Sumpfohreule

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Sumpfohreule

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Ohreulen (Asio)
Art: Sumpfohreule
Wissenschaftlicher Name
Asio flammeus
Pontopiddan, 1763

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Sumpfohreule (Asio flammeus) zählt innerhalb der Familie der Eigentliche Eulen (Strigidae) zur Gattung der Ohreulen (Asio). Die nächste Verwandte der Sumpfohreule ist die Waldohreule (Asio otus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Sumpfohreule erreicht eine Körperlänge von 35 bis 42 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 96 bis 106 Zentimeter sowie ein Gewicht von 300 bis 500 Gramm. Männchen bleiben, wie bei allen Eulenarten, ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Ansonsten weisen die Geschlechter keinen nennenswerten Geschlechtsdimorphismus auf. Der Kopf weist eine rundliche Form auf. Dieser Eindruck wird aufgrund des kreisrunden Gesichtsschleiers noch verstärkt. Die Augen liegen in der oberen Hälfte des Gesichtsschleiers und sind dunkel umrandet. Die Iris der Augen ist leuchtend gelb, die kreisrunde Pupille ist dunkel gefärbt.
Sumpfohreule im Flug - Russia, Saratov region, Zhadovka
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Sumpfohreule im Flug - Russia, Saratov region, Zhadovka
Das Gesicht ist im wesentlichen weißlich gefärbt, der kräftige Schnabel ist dunkelgrau bis schwärzlich gefärbt. Der Bereich um die Schnabelbasis ist unbefiedert. Dieser Bereich wird als Wachshaut bezeichnet und ist leicht gräulich gefärbt. Der Kopf ist wie bei allen Eulenarten aufgrund einer Wendemöglichkeit von 270 Grad und mehr sehr beweglich.

Das Obergefieder, der Kopf sowie die Flügel weisen eine graubraune Färbung auf und zeigen stellenweise einen leicht gelblichen Einschlag. Das Gefieder ist mit hellen und dunklen Mustern und Querbändern versehen und ergeben in ihrer natürlichen Umgebung eine vorzügliche Tarnung. Die Bauchseite und die Brustpartie ist deutlich heller gefärbt. Auf gelblichbraunen oder cremefarbenen Untergrund zeichnen sich auch hier dunkle Längsmuster ab. Insgesamt ist das Gefieder ausgesprochen weich, fast flauschig. Die Fahnen der einzelnen Federn sind sehr breit, der Kiel ist hochelastisch. Da verwundert es nicht, dass die Sumpfohreule eine ausgezeichnete Fliegerin ist. Die Färbung kann je nach Verbreitungsgebiet und Unterart variieren. Bei den Geschlechtern ist allerdings die Gefiederfärbung und die Gefiederzeichnung identisch. Jungvögel tragen zunächst ein weiches Dunenkleid (Neoptil), später dann ein Nestlingskleid (Mesoptil).

Die Extremitäten weisen bis zu den Zehen eine dichte, weißliche bis cremefarbene Befiederung auf. Die Füße enden dabei in vier Zehen, wovon je zwei nach vorn und hinten zeigen. Die äußere hintere Zehe ist allerdings eine Wendezehen, die auch nach vorne gestellt werden kann. Die Unterseite der Flügel ist weißlich gefärbt und im Fluge besonders gut zu erkennen. Die kleinen Federohren auf dem Oberkopf sind in der Regel kaum sichtbar, da sie angelegt sind und nur bei Gefahr oder Erregung aufgestellt werden.

Verhalten

Aktivität und Ruhephasen

Die Sumpfohreule gehört zu den tag- und dämmerungsaktiven Eulen. Bei Nahrungsmangel geht sie aber auch zusätzlich in der Nacht auf die Jagd. Während ihrer Ruhephasen sind Sumpfohreulen nur wenig gesellig. Dies trifft auch auf eine Paarbindung zu. Die Vögel halten sich während ihrer Ruhephasen sowohl auf dem Boden in dichter Vegetation auf als auch in Bäumen und Sträuchern. Auch exponierte Ansitzwarten werden gerne als Ruhepol genutzt. Während der Ruhephasen ist der Gesichtschleicher leicht eingefallen und die Augen geschlossen. In der Aktivitätsphase, wie etwa bei der Jagd oder bei der Revierüberwachung ist der Gesichtschleicher weit geöffnet. Die Zeiten der Aktivität hängen sowohl vom Verbreitungsgebiet als auch von der Jahreszeit und der Witterung ab. Die Sumpfohreule ist allerdings sehr anpassungsfähig und reagiert auf geänderte Umweltbedingungen entsprechend. Gefiederpflege ist ein zentraler Bestandteil ihrer Aktivitätsphase. Insbesondere vor und nach einer Jagd putzen die Sumpfohreulen ihr Gefieder ausgiebig. Dazu nutzen sie sowohl ihren Schnabel als auch ihre Füße. Ist Wasser in der Nähe, so badet sie gerne im Flachwasser. Aber auch Staubbäder sind durchaus häufig zu beobachten. Beides dient der Säuberung des Gefieders.

Sumpfohreule im Flug - Russia, Saratov region, Zhadovka
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Sumpfohreule im Flug - Russia, Saratov region, Zhadovka
Flugeigenschaften

Die Sumpfohreule ist eine sehr gute Fliegerin, die sich durch einen kräftigen und ausdauernden Flug auszeichnet. Streckenweise erinnert der Flug an eine Kornweihe (Circus cyaneus) oder Rohrweihe (Circus aeruginosus). Der Flug ist sowohl durch Gleit- als auch Rüttelphasen geprägt. Auf Nahrungssuche kann man die Sumpfohreule in einem niedrigen Pirsch- und Jagdflug beobachten. Bei Gegenwind kann sie regelrecht für einige Sekunden in der Luft schweben. Zum Ergreifen von Beutetieren kann die Sumpfohreule auch in einen schnellen Sturzflug übergehen. Während der Paarungszeit kommt es zu kunstvollen Balzflügen. Ein Balzflug findet insgesamt im Ruderflug statt, geht dann spiralförmig nach oben und im Sturzflug wieder nach unten. Ein Sturzflug endet mit einem demonstrativen Flügelklatschen.

Sozial- und Feindverhalten

Die Sumpfohreule ist außerhalb der Paarungszeit nur wenig territorial und duldet durchaus Artgenossen in ihrer Nähe. Auch sieht man Sumpfohreulen bei Zügen in die Winterquartiere oftmals in kleinen Gruppen. Dies ist streckenweise auch bei der Nahrungssuche der Fall. Die Kleingruppen können rund 10 bis 20 Individuen umfassen. Wesentlich größere Gruppen wurden bisher nicht beobachtet. Gelegentlich ist auch eine Vergesellschaftung mit anderen Eulen wie der Waldohreule möglich. Während der Paarungs- und Brutzeit legt die Sumpfohreule jedoch eine streng territoriale Lebensweise an den Tag und attackiert in ihrem Revier sowohl Artgenossen als auch andere Eindringlinge.

Die soziale Bindung ist insgesamt nur wenig ausgeprägt. Selbst ein Brutpaar zeigt nur wenige soziale Aspekte dem Partner gegenüber. Die Ruhephasen werden an getrennten Orten abgehalten und selbst die bei anderen Eulenarten oft vorkommende gegenseitige Gefiederpflege kommt bei dieser Art nicht vor. Die soziale Bindung reduziert sich auf die Paarung, die Eiablage und Aufzucht der Jungen mit einhergehender Versorgung mit Nahrung und Schutz. Der Schutz des Geleges und des Nachwuchses bzw. die Markierung des Reviers erfolgt durch akustische Signale und patroullierende Flüge.

Während der Ruhephasen verstecken sich Sumpfohreulen zumeist in dichter Bodenvegetation, selten ruhen sie auch im Geäst von Sträuchern und Bäumen. Sie sind allerdings auch während dieser Ruhephasen äußerst wachsam und reagieren sofort auf Eindringlinge. Meist fliegen sie bei Bedrohung erst im allerletzten Moment auf und nehmen sofort eine Drohhaltung ein. Während einer Drohhaltung spreizen sie vor allem ihren Gesichtsschleier und ihre leicht erhobenen Flügel. Sumpfohreulen erscheinen für einen Eindringling oder Fressfeind so größer als sie sind. Lassen sich potentielle Feinde so nicht abschrecken, so geht die Sumpfohreule in einen Feindflug über, die insbesondere durch lautstarke Ausrufe, Flügelklatschen und Scheinangriffe geprägt ist. Im Falle eines Angriffes auf einen Feind dienen vor allem die kräftigen Krallen als Waffe. Jungeulen haben keine Möglichkeit der Verteidigung. Sie verlassen sich auf ihre Tarnung und bleiben bei Gefahr regungslos in der Vegetation liegen.

Systematik

Die Ordnung der Eulen (Strigiformes) unterteilt sich in die Familien der Eigentlichen Eulen (Strigidae) und der Schleiereulen (Tytonidae). Die Sumpfohreule gehört in die Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae), die gelegentlich auch als Echte Eulen bezeichnet werden. Hier ist die Sumpfohreule eine von über 190 Arten, die sich in 19 Gattungen aufteilen. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Familie gehören unter anderen die Schnee-Eule (Bubo scandiacus), der Uhu (Bubo bubo) und der Steinkauz (Athene noctua).

Eulen sind eine sehr alte Vogelordnung. Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem Eozän und wurden in den USA entdeckt. Das Eozän begann vor rund 56 Millionen Jahren und endete vor etwa 34 Millionen Jahren (Jahreszahlen gerundet). Die ersten Vertreter der Eigentlichen Eulen tauchten wahrscheinlich im Oligozän auf. Das Oligozän ist eine erdgeschichtliche Epoche, die vor 34 Millionen Jahren begann und vor etwa 23 Millionen Jahren endete. Die Sumpfohreule dürfte seit etwa 2 Millionen Jahren existieren. Die Gattung der Ohreulen (Asio) umfasst 7 noch lebende und 4 fossile Arten. Neben der Sumpfohreule dürfte die Waldohreule (Asio otus) die bekannteste Art dieser Gattung sein.

Unterarten

Die Sumpfohreule ist nahezu weltweit verbreitet und teilt sich in nachstehende Unterarten auf. Die einzelnen Unterarten unterscheiden sich leicht in der Größe und der Gefiederfärbung:

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber Vorkommen
Asio flammeus bogotensis Chapman, 1915 nordwestliches Südamerika
Asio flammeus domingensis Statius Müller, 1776 Puerto Rico, Kuba, Karibik
Asio flammeus flammeus Pontoppidan, 1763 Nordamerika, Europa, Asien und im nordwestlichen Afrika
Asio flammeus galapagoensis Gould, 1837 Galápagos-Inseln
Asio flammeus pallidicaudus Friedmann, 1949 Südamerika
Asio flammeus ponapensis Mayr, 1933 Karolinen, südlicher Pazifik
Asio flammeus portoricensis Ridgway, 1882 Puerto Rico
Asio flammeus sandwichensis A. Bloxam, 1827 Hawaii
Asio flammeus sanfordi Bangs, 1919 Falkland Inseln
Asio flammeus suinda Vieillot, 1817 Peru, Chile, Bolivien and Brasilien

Verbreitung

Vorkommen

Die Sumpfohreule kommt in weiten Teilen der nördlichen Palärarktis vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Europa, Asien und Nord- und Südamerika. In Europa liegen die Hauptverbreitungsgebiete im Osten und Norden Europas sowie in England und auf Island. In Mitteleuropa kommt die Sumpfohreule nur noch punktuell vor und ist demnach nur noch selten als Durchzugs- oder Wintergast zu beobachten. Hier sind nennenswerte Populationsgrößen nur noch in den Niederlanden, in Polen und Deutschland sowie in einigen osteuropäischen Ländern vorhanden. Im nördlichen und nordwestlichen Asien kommen die Vögel noch recht häufig vor. In der südlichen Hemisphäre werden vor allem Südamerika bis hinunter zu den Falklandinseln, die Galápagos-Inseln, die Karolinen im südlichen Pazifik, Hawaii, Mittelamerika und die Karibik besiedelt (vergleiche obige Tabelle). Die Populationen in den subarktischen Verbreitungsgebieten gelten als Zugvögel, die im Herbst in den Süden ziehen. Die Populationen in den gemäßigten sowie den tropischen und subtropischen Verbreitungsgebieten sind Standvögel, die allenfalls bei Nahrungsmangel kleinere Wanderungen unternehmen.

Lebensraum

Typischer Lebensraum: offene Feuchtgebiete
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Typischer Lebensraum: offene Feuchtgebiete

Die Sumpfohreule bevorzugt als Lebensräume offene Landschaften wie Hoch- und Niedermoore, Heidelandschaften, Auenlandschaften, Flussniederungen, Feuchtwiesen und Verlandungszonen. Alle Landschaften zeichnen sich durch eine niedrige Vegetation aus, die aber durchaus genügend Deckung für die Sumpfohreule bietet. In den subarktischen Brutgebieten werden Habitate wie die Tundra, Steppen, Savannen und in Küstennähe auch Dünenlandschaften bevorzugt. Nur selten sieht man die Sumpfohreule in lichten Wäldern oder an dessen Rändern. Geschlossene Wälder werden komplett gemieden. In Mitteleuropa ist die Sumpfohreule oftmals auch auf landwirtschaftlichen Flächen und auf Weideland zu beobachten. In den Winterquartieren sind Sumpfohreulen auch auf strukturreichen und großflächigen Grünlandgebieten und Rieselfeldern (beispielsweise die Rieselfelder in Münster) anzutreffen.

Wanderverhalten

Je nach Verbreitungsgebiet kann es zu einem Zug in Winterquartiere kommen. Dies trifft vor allem auf die subarktischen Regionen von Nordamerika, dem nördlichen Europa (Skandinavien) und dem nördlichen Asien zu. Der Zug erfolgt in der Regel ab dem Herbst und zumeist in Kleingruppen. Zugstrecken von mehr als 4.000 Kilometern sind dabei keine Seltenheit. Bei den Standvögeln in den gemäßigten Regionen kann es bei Nahrungsmangel zu nomadischen Wanderungen kommen. Dies trifft allerdings nicht auf brütende Paare zu und gilt im wesentlichen für Nichtbrüter und Sumpfohreulen in den Winterquartieren. Diese nomadischen Wanderungen können sich über Distanzen von 50 bis 100 Kilometer erstrecken. Brütende Vögel reagieren auf Nahrungsmangel durch kleinere Gelege oder lassen eine Brut komplett ausfallen.

Die Winterquartiere der europäischen Population liegen in Mittel- und Südeuropa, die der asiatischen Vorkommen liegen im südlichen oder südöstlichen Asien. Sumpfohreulen im nördlichen Nordamerika ziehen im Herbst nach Mittelamerika oder ins nördliche Südamerika. In Deutschland gastieren Sumpfohreulen hauptsächlich als Durchzügler oder Wintergast.

Prädatoren

Neben Eulen (Strigiformes), Greifvögel (Falconiformes) und anderen räuberisch lebenden Vögeln gehören aufgrund der bodenbrütenden Lebensweise auch einige räuberisch lebende Säugetiere zu den natürlichen Fressfeinden. Hier sind vor allen Wildschweine (Sus scrofa), Rotfüchse (Vulpes vulpes) und der Baummarder (Martes martes) zu nennen. In der Vogelwelt gehören insbesondere Kolkraben (Corvus corax), Schnee-Eulen (Bubo scandiacus), Kornweihen (Circus cyaneus), Habichte (Accipiter gentilis), Wanderfalken (Falco peregrinus), Gerfalken (Falco rusticolus), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) und Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus) zu den Hauptfeinden. Tritt ein Fressfeind in Erscheinung, so fliegt die Sumpfohreule im allerletzten Moment auf und versucht ihn zu vertreiben. Sie verfährt hier nach dem Motto: "Feindvermeidung vor Konfrontation". Durch lautstarkes Geschrei, Flügelschlagen und Vortäuschen einer Verletzung versucht die Sumpfohreule primär Feinde vom Gelege wegzulocken.

Ernährung

Beutetiere

Nahrungsgrundlage: Feldmaus (Microtus arvalis)
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Nahrungsgrundlage: Feldmaus (Microtus arvalis)

Sumpfohreulen ernähren sich hauptsächlich von Wühlmäusen der Unterfamilie Arvicolinae. Dazu gehören insbesondere Erdmäuse (Microtus agrestis), Feldmäuse (Microtus arvalis), Sumpfmäuse (Microtus oeconomus), Schermäuse (Arvicola) und Waldmäuse (Apodemus sylvaticus). Lokal kann die bevorzugte und vorhandene Nahrung stark variieren. Bei einem Mangel an Mäusen kann die Sumpfohreule aber durchaus auch auf kleinere Vögel zurückgreifen. Beutetiere werden grundsätzlich komplett, also mit Haut und Haaren, verspeist. Pro Tag nimmt eine Sumpfohreule zwischen 15 und 20 Prozent ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich. Selbst wenn der Hunger gestillt ist, geht die Sumpfohreule weiter auf die Jagd. Sie legt dann in ihrem Nest oder an anderen Vorratsplätzen Nahrungsvorräte an. Dies ist insbesondere während der Brutzeit der Fall, da der Nachwuchs einen unersättlichen Appetit entwickelt. Gleiches gilt für die kalte Jahreszeit, in der Nahrung knapp werden kann. Aufgrund ihres guten Gedächtnisses findet die Sumpfohreule ihre Nahrungsdepots immer wieder. Diese opportunistische Vorratsspeicherung läßt die Sumpfohreule auch Mangelzeiten leicht überstehen.

Speiballen, Gewölle

Nach einer Mahlzeit, meist in einer Ruhephase, werden Nahrungsreste, die nicht verdaut werden können, hochgewürgt und ausgespieen. Ein Speiballen enthält überwiegend Knochenreste, Federn und Haare.
Sumpfohreule
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Sumpfohreule
Wie bei allen Eulen, so ist auch bei der Sumpfohreule die im Magen vorhandene Magensäure nur relativ mild, so dass nicht alle Materialien zersetzt werden können. Ein Speiballen weist in der Regel eine walzenförmige Form auf und erreicht eine Länge von vier bis sieben Zentimeter. Die Größe und Anzahl der Speiballen variiert stark nach Nahrung, Beutetierdichte und Jahreszeit.

Jagdweisen

Die Sumpfohreule jagt fast ausschließlich in offenen Landschaften. Beutetiere werden aus dem Flug heraus ergriffen. Der Flug wirkt dabei ausgesprochen langsam. Nicht selten befindet sich die Sumpfohreule in einem niedrigen Jagdflug kaum ein bis zwei Meter über dem Erdboden. Der Jagdflug kann dabei vom Rüttelflug in einen Gleitflug übergehen und umgekehrt. Gelegentlich kommt es auch zu einer gemeinschaftlichen Jagd mehrerer Vögel. Dabei handelt es sich entweder um ein Pärchen oder auf den Zügen um lose Gemeinschaften mehrerer Sumpfohreulen.

Ein Jagd- beziehungsweise ein Pirschflug wird zumeist in großen Schleifen über einen Nahrungsgrund vorgetragen. Beutetiere können von der Sumpfohreule sowohl über den Sehsinn als auch akustisch wahrgenommen werden. Ist ein Beutetier erspäht, so stürzt sich die Sumpfohreule mit angewinkelten Flügeln und mit den Füßen voran auf das Beutetier. Es wird mit den kräftigen Krallen gepackt und getötet. Ist die Witterung schlecht oder ist der Boden mit Schnee bedeckt, startet die Jagd von einer Ansitzwarte aus. Beutetiere werden entweder an Ort und Stelle verspeist oder ins Nahrungsdepot verbracht.

Die Sumpfohreule ist tag-, nacht- und dämmerungsaktiv. Sie kann selbst bei fast vollständiger Dunkelheit noch jagen, selbst dann, wenn sie nichts mehr sehen kann. Geleitet wird sie in solchen Fällen von ihrem hoch entwickelten Gehör.

Fortpflanzung

Balz und Paarbildung

Die Paarungszeit der Sumpfohreule beginnt im zeitigen Frühjahr. Sie kann sich dabei von März bis in den Juni hinein erstrecken. Die Geschlechter leben in einer monogamen Saisonehe. Vor allem während der Balz legen die Vögel ein sehr territoriales Verhalten an den Tag. Die Balz äußert sich insbesondere durch Imponierflüge und Lautäußerungen, das Männchen präsentiert einem Weibchen im Flug die Flügelunterseite. Der Balzflug findet insgesamt im Ruderflug statt, geht spiralförmig nach oben und im Sturzflug nach unten. Ein Sturzflug endet mit einem demonstrativen Flügelklatschen. Dieses Ritual kann sich mehrfach wiederholen. Ein weiteres Merkmal der Balz ist die Übergabe von Nahrung, meist in Form von Mäusen oder ähnlichem. Mit einem Beutetier im Schnabel, einer gebückten, fast demütigen Bettelhaltung tritt das Männchen vor ein Weibchen. Am Ende der Beuteübergabe steht die Kopulation und somit die eigentliche Paarbindung. Die Paarung findet am Boden statt.

Nistplatz, Gelege und Schlupf

Sumpfohreulen brüten in Bodennestern. Ein solches Nest entsteht in schützender Vegetation. Dazu wird eine einfache Erdmulde ausgescharrt oder einfach vorhandene Vegetation flach gedrückt. In manchen Fällen wird auch die Vegetation unterhalb des Nestes entfernt. Die Vorgehensweise beim Nestbau ist von Paar zu Paar unterschiedlich. Das fast napfartige Bodennest besteht im wesentlichen aus trocknen Pflanzenteilen wie Stroh und ähnlichem. Es weist eine runde Form und ein Nistmulde in der Mitte auf. Oft überwuchert die Vegetation rund um das Nest das Gelege und verdeckt es regelrecht. Die Sumpfohreulen trampeln sich in diesen Fällen einen Weg bis zum Nest.

In das fertige Nest legt das Weibchen sechs bis zehn weißliche Eier, die sie alleine über einen Zeitraum von gut 24 bis 26 Tagen ausbrütet. Die Ablage der Eier erfolgt im Abstand von zwei Tagen, das Wärmen der Eier beginnt bereits ab dem ersten Ei. Die Eier weisen eine Größe von etwa 40 mal 31 Millimeter sowie ein Gewicht von 20 bis 21 Gramm auf. Gelegegröße von bis zu 13 Eiern sind selten, aber möglich. Die Anzahl der Eier richtet sich im wesentlichen nach dem Nahrungsangebot. Während das Weibchen die Eier bebrütet, wird sie vom Männchen zwischendurch mit Nahrung versorgt. Er legt dazu am Nest einen kleinen Nahrungsvorrat an, von dem sich das Weibchen bedienen kann. Ansonsten kümmert sich das Männchen nur um den Schutz des Geleges. Die Jungen schlüpfen aufgrund des langen Legezeitraumes zu unterschiedlichen Zeiten. Sie werden in der ersten Zeit von der Mutter gehudert.

In der ersten Zeit werden Mäuse von der Mutter in kleine Bissen gerissen und an den Nachwuchs verfüttert. Später verschlingen die Jungen gleich ganze Mäuse. Dies ist in etwa ab dem 12. Lebenstag der Fall. Jetzt verlassen die Jungeulen auch erstmals das Nest, bleiben aber in dessen unmittelbarer Nähe. Sie bedienen sich nun selbständig im Nahrungsdepot der Eltern und fressen selbständig. Beide Elternteile sorgen ab jetzt gleichermaßen für Nachschub an Mäusen. Aufgrund der Gier mit der die Jungeulen beim Fressen vorgehen, kann es durchaus vorkommen, dass jüngere Geschwister mitverschlungen werden. Die Jungeulen weisen deutliche Größenunterschiede auf. Vor allem die zuletzt geschlüpften haben kaum eine Überlebenschance und landen meist im Magen der älteren Geschwister.

Jungenentwicklung

Die Jungeulen entwickeln sich ausgesprochen schnell. Das Schlupfgewicht beträgt rund 18 Gramm. Ihr Körper ist zunächst mit einem weißlichen Dunenkleid (Neoptil) bedeckt, das allerdings bereits gegen Ende der ersten Lebenswoche durch das 2. Dunenkleid, dem sogenannten Mesoptil, gewechselt wird. Dieses weist eine hellbraune Färbung auf. Sie wachsen sehr schnell heran und halten sich bereits ab der dritten Lebenswoche außerhalb des Nestes auf. Vor allem in der zweiten Lebenswoche machen die Jungeulen einige Veränderungen durch. So öffnen sie während dieser Woche ihre Augen und ihr Eizahn fällt ab. Bemerkenswert ist auch die Fähigkeit zu Klettern. In der Dritten Woche erklimmen sie erstmals Äste und ähnlich erhöhte Aussichtspunkte. Dabei setzen sie sowohl den Schnabel, die krallenbewehrten Füße als auch die Flügel ein.

In der vierten Labenswoche, etwa ab dem 26. Lebenstag, beginnen die Jungtiere mit den ersten Flugübungen. Mit 32 bis 35 Tagen haben sie bereits die volle Flugfähigkeit erreicht. Die Selbständigkeit wird mit 45 bis 60 Tagen erreicht. Ab diesen Zeitpunkt fliegen die Jungeulen aus und suchen sich ein eigenes Revier bzw. einen eigenen Nahrungsgrund. Sie ziehen dabei teilweise einige hundert Kilometer von den Eltern weg. Je nach Verbreitungsgebiet kommt es dann auch zum ersten Zug in die Winterquartiere. Die Geschlechtsreife erreichen Jungeulen gegen Ende des ersten Lebensjahres. Meist ist dies ab dem 10. Lebensmonat der Fall. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit unter günstigen Umständen bei 15 bis 20 Jahren. Jedoch ist die Jungensterblichkeit im ersten Lebensjahr extrem hoch. Auch aufgrund der Brutaktivität am Boden fallen viele Jungtiere Fressfeinden zum Opfer.

Ökologie

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Sumpfohreulen spielen wie alle Eulenarten im Ökosystem eine wichtige Rolle. So beeinflussen Sumpfohreulen insbesondere die Populationen von Nagetieren wie Mäusen und Wühlmäusen nachhaltig. Ohne Eulen vermehren sich Nager sehr schnell, sehr stark und können leicht zu einer Plage werden. Aber alleine genügend Nahrung reicht den Sumpfohreulen kaum. In den letzten Jahrzehnten wurden die Bruthabitate wie Niedermoore und Flussniederungen durch Entwässerung und Trockenlegung vernichtet. Die Wechselbeziehungen zwischen Sumpfohreule und ihrem natürlichen Lebensraum ist dadurch aus dem Gleichgewicht geraten.

Gefährdung und Schutz

Allgemeines

Die Sumpfohreule war in Mitteleuropa historisch sehr weit verbreitet und häufig anzutreffen. Vor allem in Mooren, Sumpfgebieten, Auenlandschaften und in Flussniederungen trat die Art häufig auf. Mit der weitflächigen Urbanisierung und Kultivierung dieser Flächen verschwand die Sumpfohreule zusehens. Heute, nachdem man der Art die Brutgebiete und die Nahrungsgründe fast vollständig entzogen hat, ist sie nur noch selten anzutreffen. Da verwundert es nicht, dass die Sumpfohreulen in den lokalen Roten Liste der betroffenen Länder als gefährdet oder stark gefährdet geführt wird. Auch das Washingtoner Artenschutzabkommen hat die Sumpfohreule in Anhang II unter weltweitem Schutz gestellt. Die globale Population ist jedoch noch nicht gefährdet. Vor allem im westlichen Teil Asiens, Osteuropa, Skandinavien und England kommt die Art noch relativ häufig vor. So wird die Sumpfohreule in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. In Deutschland wird die Sumpfohreule in der nationalen Roten Liste mit der Einstufung 1 - vom Aussterben bedroht, geführt.

Gefährdungsfaktoren

Lebensraum: Mähwiesen mit Feuchtbiotop
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Lebensraum: Mähwiesen mit Feuchtbiotop

Neben dem Schwund durch Fressfeinde (siehe Kapital Prädatoren) unterliegen die Sumpfohreulen einer Reihe von natürlichen und vom Menschen produzierte Gefährdungsfaktoren. Zu den natürlichen Ursachen gehört insbesondere Hochwasser, das vor allem den Bruterfolg in Frage stellt. Hochwasser kann durch starke Regenfälle, Begradigung von Flussläufen und Vernichtung von natürlichen Rückhaltebecken ausgelöst werden.

Weit schwerwiegender wirken jedoch anthropogene (vom Menschen beeinflusste bzw. verursachte) Gefahren auf die Populationen der Sumpfohreule. An erster Stelle ist hier die Trockenlegung und Entwässerung von Sumpfgebieten, Auenlandschaften und ähnlichen Habitaten zu nennen. Aber auch die Urbanisierung und Kultivierung der Bereiche in unmittelbarer Nähe zu den Bruthabitaten wirken sich ausgesprochen negativ aus. So stellt beispielsweise die Einzäunung von Äckern und Weideland ein großes Gefährdungspotential dar. Sumpfohreulen können sich leicht im Stacheldraht verfangen und verenden qualvoll. Ähnliches gilt für Stromleitungen und Hochspannungsmasten. Als Nahrungsgründe dienen der Sumpfohreule vor allem Wiesen und Weiden. Durch einen übermäßigen Besatz mit Weidevieh (beispielsweise Kühe oder Schafe) kann die Sumpfohreule nicht nachhaltig auf die Jagd gehen. Ein weiterer Gefährdungsgrund ist die Störung in den Bruthabitaten durch den Menschen. Hier sind insbesondere sportliche Aktivitäten zu nennen, die den Bruterfolgt stark beeinträchtigen können.

Schutzmaßnahmen

Lebensraum: Mähwiesen
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Lebensraum: Mähwiesen

Maßgeblich zum Schutz der Sumpfohreulen kann nur der Schutz der Bruthabitate und der Nahrungsgründe beitragen. Dazu gehören insbesondere der Schutz und die Erhaltung offener Landschaften, die als Nahrungsgrund dienen, und selbstverständlich auch die Erhaltung von Feuchtgebieten wie Heide- und Moorgebiete, Brachen, Auenlandschaften und ähnliche Habitate. Eine Abhilfe kann eine nachträgliche Vernässung trockengelegter Flächen schaffen. Im Bereich der Landwirtschaft muss zusätzlich der Weg von der Intensivierung hin zur Extensivierung gefunden werden. Insbesondere sind hier der Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden zu nennen. Eine extensive Weidewirtschaft und Ackerbau schädigen die Populationen nachhaltig.

Literatur

  • Theodor Mebs, Wolfgang Scherzinger, Die Eulen Europas, Franckh-Kosmos Verlag, 2000 - ISBN 3440070697
  • Greifvögel und Eulen, DVD 35 Min., Franckh-Kosmos Verlag - ISBN 344010494X
  • Walther Thiede, Greifvögel und Eulen. Alle Arten Mitteleuropas erkennen und bestimmen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, 1999 - ISBN 3405151171
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Links

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