordwestlichen Argentinien vor. Die südlichsten Vorkommen erstrecken sich bis in die Provinz Catamarca in Argentinien. Die Lebensräume liegen je nach Verbreitungsgebiet in Höhen von 500 bis 3.600 m über NN. Besiedelt werden tropische montane Regenwälder und Höhenlagen auch Nebelwälder. In Argentinien und Venezuela werden saisonal auch Trockenwälder bewohnt (Giannini & Barquez, 2003, IUCN, 2009).

Biozönose

Sympatrie

Sturnira erythromos lebt im Nordwesten von Argentinien syntop mit Sturnira oporaphilum und Sturnira lilium. Die 3 Arten besiedeln nicht nur den gleich Lebensraum sondern ernähren sich auch von den gleichen Früchten. In Venezuela kommt Sturnira erythromos zusammen mit Sturnira lilium, Sturnira aratathomasi und und Sturnira ludovici vor (Giannini & Barquez, 2003).

Krankheiten und Parasiten

An Ektoparasiten konnten insbesondere Fledermausfliegen (Streblidae) wie Megistopoda proxima, Trichobius joblingi, Trichobius petersoni und Aspidoptera phyllostomatis nachgewiesen werden. Zu den bekanntesten Milben (Acari, Acarida), die Sturnira erythromos befallen, zählen Hooperella vesperuginus, Macronyssooides, Macronyssus, Parasecia, Periglischrus ojastii sowie Raubmilben (Gamasida) wie Periglischrus ojastii (Giannini & Barquez, 2003).

Ernährung

Sturnira erythromos ernährt sich fast ausschließlich von Früchten. Die bevorzugten Fruchtarten werden den Pfeffergewächsen (Piperaceae) und Nachtschattengewächsen (Solanaceae) zugerechnet. In kleineren Mengen werden auch Maulbeergewächse (Moraceae) wie Maulbeeren (Morus nigra), Rötegewächse (Rubiaceae) wie Brechsträucher (Psychotria carthagenensis) und Randia armata sowie Ulmengewächse (Ulmaceae) wie Zürgelbäume (Celtis iguanaeus) (Giannini & Barquez, 2003).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Auch wenn es sich bei Sturnira erythromos um eine seltene Art der neotropischen Fledermäusen handelt, gilt sie als nicht gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird Sturnira erythromos in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Es sind keine größeren Gefahren im gesamten Verbreitungsgebiet bekannt. Die Populationen in den Lebensräumen oberhalb von 800 m über NN gelten als besonders sicher (Giannini & Barquez, 2003; IUCN, 2009).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge