Sumpf-Sackspinne

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Sumpf-Sackspinne
Junges Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Sackspinnen (Clubionidae)
Unterfamilie: Clubioninae
Gattung: Eigentliche Sackspinnen (Clubiona)
Art: Sumpf-Sackspinne
Wissenschaftlicher Name
Clubiona reclusa
Cambridge, 1863

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:024741]

Die Sumpf-Sackspinne (Clubiona reclusa) gehört innerhalb der Familie der Sackspinnen (Clubionidae) zur Gattung der Eigentlichen Sackspinnen (Clubiona).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Sumpf-Sackspinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 6 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 8 Millimeter. Die Färbung ist bei dieser Spinne deutlich dunkler als bei der Moor-Sackspinne (Clubiona stagnatilis). Der Vorderkörper weist eine dunkelbraune Tönung auf und ist mit einer schmalen, schwarzen Randlinie und mit einer feinen, dunklen Marmorierung versehen. Die Cheliceren sind dunkel rotbraun. Der Hinterkörper ist ebenfalls dunkelbraun und dicht mit hellbraunen Härchen bedeckt, die ihm einen samtigen Eindruck verleihen. Die Beine sind oft heller gefärbt als die übrigen Körperteile. Die Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) mit halbkreisförmiger Platte. Diese weist hinten in der Mitte einen nasenförmigen Vorsprung und seitlich davon zwei Höcker auf. Die Augen und die Kieferklauen sind bei der Sumpf-Sackspinne deutlich erkennbar. Die reifen Tiere sind ganzjährig anzutreffen.

Lebensweise

Die Sumpf-Sackspinne baut ein ähnliches Wohngespinst wie die Moor-Sackspinne (Clubiona stagnatilis), indem sie ein Gras- oder Schilfblatt an zwei Stellen, meist kurz vor der Spitze und kleidet den so entstandenen, dicht geschlossenen Raum mit einem festen Gespinst aus. Im Frühsommer findet man darin das Weibchen mit seinem Eikokon oder den bereits geschlüpften Jungspinnen. Die Sumpf-Sackspinne verbirgt sich tagsüber in dem geschlossenen weißen Gespinstsack und geht bei Nacht auf Jagd. Die Beute wird dabei mit dem sehr empfindlichen entwickelten Tastsinn aufgespürt.

Verbreitung

Die Sumpf-Sackspinne lebt am Rand feuchter Wälder und in schilfbestandenen Sumpfgebieten und an niederen Pflanzen (Moosen) an feuchten Stellen. In Mitteleuropa ist die Spinne überall sehr häufig anzutreffen.

Ernährung

Tagsüber verbirgt sich die Spinne in ihrem weißen Gespinstsack und geht bei Nacht auf Jagd. Dabei klettert und läuft die Spinne sehr vorsichtig umher und fängt alles, was freßbar erscheint. Da die Spinne kein Fangnetz baut, wird die Beute mit dem sehr empfindlich entwickelten Tastsinn aufgespürt. Die Beutetiere werden vorwiegend im Moos aufgespürt.

Fortpflanzung

Das Männchen, das wie bei allen Clubiona-Arten deutlich längere Cheliceren als das Weibchen besitzt, sucht das Weibchen in seinem angelegten Schlupfwinkel auf. Außer klopfenden Bewegungen findet keine Werbung statt. Das Männchen besteigt das Weibchen von vorn und umgreift mit seinen langen zugespitzten Cheliceren dessen Hinterleibsstiel. Dann läßt das Männchen sich seitlich am Körper der Partnerin herab und führt einen Taster ein. Die gesamte Paarung dauert etwa 90 Minuten. Dabei findet mehrfach, jeweils unter Wechsel auf die andere Körperseite des Weibchens, ein Tasterwechsel statt. Nach der Paarung stellt das Weibchen in ihrem Schlupfwinkel einen Eikokon her. Nach dem Ausschlüpfen verbleiben die Jungspinnen noch längere Zeit - wohl bis zur nächsten Häutung - im Gespinst des Weibchens. Die Jungspinnen bauen schließlich dann ihre eigenen Wohnungen, überwintern dann halberwachsen und häuten sich im Mai des folgenden Jahres zum letzten Mal.

Synonyme und Chresonyme

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Platnick, Norman I. (2008): The world spider catalog, version 8.5. American Museum of Natural History.
'Persönliche Werkzeuge