Thrichomys apereoides

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Thrichomys apereoides
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Familie: Stachelratten (Echimyidae)
Unterfamilie: Eumysopinae
Gattung: Thrichomys
Art: Thrichomys apereoides
Wissenschaftlicher Name
Thrichomys apereoides
(Lund, 1839)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Thrichomys apereoides zählt innerhalb der Familie der Stachelratten (Echimyidae) zur Gattung Thrichomys. Im Englischen wird diese Art Punare genannt. Von Lund, dem dänischen Zoologen und Paläontologen, wurde Thrichomys apereoides ursprünglich als Echimys apereoides beschrieben. Die erste Nennung des aktuellen Namens erfolgte durch Thomas, 1903.

Thrichomys apereoides kann von den anderen Vertretern der Gattung Thrichomys aufgrund des weichen und dichten Felles sowie des dicht behaarten Schwanzes unterschieden werden. Die Schwänze von Thrichomys inermis und Thrichomys pachyurus sind nur spärlich behaart.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde von Thrichomys apereoides stammen aus dem Pleistozän. Die Fundorte liegen nahe Lagoa Santa im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais (dos Reis & Pessôa, 2004).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Thrichomys apereoides erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Körperlänge von 225 bis 256 mm, eine Schwanzlänge von 182 bis 226 sowie ein durchschnittlich 339 Gramm. Der Dimorphismus zwischen den Geschlechtern ist jedoch nur marginal, Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Kleinere Unterschiede gibt es such in der Schädelmorphologie. Männchen erreichen eine Schädellänge von 48,3 bis 55,54 (51,92) mm, eine Condylobasallänge von 43,52 bis 51,1 (47,2) mm, eine Jochbeinbreite von 23,02 bis 28,1 (25,59) mm und ein Länge des Rostrum von 16,2 bis 20,02 (17,84) mm. Weibchen erreichen eine Schädellänge von 47,34 bis 55,38 (51,07) mm, eine Condylobasallänge von 43,56 bis 50,82 (46,52) mm, eine Jochbeinbreite von 23,94 bis 27,72 (25,3) mm und ein Länge des Rostrum von 15,56 bis 19,8 (17,59) mm. Der Schädel ist insgesamt breit und recht kurz, das Rostrum ist kurz, breit und kräftig entwickelt. Das Fell von Thrichomys apereoides ist weich und sehr dicht. Es weist dorsal eine graubraune Färbung auf, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. In der Orbitalregion des Kopfes, also rund um die Augenhöhlen, sind mehr oder weniger deutlich 2 kleine weiße Flecken erkennbar. Am Ansatz der Ohren kann sich eine feine weißliche Behaarung zeigen. Die Ohren sind insgesamt nur spärlich behaart. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paar Zitzen. 1 Paar liegt im Brustbereich, 1 Paar im Leistenbereich (dos Reis & Pessôa, 2004; Novak, 1999). Das kräftige Gebiss von Thrichomys apereoides besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Die Vorseite der Schneidezähne ist leicht orangen gefärbt, die Hinterseite ist weiß. Zwischen den einzelnen Unterarten, aber auch zwischen verschiedenen Populationen innerhalb einer Unterart können sich Unterschiede in der Unterkiefermorphologie zeigen. Die Unterschiede ergeben sich aus voneinander abweichenden Lebensräumen und mitunter unterschiedlicher Ernährungsweise (dos Reis & Pessôa, 2004; Novak, 1999).

Lebensweise

Die Tiere sind in ihren Lebensräumen ausgesprochen agil und beweglich. Dies trifft auch auf felsige und steinige Lebensräume zu. Rückzugspunkte sind schutzbietende Büsche, Felsspalten und ähnliche Plätze. Thrichomys apereoides bewohnt keine Erdbauten. Die Art ist überwiegend dämmerungsaktiv. Am Tage und in der Nacht ist Thrichomys apereoides eher selten aktiv. Die Geschlechter leben einzelgängerisch und treffen meist nur zur Paarung aufeinander. Die Populationsdichte liegt in den meisten Regionen bei 2,61 Tiere je Hektar. Die durchschnittliche Reviergröße liegt in Abhängigkeit von der Lebensraumqualität bei rund 1.900 m². Die Reviere einzelner Tiere können sich an den Grenzen überlappen. Zu intraspezifischen Verhaltensweisen kommt es gelegentlich mit Spix-Wieselmeerschweinchen (Galea spixii), Felsenmeerschweinchen (Kerodon rupestris) und seltener auch mit Bolomäusen (Bolomys) wie Bolomys lasiurus (dos Reis & Pessôa, 2004; Novak, 1999).

Unterarten

Die Einteilung in Unterarten gilt als umstritten. Nachfolgend die Unterarten nach dos Reis und Pessôa, 2004.

Wilson & Reeder, 2005, führen lediglich 2 Unterarten. Dies sind Thrichomys apereoides apereoides (Lund, 1839) und Thrichomys apereoides laurentius (Thomas, 1904).

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Thrichomys apereoides erstreckt sich vom nordöstlichen über das zentrale bis in das südöstliche Brasilien. Kleinere Populationen konnten auch in Paraguay und in Bolivien nachgewiesen werden. In Bolivien kommt Thrichomys apereoides in der Provinz Gran Chaco vor. Außerhalb von Brasilien kommen nur die Unterarten Thrichomys apereoides fosteri (Paraguay und Bolivien) und Thrichomys apereoides pachyurus (Paraguay) vor (dos Reis & Pessôa, 2004; Novak, 1999). Thrichomys apereoides besiedelt meist trockene und steinige Lebensräume. Die Lebensräume sind insbesondere durch Felsen und Sträucher geprägt, die den Tieren einen gewissen Schutz vor natürlichen Feinden bieten (dos Reis & Pessôa, 2004; Novak, 1999).

Ernährung

Thrichomys apereoides ernährt sich überwiegend von Früchten und Sämereien der Baumwolle (Gossypium). Dies ist vor allem während der Regenzeit der Fall. In der Trockenzeit stellen auch Kokospalmen (Cocos) und Kakteengewächse (Cactaceae) eine Nahrungsquelle dar (dos Reis & Pessôa, 2004; Novak, 1999).

Fortpflanzung

Thrichomys apereoides erreicht die Geschlechtsreife im Alter von 7 bis 9 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich hauptsächlich über Dezember bis Januar. Jedoch kommt es auch während des Jahres zu Paarungen. In einer Saison kann ein Weibchen 2 bis 3 Würfe zur Welt bringen. Nach einer Tragezeit von etwa 95 bis 98 (97) Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Nest 1 bis 7 (2-4) Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs ist bei der Geburt bereits weit entwickelt. Die Augen und Ohren sind offen, die Schneidezähne sind durchgebrochen und der Körper ist mit Fell versehen. Das Geburtsgewicht liegt bei rund 21,1 Gramm. Das adulte Gewicht wird im Alter von 200 Tagen erreicht. Die Jungtiere sind bereits wenigen Stunden nach der Geburt zu koordinierten Bewegungen in der Lage. Neben der Muttermilch neben sie bereits in den ersten Lebenstagen die erste feste Nahrung zu sich. Die Erlernung der natürlichen Verhaltensweise stellt sich ebenso recht früh ein. Die Jungen erlernen früh das Putzen, die Räubervermeidung sowie die Notwendigkeit der Koprophagie (Verzehr von Kot). Unter den Geschwistern zeigen sich gegen Ende der ersten Lebenswoche die ersten agonistischen Verhaltensweisen. Die Säugezeit endet meist in der vierten Lebenswoche (dos Reis & Pessôa, 2004; Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Thrichomys apereoides gehört noch nicht zu den bedrohten Arten der der Stachelratten (Echimyidae). Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Zu den größten Bedrohungen zählen die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die Bejagung durch den Menschen. Der Mensch hat es auf das Fleisch der Tiere abgesehen.

Anhang

Literatur und Quellen

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