Waldohreule

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Waldohreule

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Ohreulen (Asio)
Art: Waldohreule
Wissenschaftlicher Name
Asio otus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Waldohreule (Asio otus) zählt innerhalb der Familie der Eigentliche Eulen (Strigidae) zur Gattung der Ohreulen (Asio). Die nächste Verwandte der Waldohreule ist die Sumpfohreule (Asio flammeus). Die Äthiopien-Waldohreule (Asio abyssinicus) wurde ursprünglich als Unterart der Waldohreule geführt und lief unter dem Namen Asio otus abyssinicus. Heute sind nur noch vier Unterarten anerkannt. Mehr zum Thema im Kapitel Unterarten.

Die Waldohreule weist eine große Ähnlichkeit in Größe und Aussehen mit der Sumpfohreule (Asio flammeus), mit dem Uhu (Bubo bubo) und mit dem Waldkauz (Strix aluco) auf. Allerdings sind doch einige Unterscheidungsmerkmale bei den genannten drei Arten vorhanden. So sind unter anderem bei der Sumpfohreule (Asio flammeus) die Augen gelb und die Flügel am Hinterrand weißlich gezeichnet. Der Flug der Sumpfohreule (Asio flammeus) dagegen ähnelt sehr der Waldohreule. Der Uhu (Bubo bubo) ist im Verhältnis zur Waldohreule wesentlich größer. Ein markantes Unterscheidungskriterium bei dem Waldkauz (Strix aluco) sind die schwarzen Augen. Des weiteren wirkt der Körper des Waldkauzes (Strix aluco) runder und dunkler als bei der Waldohreule.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Waldohreule erreicht eine Körperlänge von gut 36 Zentimeter, eine Flügelspannweite von etwa 95 Zentimeter sowie ein Gewicht von 220 bis 400 Gramm. Das Gewicht schwankt je nach Geschlecht und Jahreszeit zum Teil deutlich. Männchen bleiben grundsätzlich ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Weibchen weisen im Jahresverlauf während der Brutzeit das höchste Gewicht auf. Während der kalten Jahreszeit ist das Gewicht in der Regel am niedrigsten, da es an Nahrung mangelt. Das markanteste äußerliche Merkmal der Waldohreulen sind zweifelsohne die Federohren, die vor allem bei Erregung aufgerichtet werden. Im Ruhezustand liegen die Federohren zumeist ein und sind kaum zu erkennen. Das Gefieder ist auf der Oberseite gelblichbraun gefärbt, das mit einer dunklen Marmorierung durchzogen ist. Die Bauchseite weist eine helle gelblichbraune bis hellbraune Färbung mit meist rostrotem Touch auf. Weibchen sind auf der Bauchseite ein wenig dunkler gefärbt. Das Gesicht ist durch einen weißlichen bis gelblichweißen Gesichtsschleier umrandet und weist beiderseits eine dunkle Säumung auf. Zwischen den Augen zeigt sich im Stirnbereich ein V-förmiger Gefiederbereich auf. Der stark gekrümmte Schnabel weist eine schwarze Färbung auf. Die Iris der Augen ist auffällig orange gefärbt, die Pupille weist eine dunkle Färbung auf.

Verhalten

Aktivität und Ruhephasen

Waldohreulen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Am Tage ruhen sie an geschützten Stellen. Nur bei der Feindabwehr, seltener auch der Beuteerwerb, können auch bei Tage erfolgen. Dies ist allerdings nicht die Regel. Die Hauptaktivität beginnt etwa eine Halbe Stunde nach beginnender Dämmerung. Für die Jagd wenden Waldohreulen zwischen fünf und sechs Stunden pro Tag auf und teilt sich zu gleichen Teilen auf die frühen Morgen- und Abendstunden auf. Zeitlich davon abgewichen wird in der Regel nur bei schwerem Regen.

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Während der Ruhephase halten sich Waldohreulen zumeist in dichter Vegetation von Bäumen auf. Hier sind sie vor allem vor Fleischfressern in Sicherheit. Allenfalls in den Winterquartieren halten sich die Tiere auch an offenen Plätzen auf. Hier halten sich Waldohreulen zumeist in größeren Gruppen von meist einigen Dutzend Vögeln auf. Diese Plätze werden in der Regel über Jahre genutzt und immer wieder aufgesucht. Während der Ruhe sind die Federohren nur halb aufgerichtet und die Waldohreule wirkt mit ihrem aufgeschütteltem Gefieder entspannt. Der Kopf wirkt insgesamt leicht eingezogen. Während der Brutzeit hält sich ein Männchen grundsätzlich auch während der Ruhephase in der Nähe des Horstes auf, während das Weibchen die Eier wärmt. Die Weibchen liegen dabei tief im Nest, so dass meist nur der Schwanz und die Federohren zu sehen sind. Im kalten Winter nutzt die Waldohreule jeden Sonnenstrahl, um sich ein wenig aufzuwärmen. Ansonsten suchen die Vögel an kalten Tagen windgeschützte Orte auf. Der allgemeinen Körper- und Gefiederpflege wird durch Regen- und Staubbädern Rechnung getragen.

Flugeigenschaften

Die Waldohreule gilt als eine sehr gute und kräftige Fliegerin. Ihr Flug wirkt dabei leicht und geradezu grazil. Die Flugbahn ist geradlinig. Dieses wird vor allem durch eine hohe Manövrierfähigkeit erreicht, die auch in Baumkronen an den Tag gelegt wird. Besonders eindrucksvoll ist der Demonstrationsflug des Männchen während der Balz. Der Demonstrationsflug ist vor allem durch ein niedriges Tempo und langsamen Flügelschlägen geprägt. Dieser Flug wird in weiten, später enger werdenden Kreisen rund um den Horst vollzogen und soll die Aufmerksamkeit eines Weibchens erregen. Der für die Jagd typische Pirschflug wechselt meist mit dem Ruderflug ab. Zentrale Teile dieses Jagdfluges sind kurze Gleitflüge, die in Beutenähe auch in ein Rütteln übergehen können. Am Boden oder im Geäst der Bäume bewegt sie sich trippelnd und leicht hüpfend voran. Ungelenk wirkt die Bewegung dabei keineswegs. Beim Klettern in Bäumen und Sträuchern werden auch Klauen und Zehen sowie teilweise auch die Flügel eingesetzt. Ähnlich bewegen sich flugunfähige Jungvögel in den Bäumen fort.

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Sozial- und Feindverhalten

Waldohreulen leben außerhalb der Paarungszeit überwiegend einzelgängerisch. Nur im Winter, vor allem beim Zug oder beim Beuteerwerb, kann es zur Gruppenbildung kommen – nicht selten auch in Vergesellschaftung mit Sumpfohreulen oder auch anderen Eulenarten. Während der Paarungszeit leben Waldohreulen territorial in einer monogamen Einehe. Das eigene Revier, das eine Größe von 2 bis 20 Quadratkilometer aufweisen kann, wird den Gesang und im Flug mit Flügelklatschen markiert, Eindringlinge werden unbarmherzig verjagt. Selbst in einer Paarbeziehung gehen sich die Geschlechter mehr oder weniger aus dem Weg. Die Ruhephasen werden grundsätzlich getrennt voneinander abgehalten und auch sonst ist gemeinsames Kuscheln keineswegs angesagt. Im Winter bilden sich sogenannte Schlafgemeinschaften. Der Weg zu einem ruhigen Leben besteht bei den Waldohreulen in erster Linie in der Feindvermeidung. Die zurückgezogene Lebensweise in Verbindung mit dem Tarngefieder bilden dazu die Grundlage. Im Einstand (Ort der Ruhephase) ist eine Wandohreule sowohl am Tage als auch in der Nacht kaum auszumachen und bleibt praktisch unsichtbar. Brütende Weibchen in der Nistmulde ducken sich extrem und sind ebenfalls kaum zu sehen. Erst bei Erschütterungen der Nistmulde fliegen Weibchen hastig davon. Fühlt sich eine Waldohreule in die Enge gedrängt und kann nicht fliehen, so kommt es zur typischen Drohhaltung, bei der die ausgebreiteten Flügel in rundlicher Form fast senkrecht aufgestellt werden. So wirkt die Waldohreule besonders groß und bedrohlich. Die weit aufgerissenen, orangegefärbten Augen und die fauchenden Laute unterstützen diesen Eindruck noch. In unmittelbarer Nähe zum Horst kommt es bei Bedrohung zu bellenden Lauten. Nestlinge ducken sich bei Gefahr instinktiv ins Nest und sind so für einen Fleischfresser kaum auszumachen. Juvenile Nestlinge zeigen bereits fauchende Drohanzeigen.

Stimme

Die Stimme der Waldohreulen ist eher leise und klingt ausgesprochen dunkel und hohl, jedoch keineswegs unangenehm oder gar störend. Die Lautäußerungen variieren bei den Geschlechtern kaum. Neben dem Flügelklatschen dienen der Reviermarkierung insbesondere Ketten von dunklen "huh-huh-huh". Beim Alarm- oder Drohruf kommen ein hundeartiges "uäk- uäk" oder ein katzenartiges "kjiiau" zum tragen. Die Balzlaute am Nest klingen wie ein "bwuh-bwuh". Während der Kopulation oder auch bei der Nahrungsübergabe ist ein "bu-bu-bu" zu hören. Nicht selten ist dieser Gesang im Duett zu hören.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Asio otus otus Linnaeus, 1758 LC westliches und südöstliches Europa, Vorderer Orient bis Südostasien
Asio otus canariensis Madarasz, 1901 LC Kanarische Inseln, Spanien
Asio otus wilsonianus Lesson, 1830 LC Nordamerika
Asio otus tuftsi Godfrey, 1948 LC Mexiko, Mittelamerika

Verbreitung

Vorkommen

Die Waldohreule weist von allen Ohreulen das größte Verbreitungsgebiet auf. Sie ist sowohl in Europa und Asien als auch in Nordamerika sowie im Nordwesten Akrifas beheimatet. Die Bestände sind weitestgehend stabil, obgleich es natürlich zu Bestandsschwankungen kommen kann, da sich die Bestände der Waldohreule stark nach den Populationen der Wühlmäuse richten. Europa wird fast flächendeckend besiedelt. Lediglich auf Sardinien, im Südwesten von Großbritannien, im südlichen Italien, im nördlichen Skandinavien und in Teilen des Balkan, insbesondere in Montenegro und Albanien, ist die Waldohreule selten anzutreffen oder fehlt völlig. Die Waldohreule ist sowohl in gemäßigten Regionen als auch bis an den Rand der borealen Zone anzutreffen. So verwundert es nicht, dass die Vögel auch den südlichen Rand der Taiga in Nordeuropa und den nördlichen Asien besiedeln.

Lebensraum

Offene Landschaften werden von der Waldohreule eindeutig bevorzugt. Hier gehen sie auch auf die Jagd nach kleinen Nagetieren. Heidelandschaften mit niedrigem Pflanzenbewuchs, die offene Taiga und Tundra, Niedermoore, Sumpfgebiete, Savannen und Halbwüsten, landwirtschaftliche Flächen und teilweise auch lichte Wälder gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Auch entlang von Flussläufen fühlt sich die Waldohreule durchaus heimisch. In lichten Wäldern wird allerdings nur selten gejagt.
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In den Ruhephasen ziehen sich die Vögel an Waldränder zurück, wo sie in dichten Bäumen Schutz suchen. Meist handelt es sich um Nadelbäume, seltener auch um Laubbäume. In den Bäumen werden ausgediente Nester größerer Vögel genutzt. Die Brutgebiete liegen in der Regel in Feldgehölzen, an Waldrändern oder kleineren Baumgruppen. Die Habitate liegen meist in der Ebene, nur bei ausreichend vorhandener Nahrung ist die Waldohreule auch in Mittelgebirgslagen anzutreffen. In diesen Fällen kann man die Waldohreule bis in Höhen von gut 1.500 Metern, in Nordamerika sogar bis in Höhen von über 2.000 Metern beobachten. In der Nähe menschlicher Siedlungsräume brütet die Waldohreule eher selten. In den Winterquartieren kann man die Vögel jedoch häufiger in der Nähe des Menschen beobachten. Im Winter wagen sich die Waldohreulen sogar bis in Dörfer und Städte vor, wo sie sich regelmäßig in größeren Parkanlagen versammeln.

Bestandsdichte

Die Bestandsdichte der Waldohreule richtet sich nach dem jeweiligen Verbreitungsgebiet und dem Lebensraum. Aber auch die Dichte an Kleinsäugern wie Mäuse ist ein entscheidendes Kriterium. Letzteres ist vor allem ein Grund für jährliche Bestandsschwankungen in ein und derselben Region. In Europa weisen beispielsweise Ungarn, die Slowakei und die Niederlande die höchsten Bestandsdichten an Brutpaaren auf. In Deutschland, Österreich und der Schweiz leben bezogen auf die Fläche die wenigsten Brutpaare. Insgesamt wird der Gesamtbestand in Europa auf rund 200.000 Brutpaare geschätzt.

Wanderverhalten

Jungeulen ziehen je nach Verbreitungsgebiet kurz nach Erreichen der Selbständigkeit zum Teil mehrere Hundert Kilometer weit weg. Als Richtung wird meist die südöstliche oder südwestliche eingeschlagen. Die entferntesten Funde belegen einen Zug von über 2.000 Kilometer. Dies ist freilich nur selten der Fall. Im Normalfall beträgt eine Wanderung nur wenige Hundert Kilometer. Die Waldohreule ist in der Regel ein Standvogel. Witterungsbedingte Züge kommen nur selten vor. Zu nahrungsbedingten Wanderungen kann es aber jederzeit kommen. Waldohreulen gelten als ausgesprochen ortstreu und zeichnen sich auch durch eine hohe Brutplatztreue aus.

Prädatoren

Prädator: Amerikanerkrähe(Corvus brachyrhynchos)
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Prädator: Amerikanerkrähe
(Corvus brachyrhynchos)

In Europa haben Waldohreulen nur wenige Feind. Dazu gehören allenfalls Europäische Luchse (Lynx lynx) oder auch größere Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes). Elstern (Pica pica) sowie Raben und Krähen (Corvus) haben es insbesondere auf Eier, Küken oder Jungvögel abgesehen. In Nordamerika gehören vor allem Habichte (Accipiter gentilis), Streifenkauze (Strix varia), Steinadler (Aquila chrysaetos), Uhus (Bubo bubo), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Rotschulterbussarde (Buteo lineatus) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) zu den natürlichen Fleischfressern, die entweder den Eulen oder deren Nachwuchs nachstellen. Kleinere Vögel wie die Amerikanerkrähe (Corvus brachyrhynchos) oder die Elster (Pica pica) haben es vor allem auf die Eier oder Küken abgesehen. Hin und wieder räumen auch Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor) das eine oder andere Gelege leer.

Nahrung

Beutetiere

Waldohreulen erjagen hauptsächlich kleine Nagetiere. Dabei entfällt in Europa die große Masse der Beutetiere auf die Feldmaus (Microtus arvalis). In kleineren Mengen wird auch die Waldmaus (Apodemus sylvaticus) erbeutet. Je nach Verbreitungsgebiet und Bestandsdichte kann aber auch die Erdmaus (Microtus agrestis) oder die Waldspitzmaus (Sorex araneus) einen Hauptteil der Nahrung ausmachen. In Ermangelung von kleinen Nagetieren werden zwischendurch auch kleinere Vögel verspeist. Dazu gehören zumeist Sperlinge (Passeridae) oder Zeisige (Carduelis) wie der Grünling (Carduelis chloris), der Bluthänfling (Carduelis cannabina) oder auch der Erlenzeisig (Carduelis spinus). Sehr selten werden auch größere Insekten (Insecta) wie Schmetterlinge (Lepidoptera) oder Käfer (Coleoptera) erbeutet.

In Nordamerika stehen auch Weißfußmäuse (Peromyscus), Taschenratten (Geomyidae), Riesen-Kängururatte (Dipodomys ingens), Gebirgs-Taschenratten (Thomomys) wie die Gebirgs-Taschenratte (Thomomys bottae), Kleinohrspitzmäuse (Cryptotis), Waldspitzmäuse (Sorex) wie die Waldspitzmaus (Sorex araneus) auf dem Speiseplan. Größere Beutetiere wie Sumpfkaninchen (Sylvilagus aquaticus) oder Marschkaninchen (Sylvilagus palustris)stellen für die Waldohreulen hier ebenfalls kein Problem dar. Sobald eine Waldohreule gesättigt ist, hört sie keineswegs auf zu jagen, sie legt für schlechte Zeiten einen Nahrungsvorrat an. Dies gilt vor allem während der Brutzeit.

Jagdverhalten

Waldohreulen sind in Bezug auf ihr Jagdverhalten hoch spezialisiert, das sich vor allem kleinen Nagetieren angepasst hat. Im Allgemeinen sind Waldohreulen an eine gute Erreichbarkeit dieser Beutetiere angewiesen. Ein Sinken der Bestandsmenge an Nagetiere hat unweigerlich auch einen Bestandsrückgang bei den Waldohreulen zur Folge. In der Dämmerung und in der Nacht orientieren sich die Vögel bei der Jagd über ihren Seh- und Hörsinn. Eine typische Jagd erfolgt in einem relativ hohem Suchflug, der in großen Schleifen vorgetragen wird. Der Suchflug besteht aus Gleitpassagen und einem Ruderflug, der kurz vor Erreichen eines Beutetieres in ein Rütteln übergeht. In mehr oder weniger stark bewaldeten Regionen kann eine Jagd durchaus auch von einer Ansitzwarte aus starten. Beutetiere werden mit den kräftigen Fängen gepackt und getötet. Kleinere Beutetiere werden im Ganzen verschlungen, größere werden mit dem Schnabel in mundgerechte Brocken zerteilt. Unverdauliche Reste werden als Gewölle wieder ausgespien. Ein Gewölle weist eine Länge von 45 bis 60 Millimeter und ein Breite von 20 bis 25 Millimeter auf. Das Gewölle weist eine walzenartige Form auf.

Fortpflanzung

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Waldohreulen erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Die Anfänge der Paarungszeit liegen bereits im späten Herbst oder im frühen Winter. Zu diesem Zeitpunkt suchen die Männchen in ihren Revieren nach brauchbaren Nestern von Krähen oder anderen größeren Vögeln. Ein solches Nest dient dann im zeitigen Frühjahr als zentraler Balzplatz. Für die Balz hält ein Männchen in seinem Revier meist mehrere Nester auf Vorrat, denn am Ende entscheidet das Weibchen, in welchem Nest gebrütet wird. Neben Nestern hoch oben in Bäumen kann es in seltenen Fällen auch zu Bodenbruten kommen. Die Waldohreule ist in dieser Richtung recht flexibel. Bodennester haben natürlich den Nachteil, das sich die eh schon zahlreichen Fleischfressern noch einmal erhöhen. Bodennester werden vor allem gerne von Wildschweinen (Sus scrofa) geplündert.

Balz und Paarbildung

Waldohreulen führen fast ausschließlich eine monogame Ehe. In der Literatur wird gelegentlich von einer polygamen Lebensweise berichtet. Dies trifft, falls zutreffend, jedoch nur in ganz seltenen Fällen zu. Die Regel sind eindeutig monogame Einehen. Macht ja auch Sinn, denn der Nachwuchs kann meist nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung durchgebracht werden. Zu Beginn der Balz trägt ein Männchen seinen Gesang von einer exponierten Ansitzwarte aus vor. Zur Balz gehören auch Balzflüge, die in größerer Höhe in engen und weiteren Bahnen um das eigene Revier vorgetragen werden. In der Nähe des Horstes gehen die Balzflüge auch mit Flügelklatschen einher. Zeigt ein Weibchen Interesse, so führt das Männchen seine Nester als mögliche Brutplätze vor.
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Um dem Weibchen die Entscheidung zu erleichtern, kommt es seitens des Männchen auch zu einer Übergabe von Beutetieren in Form von zumeist kleinen Nagetieren. Ist das Weibchen paarungsbereit, so fliegt sie in die Nähe des Männchens, duckt sich leicht und spreizt ihre Flügel leicht. Ihre Schwanz hält sie dabei auffordernd in der Horizontalen. Dies ist das Zeichen für das Männchen und er hüpft auf das Weibchen. Die Balz endet in der Kopulation.

Gelege und Brut

Nach der Kopulation geht es seitens des Weibchens an der Auswahl eines geeigneten Nestes. Das ausgesuchte Nest wird aufgefrischt und für die Eiablage vorbereitet. Viel wird an dem Nest allerdings nicht verändert. Das Weibchen zerrt meist nur an einigen Ästen um zu prüfen, ob die Stabilität gegeben ist. Zur Eiablage kommt es in den gemäßigten Regionen meist ab Ende März oder im Laufe der ersten Aprilhälfte. Das Weibchen legt zwischen vier und sechs Eier, die sie im Abstand von gut zwei Tagen ablegt. Ein Ei weist eine Größe von durchschnittlich 40,2 mal 32,4 Millimeter auf. Die Eier werden ausschließlich vom Weibchen gewärmt. Durchschnittlich erstreckt sich das Wärmen der Eier über einen Zeitraum von etwa 27 bis 28 Tagen. Nach dem Schlupf beteiligt sich auch das Männchen an der weiteren Aufzucht. Zuvor hat er während der Zeit, in der das Weichen die Eier gewärmt hat, für Ordnung im Revier gesorgt. Beutetiere werden in den ersten Tagen nur vom Männchen beigebracht, die dann vom Weibchen in kleine Häppchen zerteilt und dann an den Nachwuchs verfüttert werden. Später, wenn die Küken groß genug sind, erhalten sie auch direkt vom Männchen Nahrung, jedoch nur in Form von ganzen Mäusen. Der Nachwuchs wird in den ersten beiden Lebenswochen vom Weibchen gehudert. Danach zeigen sie ihr erstes Jugendgefieder und müssen nicht mehr gewärmt werden.

Jugendentwicklung

Gerade geschlüpfte Küken wiegen durchschnittlich 15 bis 17 Gramm. Ihr erstes Dunengefieder (Neoptil) bedeckt die Küken nur spärlich und reicht nicht aus sie warm zu halten, jedoch sind bereits beim ersten, sehr hellen Dunengefieder die Federohren ansatzweise zu erkennen. Das Zwischengefieder, das auch Mesoptil genannt wird, ist deutlich dunkler. Zu diesem Zeitpunkt öffnen die Küken auch erstmals ihre Augen.
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Auf eigenen Füßen stehen sie erst Ende der zweiten Lebenswoche. In der vierten Lebenswoche sind die Jungvögel schon recht agil und klettern in der Nähe des Nestes in den Ästen umher. Die Flugfähigkeit erreichen die Jungeulen im Alter der fünften, spätestens in der sechsten Lebenswoche. Je nach Verbreitungsgebiet, vor allem je nach Vorhandensein von Fleischfressern liegt der Bruterfolg zwischen 50 und 80 Prozent. Das erste Lebensjahr erreicht meist nur knapp 50 Prozent der flugfähig gewordenen Jungeulen. Die Lebenserwartung liegt zwischen 25 und 28 Jahren. Ein solch hohes Alter wird freilich nicht immer erreicht.

Gefährdung, Schutz

In fast allen Verbreitungsgebieten sind beängstigende Bestandsrückgänge der Waldohreule zu verzeichnen. Damit sind nicht die nahrungsbedingten und somit natürlichen Populationsschwankungen gemeint. Zu den Hauptgründen zählt man heute die intensive Landwirtschaft, die vor allem mit der Ausbringung von Pestiziden und anderen Pflanzenschutzmitteln einhergeht. In derart bewirtschafteten Landstrichen kann sich beispielsweise keine Feldmaus-Population mehr entwickeln. Damit wird den Waldohreulen unweigerlich die Nahrungsgrundlage entzogen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen hat die Waldohreule in Anhang II unter weltweitem Schutz gestellt. Die globale Population der Waldohreulen ist noch nicht gefährdet. Vor allem im westlichen Teil Asiens und in Osteuropa kommt die Art noch relativ häufig vor. So wird die Waldohreule in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Neben dem Schwund durch Fleischfresser (siehe Kapital Prädatoren) unterliegen die Waldohreulen einer Reihe vom Menschen produzierter Gefährdungsfaktoren. Weit schwerwiegender sind jedoch anthropogene (vom Menschen beeinflusste bzw. verursachte) Gefahren auf die Populationen der Waldohreule. An erster Stelle ist hier die Urbanisierung und Umwandlung von natürlichen Lebensräumen in intensiv genutztes Kultur- oder Bauland, Trockenlegung und Entwässerung von Sumpf- und Feuchtgebieten, Auenlandschaften und ähnlichen Habitaten zu nennen. Vor allem die Urbanisierung und Kultivierung in unmittelbarer Nähe zu den Bruthabitaten wirken sich ausgesprochen negativ aus. So stellt beispielsweise die Einzäunung von Äckern und Weideland ein großes Gefährdungspotential dar. Waldohreulen können sich leicht im Stacheldraht verfangen und verenden qualvoll. Dies gilt im übrigen auch für die nah verwandte Sumpfohreule. Ähnliches gilt für Stromleitungen und Hochspannungsmasten. Als Nahrungsgründe dienen der Waldohreule vor allem Wiesen und Weiden. Durch einen übermäßigen Besatz mit Weidevieh (beispielsweise Kühe oder Schafe) kann die Waldohreule nicht nachhaltig auf die Jagd gehen. Ein weiterer Gefährdungsgrund ist die Störung in den Bruthabitaten durch den Menschen. Hier sind insbesondere sportliche Aktivitäten zu nennen, die den Bruterfolg stark beeinträchtigen können. Maßgeblich zum Schutz der Waldohreulen kann nur der Schutz der Bruthabitate und der Nahrungsgründe beitragen. Dazu gehören insbesondere der Schutz und die Erhaltung offener Landschaften, die als Nahrungsgrundlage dienen, und selbstverständlich auch die Erhaltung von Feuchtgebieten wie Heide- und Moorgebiete, Brachen, Auenlandschaften und ähnliche Habitate. Insbesondere sind hier auch der Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden zu nennen. Eine extensive Weidewirtschaft und Ackerbau schädigen die Populationen nachhaltig.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Theodor Mebs, Wolfgang Scherzinger, Die Eulen Europas, Franckh-Kosmos Verlag, 2000 - ISBN 3440070697
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Hermann Heinzel, Richard Fitter, John Parslow: Pareys Vogelbuch. Blackwell Wissenschafts-Verlag (1996) ISBN 3826381211X
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X

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