Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen

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Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus)
Art: Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Sylvilagus graysoni
(Allen, 1877)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Das Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus graysoni) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus). Im Englischen wird die Art Tres Marias Cottontail oder Tres Marias Rabbit genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Das Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen ist auch unter dem ungültigem Synonym S. badistes (Diersing & Wilson, 1980) bekannt.

Ursprünglich wurde Sylvilagus graysoni von J. A. Allen in die Gattung Lepus gestellt. Die erste Nennung des aktuellen wissenschaftlichen Namens erfolgte im Jahr 1904 durch Lyon (Cervantes, 1997).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Das Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen ähnelt dem Mexikanischen Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus cunicularius) und dem Florida-Waldkaninchen (Sylvilagus floridanus). Sylvilagus graysoni verfügt über einen größeren Schädel als Sylvilagus floridanus. Sylvilagus cunicularius und Sylvilagus graysoni unterscheiden sich insbesondere in der Größe der Ohren (S. graysoni 50,8 bis 60,4 mm; S. cunicularius 59,8 bis 74,4 mm). Zudem ist Sylvilagus graysoni dorsal, lateral und an den Beinen mehr rötlich gefärbt und der Schädel ist in der nasalen Region schlanker (Cervantes, 1997).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen ist innerhalb der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) eine mittelgroße Art mit relativ kleinen Ohren. Die Art ist dorsal rötlich gefärbt, wobei der Rumpf und der Nacken am hellsten gefärbt sind. Lateral wird die Fellfärbung etwas heller, ventral zeigt sich eine weißliche Färbung. Der Schädel ist im Vergleich zum Körper mittelgroß bis groß. Rostrum und Diastema sind lang. Das Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen erreicht eine Gesamtlänge (Werte sind Durchschnittswerte) von 466,11 mm, eine Schwanzlänge von 50,21 mm, eine Hinterfußlänge von 95,42 mm, eine Ohrlänge von 63,75 mm, eine Schädellänge von 79,92 mm, eine Jochbeinbreite von 37,0 mm und eine Hirnschädelbreite von 27,33 mm. Das Gebiss verfügt über 28 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3 (Cervantes, 1997).

Lebensweise

Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen sind hauptsächlich nachtaktiv, gelegentlich sind die Tiere auch am Tage aktiv. Die Tiere sind ganzjährig aktiv, eine Winterruhe oder -schlaf wird nicht gehalten. Während der Ruhephasen halten sich Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen in tiefere Erdmulden an geschützter Stelle versteckt. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Das Nest wird mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Bei Gefahr verharren die Tiere völlig regungslos und ergreifen erst im letzten Moment die Flucht. Über das Fortpflanzungsverhalten ist nichts bekannt.

Verbreitung

Das Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen ist auf den Marias-Inseln endemisch. Die Marias-Inseln gehören zum mexikanischen Bundesstaat Nayarit. Es werden die vier Inseln María Madre, María Magdalena, María Cleofas und San Juanito besiedelt. Das gesamte Verbreitungsgebiet umfasst lediglich um die 250 km². Die Art kommt im Flachland und in Höhenlagen bis in Höhen von etwa 350 m über NN vor. Die Tiere leben hauptsächlich in tropischen Trockenwäldern. Die Temperaturen schwanken saisonal zwischen 20,3 und 37,5 °C (Cervantes, 1997; IUCN 2011).

Biozönose

Konkurrenz, Sympatrie

Den Lebensraum oder die Nahrungsressourcen teilen sich Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen mit zahlreichen anderen kleinen und größeren Tieren. Hier sind insbesondere Zwergbeutelratten (Marmosa) wie die Graue Zwergbeutelratte (Marmosa canescens), Weißfußmäuse (Peromyscus) wie die Tres-Marias-Hirschmaus (Peromyscus madrensis), Tres-Marias-Waschbären (Procyon insularis), Eigentliche Fruchtvampire (Artibeus) wie Artibeus intermedius, Haarschwanzfledermäuse (Lasiurus) wie Lasiurus blossevillii, Eigentliche Glattnasen (Vespertilioninae) wie Rhogeessa parvula, Mausohren (Myotis) wie Myotis findleyi oder Großohrfledermäuse (Macrotus) wie Macrotus waterhousii. zu nennen. In der Vergangenheit lebte die Art auch mit der heute ausgestorbenen Reisratten-Art (Oryzomys) Oryzomys nelsoni in enger Nachbarschaft.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere der Tres-Marias-Waschbär (Procyon insularis), der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und der Schopfkarakara (Polyborus plancus). Andere natürliche Feinde sind nicht nachgewiesen (Cervantes, 1997).

Ernährung

Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen ernähren sich als reine Pflanzenfresser von einer Vielzahl krautartiger Pflanzen. In den kalten Monaten werden auch Rinde und Triebe gefressen. Weitere Informationen sind nicht bekannt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen gehört heute zu den stark bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie EN, Endangered, geführt. In der Vergangenheit wurden die Tiere stark von Menschen gejagt. Die Jagd war relativ einfach, da Tres-Marias-Baumwollschwanzkaninchen dem Menschen gegenüber kaum Angst zeigten. Ein ähnlich leichtes Spiel hatten nicht endemische Raubtiere. Die Hauptgefahren gehen von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus. Aber auch die Einfuhr von nicht endemischen Tieren wie der Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus) oder die Hausratte (Rattus rattus) störten das ökologische Gleichgewicht durch Nahrungskonkurrenz erheblich. Die Insel María Magdalena ist heute ein unbewohntes Naturschutzgebiet.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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