Weißnasensaki

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Weißnasensaki
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Sakiaffen (Pitheciinae)
Gattung: Bartsakis (Chiropotes)
Art: Weißnasensaki
Wissenschaftlicher Name
Chiropotes albinasus
(Geoffroy & Deville, 1848)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Weißnasensaki (Chiropotes albinasus) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung der Bartsakis (Chiropotes). Im Englischen wird die Art Red-nosed Bearded Saki, Red-nosed Saki, White-nosed Bearded Saki oder White-nosed Saki genannt. In der taxonomischen Einordnung wird Hershvovitz (1985) gefolgt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Weißnasensaki erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 38 bis 42 cm und ein Gewicht von 2.500 bis 3.100 g. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Der Schwanz ist lang und buschig. Die Fellfarbe der Weißnasenakis ist sehr dunkel, zumeist eher schwarz. Die rosa bis rote Gesichtszeichnung hat eine etwas verlängerte dreieckige Form. Diese Zeichnung beginnt zwischen den Augen und zieht sich bis zur Unterlippe hin. Links und rechts verläuft diese Zeichnung bis fast zu den Mundwinkeln. Auf dieser rosa bis roten Zeichnung ist eine eher schwach ausgebildete weiße Befellung gut zu erkennen. Adulte Tiere beider Geschlechter verfügen über einen Bart im Bereich der Kehle und einen leicht gescheitelten Schopf auf dem Haupt. Das Skrotum (Hodensack) der Männchen weist eine pinkfarbene Färbung auf. Die Männchen verfügen anders als andere Primaten nicht über einen Penisknochen, dem sogenannten Baculum. An Stelle dessen weist der Penis Stacheln auf. Die Eckzähne sind ausgesprochen breit. Dies stellt eine Anpassung an die Ernährungsgewohnheiten dar. Die Kiefermuskulatur ist kräftig entwickelt. Bei den Eckzähnen zeigt sich zwischen den Geschlechtern zudem kein Dimorphismus. Die Prämolaren weisen okklusale (zur Kaufläche hin gelegen) Oberflächen auf.

Lebensweise

Weißnasensakis leben in Gruppen mit bis zu 30 Individuen. Das Sozialsystem der Weißnasensakis basiert auf Gruppen mit mehreren Männchen (multimale-System) und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Die Art ist tagaktiv, die Nächte verbringen die Tiere in mittlerer Höhe im Geäst der Bäume. Täglich werden die Schlafbäume gewechselt. Weißnasensakis sind ausgesprochen agil, sie bewegen sich rasch zwischen auch verstreut stehenden Bäumen. Sie bewegen sich dabei hauptsächlich quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten fort. Die Wanderungen zwischen den Futterquellen erfolgt mit der gesamten Gruppe. Am Futterplatz teilt sich diese in kleinere Untergruppen. An den Futterplätzen mischen sich nicht selten auch Gehaubte Kapuziner (Cebus apella) unter die Gruppen.

Verbreitung

Der Weißnasensaki ist in Brasilien endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich südlich des Amazonas im Wesentlichen zwischen den Flüssen Xingu und Madeira und reicht im Süden bis an die Grenzen von Bolivien. Besiedelt werden Wälder und Waldränder im Bereich am Übergang zwischen Wald und Savanne. Den Lebensraum teilt sich der Weißnasensaki mit dem Kahlgesichtigen Saki (Pithecia irrorata) und anderen Sakiaffen (Pitheciinae).

Ernährung

Grundsätzlich ernähren sich Weißnasensakis von tierischer und pflanzlicher Kost. Primär stehen jedoch Früchte auf der Speisekarte. Neben Früchten werden auch unreife Samen, Blüten, Rinde und zu einem kleinen Teil auch Blätter gefressen. Besonders begehrt sind die Früchte von Stachelpalmen (Aiphanes), andere Palmengewächse (Arecaceae) sowie die Früchte von Sapotengewächsen (Sapotaceae) und Hülsenfrüchtlern (Fabaceae). Während der Trockenzeit werden größere Mengen an Sämereien verzehrt, während der Regenzeit sinkt der Anteil an Sämereien in der Ernährung deutlich. Da auch unreife Früchte gefressen werden, kommt es nur selten zu einer Nahrungskonkurrenz mit anderen Primaten. Zu einem kleinen Teil nehmen Weißnasensakis auch Insekten zu sich.

Fortpflanzung

Weißnasensakis erreichen die Geschlechtsreife im Alter von rund 4 Jahren. Einen Unterschied zwischen Männchen und Weibchen ist hierbei nicht zu erkennen. Weißnasensakis pflanzen sich grundsätzlich nicht saisonal fort. Jedoch kommt ein Großteil der Jungtiere zwischen Februar und März sowie zwischen August und September zur Welt. Während des Östrus ist die Genitalregion der Weibchen, insbesondere die Schamlippen leicht geschwollen und hellrot gefärbt. Während der Brunft präsentieren Weibchen zudem die leuchtend rote Anogenitalregion. Nach einer Tragezeit von rund 5 Monaten bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Ob es zu Zwillingsgeburten kommen kann, ist nicht bekannt. Der Nachwuchs wird von der Mutter für gut 3 Monate gesäugt. Kurz nach Beendigung der Säugezeit wird auch die Selbständigkeit erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Weißnasensaki gehört heute zu den stark gefährdeten Arten der Primaten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie EN, Endangered, geführt. Die Hauptgefahr geht von der Vernichtung und Fragmentierung der natürlichen Lebensräume aus. So wurde beispielsweise im Bundesstaat Mato Grosso quer durch den Lebensraum der Weißnasensakis eine Autobahn gebaut. Waldfläche werden vor allem zugunsten der Landwirtschaft gerodet. Auf den Kahlfläche werden meist Sojabohnen angebaut. Darüber hinaus spielt auch die Rinderzucht eine große Rolle. Lokal stellt der Mensch den Tieren nach. Begehrt sind insbesondere der Schwanz, der zu Staubwedeln verarbeitet wird.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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