Uinta-Ziesel

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Uinta-Ziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Uinta-Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus armatus
Kennicott, 1863

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Uinta-Ziesel (Spermophilus armatus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Im Englischen wird dieser Ziesel Uinta Ground Squirrel genannt. Die Art ist monotypisch, es existieren keine Unterarten.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde von Vertreter der Gattung Spermophilus stammen aus dem Oberen Pleistozän und dürften somit ein Alter von etwa 50.000 bis 100.000 Jahren aufweisen. Die Funde decken sich nicht ganz mit dem heutigen Verbreitungsgebiet, sie stammen vor allem aus dem Gebiet der Great Plains. Ziesel haben sich nach einhelliger Meinung aus Vertretern der Gattung Miospermophilus entwickelt. Fossile Funde dieser Tiere stammen aus dem Pliozän, weisen also ein Alter von vier bis fünf Millionen Jahren auf. Fossilien vom Uinta-Ziesel und dessen Ahnen wurden insbesondere in Utah, Montana, Idaho und Wyoming gefunden.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Uinta-Ziesel gehört zu den mittelgroßen Zieseln. Er erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 28 bis 30,3 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6,3 bis 8,1 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 4,2 bis 4,6 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,0 bis 1,2 Zentimeter sowie ein Gewicht von 280 bis 425 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Das Gewicht schwankt nicht nur je nach Geschlecht, sondern auch je nach Saison. Unmittelbar nach Erwachen aus dem Winterschlaf weisen die Tiere das niedrigste Gewicht auf. Dementsprechend wird das höchste Gewicht unmittelbar vor der Winterruhe erreicht. Weibchen wiegen zu diesem Zeitpunkt kaum 280 Gramm, Männchen selten über 320 Gramm. In der Fellfärbung zeigen die Geschlechter keinen Dimorphismus. Das dichte Fell weist eine überwiegend hellbraune bis graubraune Färbung auf. Lateral und ventral zeigt sich eine ähnliche, seltener auch eine hellere Färbung. Im Bereich der Schultern und des Nasenrückens zeigt das Fell eine rostbraune bis zimtbraune Färbung. Pro Saison kommt es zu zwei Fellwechseln. Es wird zwischen Sommer- und Winterfell unterschieden. Oberhalb und unterhalb der großen Augen ist ein schwach ausgebildeter weißlicher Augenring zu erkennen. Die Ohren sind gerundet, von stehender Form und sitzen auf Höhe der Augen weit hinten am Kopf. Die Außen- wie die Innenseiten der Ohren sind spärlich mit Fell versehen. Der kurze Schwanz ist mit Fell besetzt. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die Extremitäten sind gut entwickelt. Mit den Vorderfüßen kann der Uinta-Ziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Im Analbereich verfügen die Tiere über Drüsen mit drei Austrittsöffnungen, die zum Markieren und der chemischen Kommunikation untereinander dienen. Dies ist im übrigen bei allen Vertretern des Spermophilus-Komplexes der Fall. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3. Das Weibchen verfügt zum Säugen ihres Nachwuchses über zehn Zitzen.

Lebensweise

Uinta-Ziesel leben je nach Geschlecht sowohl einzelgängerisch als auch gesellig. Vor allem die Weibchen kann man oftmals in Gruppen beobachten. Diese Gruppen bestehen aus der Mutter und ihrem Nachwuchs. In der Regel handelt es sich dabei um reine Familiengruppen. Männchen sind meist einzelgängerisch anzutreffen. Sie stoßen meist nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Uinta-Ziesel sind tagaktiv, haben ihre aktivste Zeit jedoch in den frühen Morgen und späten Nachmittagsstunden. Einen Großteil der aktiven Zeit (ca. 53 Prozent) wenden Uinta-Ziesel für die Nahrungssuche und -aufnahme auf. Die Nahrungssuche beginnt in der Regel ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang. Während der kalten Jahreszeit halten Uinta-Ziesel eine Winterruhe, die sich in den südlichen Verbreitungsgebieten von September bis in den März oder April erstreckt. Während dieser Zeit leben Uinta-Ziesel von ihren Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen haben. Männchen erwachen aus der Winterruhe etwa ein bis zwei Wochen vor den Weibchen. Die aktive Zeit umfasst nur rund vier Monate. Unmittelbar nach Erwachen aus der Winterruhe nehmen die Männchen ein Revier in Beschlag und markieren dieses mit einem Sekret aus den analen Drüsen. Markiert werden sowohl Äste als auch Steine. In der Regel decken sich diese Reviere mit den Revieren mehrerer Weibchen. Ältere Männchen haben ihre Reviere im Kernbereich einer Kolonie, jüngere Männchen entsprechend eher an den Rändern einer Kolonie. Ein Männchen paart sich mit allen Weibchen in seinem Revier. Nicht selten kommt es während der Paarungszeit unter den Männchen zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Kolonie.

Als Ruheplätze dienen die Nester in den Bauten der Tiere. Die Erdbauten sind durchaus komplexe Bauten mit mehreren Ein- und Ausgängen, deren Gänge eine Gesamtlänge von 5 bis 15 Metern aufweisen können. Die Gänge haben zumeist einen Durchmesser von gut acht bis zehn Zentimeter. Die Wohnkammern liegen in der Regel in Tiefen von unterhalb 100 Zentimetern. Ein Bau verfügt über mehrere Ein- und Ausgänge. Kurz nach Beendigung der Winterruhe stecken die Männchen ein Revier ab und warten auf die ersten Weibchen. Die Weibchen erwachen meist ein bis zwei Wochen nach den Männchen. Ein Revier kann durchaus einige Tausend Quadratmeter groß sein. Die Reviere erstrecken sich über die Bauten mehrerer Weibchen. Dieses können gut und gerne fünf oder auch mehr Weibchen sein. Unmittelbar nach der Paarung verscheucht ein Weibchen das Männchen und legt ab diesem Zeitpunkt ein territoriales Verhalten an den Tag. Ab August, spätestens Anfang September begeben sich die Männchen in ihre Nester zur Winterruhe, spätestens Anfang bis Mitte September folgen die Weibchen und die Jungtiere.

Verbreitung

Der Uinta-Ziesel ist in einem relativ kleinem Verbreitungsgebiet anzutreffen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das südwestliche Montana, das östliche Idaho, das westliche Wyoimung sowie das nördliche und zentrale Utah. Sie sind sowohl in der offenen Prärie in der Ebene als auch in Mittelgebirgslagen der Rocky Mountains und deren Ausläufer beheimatet. In Höhenlagen kann man die Tiere bis in Höhen von gut 2.438 Metern über NN. antreffen. Grasland mit kurzem Gras bieten ihnen ideale Lebensbedingungen. Wälder werden strikt gemieden. An die Erdoberfläche kommen Uinta-Ziesel nur während der Nahrungssuche, ansonsten halten sich die Tiere überwiegend in ihren schützenden Erdbauten auf.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Uinta-Ziesel gehören vor allem räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Kojoten (Canis latrans), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Silberdachse (Taxidea taxus), Hermeline (Mustela erminea) und Amerikanische Nerze (Mustela vison). Aber auch einige Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) wie der Habicht (Accipiter gentilis), der Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), der Eckschwanzsperber (Accipiter striatus), der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) stellen den Tieren nach. Vor allem Jungtiere fallen den zahlreichen Fleischfressern zum Opfer. Trotz der hohen Mortalität scheint der Schwund durch Prädatoren keinen negativen Einfluss auf die Bestände zu haben. Nicht minder gefährlich sind die kleinen Plagegeister wie Fleischfliegen (Sarcophagidae), insbesondere Sarcophaga citellivora, die ihre Eier in das Fell der Ziesel legen. Auch Zecken (Ixodida) wie Dermacentor andersoni sind im Fell oft vertreten. Weiter Plagegeister stellen auch Milben (Acari) und Tierläuse (Phthiraptera) dar. Etwa ein Drittel der Gesamtpopulation sind zudem mit Würmern wie Citellinema bifurcatus und anderen Bandwürmer (Cestoda) befallen.

Ernährung

Uinta-Ziesel sind keine reinen Pflanzenfresser, zu einem kleinen Teil fressen sie auch Insekten (Insecta), deren Larven und kleine Wirbeltiere sowie die Eier von Vögeln. Bei Gelegenheit wird auch Aas nicht verschmäht. Hauptbestandteil der Nahrung ist je nach Jahreszeit mit rund 40 bis 62 Prozent jedoch pflanzliche Kost. Dazu gehören fettreiche Sämereien, Nüsse, Körner aller Art, Wurzeln und Knollen sowie Gräser und Kräuter. Uinta-Ziesel legen in ihren Erdbauten einen Vorrat an Nahrung in Form von fettreichen Sämereien an, der jedoch erst nach Erwachen aus der Winterruhe gefressen wird. Auf Trinkwasser sind die Tiere nicht angewiesen, ihren Wasserbedarf stillen sie ausschließlich über die Nahrung.

Fortpflanzung

Uinta-Ziesel erreichen die Geschlechtsreife im Alter von knapp einem Jahr. Die Geschlechtsreife stellt sich also mit Beendigung der ersten Überwinterung ein. Weibchen sind etwa für vier bis fünf Tage nach Beendigung der Winterruhe empfängnisbereit. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten von Ende April bis Mitte oder Ende Mai. Während einer Saison kommt es in allen Verbreitungsgebieten nur zu einem Wurf. Die Geschlechter leben in einer polygamen Beziehung. Die Reviere der Männchen überlappen sich innerhalb einer Kolonien mit denen mehrerer Weibchen. Demnach paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen. Kurz nach der Paarung werden die Männchen von den Weibchen aus den eigenen Reviere verscheucht und an den Rand der Kolonie gedrängt. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen nichts zu tun. Der Nachwuchs kommt nach einer Tragezeit von 24 bis 26 Tagen im Nest der Mutter zur Welt. Die Nester befinden sich tief unten in der Erde. Es werden zumeist zwischen vier bis sechs Jungtiere geboren. Bei Weibchen, die zum ersten Mal Nachwuchs zur Welt bringen, liegt ein Wurf meist nur bei vier Jungtieren. Die Jungtiere wachsen schnell heran. Bei der Geburt sind die Jungtiere nackt, blind und taub. Das erste Fell stellt sich ab dem vierten bis sechsten Lebenstag ein, die Ohren öffnen sich ab dem 20. Tag, die Augen öffnen sich ab dem 24. Tag. Im Alter von gut vier Wochen hat sich das Fell vollständig entwickelt. Die Säugezeit erstreckt sich über vier bis sechs Wochen. Die Jungtiere verlassen den Erdbau erstmals nach etwa 36 Tagen. Die Lebenserwartung liegt bei fünf bis sechs, selten auch bei sechs Jahren. Weibchen erreichen in aller Regel ein höheres Alter als Männchen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Uinta-Ziesel ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, jedoch sind die Tiere nur selten zu beobachten, da sie in unzugänglichen Regionen beheimatet sind und sich dort zumeist in ihren Erdbauten aufhalten. Den Farmern sind die Tiere ein Dorn im Auge, da sich Rinder und Schafe in den Erdlöchern gelegentlich die Beine brechen. Aber auch der Verbrauch an Sämereien und Getreide kann den Farmern schaden. Daher gehen immer mehr Farmer dazu über, Giftköder auszulegen, an denen die Uinta-Ziesel jämmerlich eingehen. Im Grunde genommen gehört der Uinta-Ziesel zu den Nützlingen, da er die Populationen an Schadinsekten reguliert und auch als Samenverbreiter fungiert. Die verlassenen Erdbauten dienen anderen Tieren zudem als Unterschlupf. Als nachteilig erweist sich die Tatsache, dass Uinta-Ziesel Träger von Flöhen sind, die auch für den Menschen gefährliche Krankheiten übertragen können. Die Tiere gelten auch als Träger von gefürchteten Krankheiten, insbesondere der Tularämie, einer Krankheit, die durch den Erreger Francisella tularensis ausgelöst wird. Dies trifft im übrigen auch auf viele andere Ziesel zu. In den meisten Verbreitungsgebieten sind Uinta-Ziesel nicht gefährdet. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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