Tundra-Rotzahnspitzmaus

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Tundra-Rotzahnspitzmaus
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Waldspitzmäuse (Sorex)
Art: Tundra-Rotzahnspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Sorex tundrensis
Merriam, 1900

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Tundra-Rotzahnspitzmaus (Sorex tundrensis) zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Waldspitzmäuse (Sorex). Im Englischen wird die Art Tundra Shrew genannt. Die Tundra-Rotzahnspitzmaus wird dem Subgenus Sorex zugerechnet. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

In älterer Literatur wurde die Tundra-Rotzahnspitzmaus als Unterart der Sorex arcticus geführt. Aufgrund wesentlicher cranialer Unterschiede bekam die Tundra-Rotzahnspitzmaus einen Artstatus. Auch im Genom unterscheiden sich beide Arten deutlich. Der Ursprung der Art liegt in Nordasien. Über die Beringstraße gelangte die Tundra-Rotzahnspitzmaus von Sibirien nach Alaska.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Tundra-Rotzahnspitzmaus hat einen kürzeren Schwanz als Sorex arcticus. Von Sorex ugyunak unterscheidet sich die Tundra-Rotzahnspitzmaus ebenfalls durch einen kürzeren Schwanz. Ansonsten ähneln sich die 3 Arten im Wesentlichen (Nowak, 1999).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die mittelgroße Tundra-Rotzahnspitzmaus erreicht eine Körperlänge von 83 bis 115 (96) mm, eine Schwanzlänge von 20 bis 37 (30) mm sowie ein Gewicht von 3,8 bis 10 (6,7) g. Die Fellfärbung unterscheidet sich saisonal und in Abhängigkeit vom Alter. Adulte Tiere sind im Sommer dorsal dunkelbraun, lateral hellbraun und ventral hellgrau gefärbt. Bei juvenilen und subadulten Tieren ist der Unterschied zwischen Rücken- und Bauchfärbung weniger stark ausgeprägt. Im Winter ist das Fell der adulten Tiere auf dem Rücken bräunlich, lateral und ventral zeigt sich eine gräuliche Färbung. Der Fellwechsel wird zwischen April und Mai sowie zwischen August und September vollzogen. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/1, c1/1, p3/1, m3/3 (Nowak, 1999).

Lebensweise

Tundra-Rotzahnspitzmäuse sind im Sommer und in Winter sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die Art lebt einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Einen Winterschlaf halten die Tiere aufgrund des hohen Grundumsatzes nicht. Die Reviere der Männchen überschneiden sich mit denen mehrerer Weibchen. Dies ist insbesondere während der Paarungszeit der Fall. Die Größe der Reviere steht in Abhängigkeit mit dem Geschlecht, der Jahreszeit und der Verfügbarkeit an Nahrung. Die Sinne, insbesondere Geruchs- und Tastsinn sowie das Gehör sind gut entwickelt. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die dem Tastsinn dienen. Der Nasenspiegel (Rhinarium) ist nackt und mit empfindlichen Sinneszellen versehen. Über den Körper verteilt liegen verschiedene Duftdrüsen, über die ein Sekret zwecks Geruchskommunikation abgegeben wird (Nowak, 1999).

Verbreitung

Tundra-Rotzahnspitzmäuse sind in weiten Teilen der nördlichen Nearktis und der nördlichen Paläarktis verbreitet. Besiedelt werden das nordöstliche Kanada, Alaska/USA, China, Mongolia und Russland. In Nord- und Südkorea ist das Vorkommen ungewiss. In Kanada werden die Provinzen Yukon Territory, die Northwest Territorien und die nördlichen Regionen von British Columbia besiedelt. Tundra-Rotzahnspitzmäuse kommen hauptsächlich in arktischen und subarktischen Lebensräumem vor. Darüber hinaus kommt die Art auch in borealen Wäldern, in Mooren, in der Tundra und Taiga, im Buschland und auf Wiesen vor. Zu den typischen Gewächsen dieser Lebensräume gehören Birken (Betula), Weiden (Salix) und Heidekrautgewächse (Ericaceae) der Gattung Ledum (Nowak, 1999; IUCN, 2011).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden der Tundra-Rotzahnspitzmäuse zählen vor allem Habichtartige (Accipitridae), Eulen (Strigiformes), Schlangen (Serpentes), Marder (Mustelidae) der Gattung Mustela sowie verwilderte Hauskatzen (Felis catus). Zu den sympatrisch lebenden Spitzmausarten gehört unter anderem Sorex ugyunak (Nowak, 1999).

Ernährung

Tundra-Rotzahnspitzmäuse ernähren sich hauptsächlich von Insekten (Insecta), deren Larven und Ringelwürmer (Annelida) wie Regenwürmer (Lumbricidae). Zu einem kleinen Teil steht auch pflanzliche Kost auf der Speisekarte. Aufgrund ihrer hohen Stoffwechselrate sind Tundra-Rotzahnspitzmäuse wie alle Spitzmäuse stets auf der Suche nach Nahrung (Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich im Wesentlichen über den Sommer und den frühen Herbst. Das Paarungsverhalten der Tundra-Rotzahnspitzmäuse kann als polygam bezeichnet werden. Nach einer Tragezeit von 21 bis 28 Tagen bringt ein Weibchen 8 bis 12 (10) Jungtiere zur Welt. In einer Saison kommt es wahrscheinlich zu mehreren Würfen. Um den Nachwuchs kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Der Nachwuchs erreicht die Geschlechtsreife im Frühjahr nach der Geburt. Die Lebenserwartung liegt bei 1 bis 1,5 Jahren (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Tundra-Rotzahnspitzmäuse gehören heute noch nicht zu den gefährdeten Spitzmäusen (Soricidae). In den meisten Regionen kommt die Art noch häufig vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Tundra-Rotzahnspitzmaus daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Über Gefährdungsursachen ist nichts bekannt (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005 ist die Tundra-Rotzahnspitzmaus unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind: S. amasari Ognev, 1922, S. amazari Ognev, 1928, S. baikalensis Ognev, 1913, S. borealis Kastchenko, 1905, S. centralis Thomas, 1911, S. irkutensis Ognev, 1933, S. jenissejensis Dudelski, 1930, S. khankae Baranova & Zaitsev, 2003, S. margarita Fetisov, 1950, S. middendorfii Ognev, 1933, S. parvicaudatus Okhotina, 1976, S. petschorae Ognev, 1922, S. schnitnikovi Ognev, 1922, S. sibiriensis Ognev, 1922, S. transrypheus Stroganov, 1956, S. ultimus G. Allen, 1914 und S. ussuriensis Okhotina, 1983. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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