Syrischer Steinbock

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Syrischer Steinbock
Weibchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Ziegen (Capra)
Art: Syrischer Steinbock
Wissenschaftlicher Name
Capra nubiana
Cuvier, 1825

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Syrische Steinbock (Capra nubiana), der auch Nubischer Steinbock genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Ziegen (Capra). Der nächste Verwandte ist der Äthiopische Steinbock (Capra walie). Im Englischen wird die Art Nubian Ibex genannt.

Inhaltsverzeichnis

Synonyme

Die Art ist auch unter veralteten Synonymen bekannt. Hierzu gehören Capra arabica (Rüppell, 1835), Capra beben (Wagner, 1835) Capra mengesi (Noack, 1896), Capra sinaitica (Ehrenberg, 1833) und Capra typica (Lydekker, 1908). Wilson & Reeder, 2003. Alle genannten wissenschaftlichen Synonyme sind ungültig. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Syrische Steinbock erreicht eine Körperlänge von 105 bis 125 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 65 bis 75 Zentimeter sowie ein Gewicht von 27 bis 62 Kilogramm. Mit diesen Maßen gehört der Syrische Steinbock zu den kleinsten Ziegenarten. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Sie erreichen kaum 50 bis 60 Prozent der Größe der Männchen und kaum ein Drittel des Gewichtes. Das dichte Fell weist eine einheitliche bräunliche Färbung auf, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. An den Beinen können sich schwarze und weiße Flecken zeigen. Bei den Männchen stellt sich im Herbst eine etwas dunklere Färbung ein. Sie verfügen zudem im Kinnbereich über imposante Bärte. Diese fehlen den Weibchen in der Regel, nur bei älteren Weibchen zeigt sich ansatzweise ein Kinnbart. Beide Geschlechter weisen Hörner auf. Diese erreichen beim Männchen eine Länge von bis zu 120 Zentimeter, bei den Weibchen bleiben die Hörner mit bis zu 25 Zentimeter deutlich kleiner. Im ersten Lebensjahr wachsen die Hörner bis zu 20 Zentimeter, danach nur noch gut 4 Zentimeter pro Jahr. Bei den Männchen sind die Hörner deutlich nach hinten geschwungen und weisen an der Basis einen größeren Querschnitt auf. Die Hörner liegen im oberen Stirnbereich, deutlich vor den Ohren. Sie sind zudem fest mit dem Kopf verwachsen, werden nicht abgeworfen und wachsen ein Leben lang. Die Verbindung zwischen den Hörnern und der Schädeldecke stellen sogenannte Knochenzapfen dar. Das Männchen hat auf der Stirn zudem massive Verknöcherungen, die bei den Rivalenkämpfen die Kopfstöße abmildern.

Verhalten

Syrische Steinböcke sind überwiegend dämmerungsaktiv. Nicht selten erfolgt die Nahrungssuche auch im Schutze der Nacht. Am Tage ruhen die Tiere an schattigen und geschützten Plätzen. Abgesehen von der Nahrungssuche halten sich Syrische Steinböcke in zerklüfteten Felsmassiven auf. Hier sind sie vor Prädatoren in Sicherheit. Nur zur Nahrungssuche steigen sie in tiefere Lagen hinab. Im Winter suchen sie Schutz unter Felsvorsprüngen oder in natürlichen Höhlen. Hier sind die Tiere vor Kälte und Regen in Sicherheit. Syrische Steinböcke sind ausgesprochen sozial und leben in geselligen Gruppen. Männchen und Weibchen mit ihrem Nachwuchs leben dabei in getrennten Gruppen. Innerhalb einer Gruppe herrscht eine strenge Hierarchie. Ältere Männchen streifen einzelgängerisch umher. Die Kommunikation untereinander, vor allem während der Paarungszeit erfolgt hauptsächlich über den olfaktorischen Sinn.

Verbreitung

Der Syrische Steinbock war ursprünglich in weiten Teilen des nordöstlichen Afrika und im Nahen Osten verbreitet. Dies belegen fossile Funde und alten Zeichnungen in Höhlen. Syrische Steinböcke traten vor allem in gebirgigen und felsigen Regionen auf. Heute lebt jeweils eine kleine isolierte Population in der Küstenregion des nordöstlichen Afrika, auf der Sinai-Halbinsel sowie im südöstlichen Teil der arabischen Halbinsel. Ausgestorben sind Syrische Steinböcke in Syrien und im Libanon. In diesen Regionen sind Syrische Steinböcke in den Bergregionen, auf Geröllfeldern und in felsigen Schluchten zu Hause. In Höhenlagen kommen sie bis in Höhen von gut 3.000 Metern über NN vor. Sie haben sich im Laufe ihrer Evolution optimal an das warme und aride Klima angepasst.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Syrischen Steinböcke gehören der Leopard (Panthera pardus), der Wolf (Canis lupus) und die Streifenhyäne (Hyaena hyaena). Jungtiere fallen zudem großen Greifvögeln (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) wie beispielsweise dem Steinadler (Aquila chrysaetos) oder dem Uhu (Bubo bubo) zum Opfer. Aufgrund der unzugänglichen Lebensräume in den felsigen Regionen fallen jedoch nur wenige erwachsene Tiere Fleischfressern zum Opfer.

Ernährung

Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Syrische Steinböcke von Gräsern, Kräutern, Sämereien, Blüten, Knospen, jungen Trieben und Rinde. Aber auch das Laub der Akazien (Acacia) wird keineswegs verschmäht. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise Kaperngewächse (Capparaceae) der Gattung Cadaba sowie Korbblütler (Asteraceae) der Gattung Pluchea. Syrische Steinböcke trinken täglich Trinkwasser, wenn dies vorhanden ist. Daher gehen sie in der Regel in der Nähe eines Gewässers auf Nahrungssuche. Sie können jedoch auch einige Tage ohne Trinkwasser auskommen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt in der Regel in der Dämmerung und in der Nacht. Am Tage meiden die Tiere vor allem die warmen Tagenstemperaturen und halten sich üblicherweise im Schatten auf. Die Nahrungssuche erfolgt in niedriger Höhe. Sie steigen gehen Abend demnach auf tiefer liegende Wiesen und ähnliche Habitate hinab. Gegen Morgen steigen sie dann wieder in unzugängliche Felsklippen hinauf. Hier sind sie vor allem vor Fleischfressern in Sicherheit.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Syrischen Steinböcke erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 2 Jahren. Die Männchen sind hingegen erst im Alter von 3 bis 6 Jahren geschlechtsreif. Erst in diesem Alter können die Männchen in den Rivalenkämpfen bestehen und haben Zugang zu den Weibchen.
Männchen
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Männchen
Die Paarungszeit erstreckt sich über den Spätherbst oder den frühen Winter. Dies ist in den natürlichen Verbreitungsgebieten von Anfang Oktober bis in den Dezember hinein. Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs das ganze Jahr in sogenannten Weibchengruppen. Die jüngeren Männchen versammeln sich in Junggesellengruppen, die eine deutliche Hierarchie aufweisen. Ältere Männchen leben überwiegend einzelgängerisch. Nur während der Paarungszeit treffen die geschlechtsreifen Männchen auf die Gruppen mit den Weibchen. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da ein Männchen mehrere Weibchen in einer Herde begattet. Mit der Aufzucht des Nachwuchses haben Männchen demnach nichts zu tun. Während der Paarungszeit kommt es unter den kräftigen Männchen zu heftigen Gefechten, die mit den massiven Hörnern ausgefochten werden. Die kräftigsten Männchen mit den größten Hörnern gehen in der Regel siegreich aus den Kämpfen.

Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 165 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 2 (1) Jungtiere zur Welt, wobei Zwillingsgeburten eher selten auftreten. Zu den Geburten kommt es zwischen Mai und Juni. In den ersten Tagen bleiben die Jungtiere in einem Versteck verbogen. Die Mütter kommen nur zum Säugen zu ihren Nachwuchs. Sind die Jungtiere kräftig genug, so folgen sie der Herde. Der Nachwuchs wird für rund 60 bis 90 Tage gesäugt. Jedoch nehmen die Jungtiere bereits vorher ihre erste feste Nahrung zu sich. Ein Jungtier bleibt bis zu 3 Jahren in der Gruppe der Mutter. Männchen schließen sich danach Junggesellengruppen an, Weibchen bleiben ein Leben lang in ihrer Geburtsgruppe. Die Lebenserwartung der Syrischen Steinböcke liegt in freier Natur bei 10 bis 15 Jahre.

Gefährdung und Schutz

Syrische Steinböcke besiedeln in ihrem Lebensraum eine ökologische Nische. Dies bezieht sich in den kargen Lebensräumen vor allem auf die Nahrungssuche. Es verwundert nicht, das Syrische Steinböcke sich opportunistisch von einer breiten Palette von Pflanzen ernähren. Sie bevorzugen dabei Pflanzen von hoher Qualität. In ihrem Lebensraum leben Syrische Steinböcke mit nur wenigen Tieren in Koexistenz. Eine der wenigen Ausnahmen bilden Bootsschwänze (Quiscalus). Beide Arten profitieren dabei voneinander. Bootsschwänze fressen Insekten (Insecta), die von den Steinböcken wähend der Nahrungssuche aufgescheucht werden und die Steinböcke lassen sich Parasiten von den Bootsschwänzen aus dem Fell picken. In ihren Habitaten leben Syrische Steinböcke in Nahrungskonkurrenz zu Hausziegen (Capra hircus), Afrikanische Esel (Equus asinus) und Dromedaren (Camelus dromedarius), in der Nähe zum Menschen auch zu dessen Weidevieh.

Seit Jahrhunderten stellt der Mensch den Syrischen Steinböcken wegen des Fleisches nach. Trophäenjäger haben es zudem auf die Trophäe abgesehen. Auch wenn die Bejagung der Tiere mittlerweile verboten ist, geht die Wilderei unvermindert weiter. In einigen Teilen des Verbreitungsgebietes wie Syrien und Libanon wurde die Art mittlerweile ausgerottet. In der Roten Liste der IUCN wird der Syrische Steinbock mittlerweile als stark gefährdet (EN, Endangered) geführt. Man schätzt die Gesamtpopulation heute auf kaum 2.500 Tiere.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • [1] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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