Würfelnatter

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Würfelnatter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Natricinae
Gattung: Echte Nattern (Natrix)
Art: Würfelnatter
Wissenschaftlicher Name
Natrix tesselata
Laurenti, 1768

Verbreitungsgebiet
Verbreitungsgebiet

Die Würfelnatter (Natrix tesselata) ist eine Schlange aus der Familie der Nattern (Colubridae) und der Gattung der Echten Nattern (Natrix). Im Englischen wird sie Dice Snake oder Checkered Water Snake und im Französischen Couleuvre tessellée genannt. Erstmals beschrieben wurde sie im Jahre 1768 von Josephus Nicolaus Laurenti.

Die Würfelnatter wurde am 6. November 2008 von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) in Kooperation mit dem NABU zum Reptil des Jahres 2009 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Würfelnatter ist eine lange und schlanke Schlange, welche leicht mit der Barrenringelnatter (Natrix natrix helvetica) und eventuell auch mit der Schlingnatter (Coronella austrica) verwechselt werden kann. Ihr schmaler, langgestreckter und kantig wirkender Kopf setzt sich nur wenig vom Rest des Körpers ab, die Pupillen der bräunlichen Augen sind schwarz und rund. Die Nasenlöcher und die Augen sind, wie für die meisten wasserbewohnenden Schlangen typisch, schräg nach oben gerichtet. Ihre Körperschuppen sind stark gekielt, um die Körpermitte liegen 19, selten bis 21 Rückenschuppenreihen. Die Würfelnatter besitzt zumeist 7, maximal 8 bis 9, Oberlippenschilder (Supralabialia). Davon stoßen nur das vierte oder das vierte und fünfte Schild an den Augenunterrand. Es kommen bei ihr in der Regel 2 Voraugenschilder (Praeocularia) und 3 Hinteraugenschilder (Postucularia) vor.

Die Grundfarbe der Würfelnatter variiert zwischen blaugrau, graugrün, gelboliv und rotbraun. Auf ihrem Rücken zeichnen sich dunkle Würfelflecken ab, welche in Längsreihen oder zu angedeuteten Querbändern angeordnet sein können. An den Flanken sind oft dunkle, gelbliche Flecken zu sehen. Im Nacken erkennt man einen Fleck, welcher einem "V" ähnelt. Der Bauch ist heller und weißlich-grau, gelblich oder rötlich und mit dunklem Flecken- oder Streifenmuster versehen. Die durchschnittliche Länge der Natter beträgt um 70 Zentimeter, ausgewachsene Weibchen können jedoch bis zu 150 Zentimeter erreichen, was jedoch die absolute Ausnahme ist.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die am Tage aktive Würfelnatter ist eine "echte Wassernatter". Sie kann exzellent schwimmen und sogar bis mehrere Stunden lang tauchen, manchmal liegt sie eingerollt auf dem Grund eines Gewässers. Die Natter sonnt sich gerne auf über das Wasser ragenden Ästen. Bei Bedrohung sucht sie ihr Heil in der Flucht und zieht sich lautlos ins Wasser zurück. In die Enge getrieben oder beim Ergreifen sondert sie zur Verteidugung eine übelriechende Flüssigkeit aus der Kloake ab, beißt aber nur selten zu.

Nach der von Oktober bis März oder April gehaltenden Winterruhe kommen die Nattern in Paarungsstimmung. Die Weibchen locken die Männchen mittels Pheromone, also Sexuallockstoffen, an. Hat sich ein Paar gefunden, findet die Paarung statt, indem das Männchen den ausgestülpten Hemipenis in die Kloake des Weibchens einführt und dort ein Samenpaket absetzt. Die Spermien befruchten dann die Eier. Das Weibchen legt einige Zeit später zwischen April und Mai 6 bis 25 Eier in ein feuchtes Versteck, welches etwas weiter vom Wasser entfehrnt ist, ab. Zwischen August und September schlüpfen dann die Jungschlangen, welche dann noch 15 bis 24 Zentimeter messen und in der Färbung schon sehr den adulten Tieren ähneln.
Lebensraum
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Lebensraum

Verbreitung und Lebensraum

Speziell in Deutschland ist die Würfelnatter vor allem am Mittelrhein mit seinen Zuflüssen, an der Donau bei Passau und an der Elbe bei Meißen verbreitet, teilweise aber auch an der Mosel, Nahe und Ahr. Allgemein bilden die in Mitteleuropa verbreiteten Individuen eine, leider erlöschende, Randpopulation. Nach Angaben des DGHT kann die Würfelnatter heute nur noch in Rheinland-Pfalz und in Sachsen an einigen Flüssen in Flachwasserzonen beobachtet werden. Auserhalb Mitteleuropas kommt sie in Italien (mit Ausnahme Süditalien und Sizilien), in den Alpenländern, im südlichen Polen, in den Balkanländern und Griechenland, auf Kreta, in der Türkei, in Nordwest-Syrien und in Südrussland vor. In Asien findet sie ihr Vorkommen in Nordwest-Indien sowie in Westchina vor.

Die Würfelnatter ist die wohl am engsten an das Wasser gebundene Schlange der heimischen Fauna, weshalb sie im Volksmund auch See- oder schlicht Wasserschlange genannt wird. Sie lebt bevorzugt an warmen Orten mit unmittelbarer Gewässernähe. Vor allem dicht bewachsene Uferbereiche von Fließgewässern mit leichter bis mäßig starker Strömung, von Seen und auch von Tümpeln werden als Lebensraum gewählt. Oftmals finden sich in der Nähe dieser Gewässer eine größere Wiese und leichte Vegetation mit Weiden und kleinen Büschen. Den Kontakt zum Menschen versuchen sie jedoch zu meiden, auch wenn sie sich des öfteren in der Nähe kleiner Dörfer oder Siedlungen aufhalten. Am Schwarzen Meer werden sie hin und wieder auch im Salzwasser gesichtet.

Ernährung

Beute: Teichfrosch

Die Würfelnatter ernährt sich vorwiegend von kleinen Fischen (Actinopterygii), Fröschen (Anura), Schwanzlurchen (Caudata) und Kaulquappen. Für den Erwerb der Beute legt sie sich häufig auf die Wasseroberfläche und lauert dort auf Fische, die von unten kommen oder legt sich am Rand des Jagdgewässers auf die Lauer nach Amphibien (Amphibia) und Kaulquappen, welche sich für gewöhnlich in Ufernähe aufhalten. Die Beute wird dann schnell mit dem Maul gepackt, mit den Zähnen festgehalten und dann zumeist noch lebend verschlungen.

Gefährdung und Schutz

Neben den natürlichen Feinden, zu denen vor allem Greifvögel (Falconiformes) wie der Mäusebussard (Buteo buteo), Katzen (Felidae) sowie Marder (Mustelidae) zählen, sind die Würfelnattern besonders vor dem Menschen bedroht. In Deutschland sind sie streng geschützt und vom Aussterben bedroht. Gefährdet werden sie hierzulande durch Straßen und Gewässerverschmutzung. Chemikalien und andere Schadstoffe reichern sich in den Nahrungsketten an und die Tiere, die weiter oben in einer Nahrungskette stehen, bekommen die meisten Schadstoffe ab. Zum Schutz kann man einfach seinen eigenen Beitrag leisten, indem man die Tiere vor allem an ihrem Standort belässt (das Entnehmen der Tiere aus ihrem Habitat ist ohnehin verboten und strafbar), Gebiete mit vorhandenem Bestand von Würfelnattern in ihrem Zustand belässt und sie nicht verschmutzt und dort, wo noch sichere Bestände vorhanden sind, Schutzgebiete mit speziellen "Schlangenzäunen" an den Straßenrändern aufstellt und Straßenunterführungen errichtet. In den südlichen Ländern des Verbreitungsgebietes kommt die Art häufig vor und ist weniger bedroht.

Synonyme

Die Würfelnatter ist unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind Coluber idrus (Pallas, 1771), Coluber penttatus (Menetrics, 1832), Coronella tessellata (Laurenti, 1768:87), Natrix dunni (Malnate, 1968), Natrix tessellata (Laurenti, 1768), Sinonatrix dunni (Malnate, 1968), Tropidonotus hydrus (Dumeril & Bibron, 1854:564) und Tropidonotus tessellatus (Boulenger, 1893: 233). Alle genannten Synonyme sind ungültig. <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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