Weißwangengans

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Weißwangengans

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Gattung: Meergänse (Branta)
Art: Weißwangengans
Wissenschaftlicher Name
Branta leucopsis
(Bechstein, 1803)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Weißwangengans (Branta leucopsis), die aufgrund der markanten Kopffärbung auch Nonnengans genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Entenvögel (Anatidae) zur Gattung der Meergänse (Branta). Im Englischen lautet die Bezeichnung der Weißwangengans Barnacle Goose.

Die Weißwangengans ist leicht mit der Kanadagans (Branta canadensis) und der Ringelgans (Branta bernicla) zu verwechseln. Das Gesicht der Ringelgans (Branta bernicla) ist dunkel gefärbt und die Gans ist insgesamt etwas kleiner gewachsen und dunkler gefärbt. Die Kanadagans (Branta canadensis) ist an dem weißen Kinnband und an der braunen Rückenfärbung zu erkennen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Weißwangengans erreicht eine Körperlänge von 58 bis 70 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 132 bis 145 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1.500 bis 2.000 Gramm. Der Hals und die Brust sind schwarz gefärbt und weisen einen leicht metallischen Glanz auf. Die Stirn, die Kopfseiten und der Kehlbereich sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Bei Jungvögeln sind diese Bereiche rein weiß gefärbt. Der Kopf und der Nacken setzen sich davon kontrastreich schwarz ab. Die Augen sind durch einen kleinen schwarzen Augenfleck gekennzeichnet. Der kurze Schnabel zeigt sich in einer schwarzen Färbung. Der Rücken weist im wesentlichen eine graublaue Grundfärbung auf, die mit schwarz-weißen Streifen durchsetzt ist. Die gräulich gefärbten Flügel stehen nur wenig im Kontrast zum Rücken. Die Hand- und Armschwingen zeigen sich in einer überwiegend schwarzen Färbung. Die Unterseite der Flügel ist rein schwarz gefärbt und bildet einen deutlichen Kontrast zur weißlichen bis cremefarbenen Bauchseite. Die Extremitäten weisen eine dunkelgraue bis schwarze Färbung auf. Jungvögel sind insgesamt gedeckter gefärbt. Im Flug wird der Hals und die Extremitäten gestreckt gehalten. Die Ausrufe der Weißwangengans sind raue und kurze, fast bellende Laute und wirken im Schwarm unkoordiniert und unmelodisch.

Weißwangengänse leben außerhalb der Paarungszeit in zum Teil sehr großen Kolonien. Sie sind also ausgesprochen gesellig. Dieses Verhalten ändert sich jedoch während der Paarungszeit, zu der sie sich in kleinen und lockeren Kolonien zurückziehen. Jedes Nest gilt dabei als ein kleines Revier. Weißwangengänse gehören zu den Zugvögeln, die den Winter über in gemäßigten Regionen verbringen.

Verbreitung

Die Brutgebiete der Weißwangengans liegen auf Grönland sowie dem nördliche Europa, insbesondere auf Spitzbergen, und in Teilen des nördlichen Russlands. In den letzten Jahrzehnten haben sich jedoch auch im nördlichen Mitteleuropa einige Brutkolonien etabliert. Gebrütet wird fast ausschließlich an felsigen Küsten in unmittelbarer Nähe zum Meer. Die grönländischen Populationen ziehen im Winter nach Nordamerika oder nach Island. die europäischen Populationen überwintern im gemäßigten Europa und in Teilen des westlichen Asiens. Im Winter bevorzugen Weißwangengänse küstennahe und feuchte Weiden, andere Grünlandflächen sowie Salzmarschen. Die Ufer von Flüssen werden ebenfalls gerne besiedelt. Der Rückflug in die Brutgebiete erfolgt in der Regel im März. Der Zug erfolgt in großen Schwärmen, in denen in V-Formation geflogen wird.

Ernährung

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Die Weißwangengänse ernähren sich hauptsächlich von Graspflanzen und hier und da von einigen Sämereien. Die Jungtiere fressen zudem auch kleine Insekten. Aber auch Moose und Flechten werden vor allem in den nördlichen Gebiete gerne gefressen. Auf Nahrungssuche gehen Weißwangengänse in großen Schwärmen auf Kleefelder, Grasland oder Salzmarschen.

Fortpflanzung

Die Weißwangengans erreicht die Geschlechtsreife im dritten Lebensjahr. Die Paarungs- und Brutzeit beginnt in den subarktischen und arktischen Verbreitungsgebieten ab Mai oder Juni. Weißwangengänse nisten für gewöhnlich in kleineren, losen Kolonien, die sich in unmittelbarer Nähe der Küste befinden. Jedes Nest gilt trotz des Brütens in Kolonien als eigenes kleines Revier und wird gegenüber Artgenossen verteidigt. Pro Saison kommt es nur zu einer Jahresbrut. Auch der Küste vorgelagerte Inseln werden gerne als Brutrevier genutzt. Weißwangengänse verpaaren sich für mehrere Jahre, nicht selten leben sie auch in lebenslanger Einehe. Auch bei den Brutplätzen sind sie ausgesprochen standorttreu. Das Nest wird an geschützter Stelle meist unter Büschen oder an ähnlichen Stellen, zuweilen auch auf nacktem Fels angelegt. Es besteht aus pflanzlichen Teilen wie Moosen, Flechten und Gräsern. Ausgepolstert wird ein Nest mit Dunen und ähnlich weichen Materialien. Ein Gelege besteht für gewöhnlich aus vier bis sechs Eier, die über einen Zeitraum von 25 Tagen gewärmt werden. Das Wärmen der Eier wird ausschließlich vom Weibchen übernommen. Bevor sie gelegentlich zum Fressen das Gelege verlässt, wird es mit Pflanzenteilen abgedeckt. Bereits kurz nach dem Schlupf, meist am zweiten Lebenstag, folgen die Küken den Eltern zu den Nahrungsgründen. Um schnell zu wachsen, fressen die Jungvögel fast unaufhörlich. Die Familien bleiben den ersten Winter über zusammen. Erst im folgenden Frühjahr verlassen die Jungvögel ihre Eltern. Eine Weißwangengans kann ein Alter von gut 18 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Weißwangengänse gehören zwar noch nicht zu den bedrohten Vogelarten, jedoch gibt insbesondere der Verlust der natürlichen Lebensräume in den Brutgebieten Anlass zur Sorge. Aber auch in den Winterquartieren stehen Rast-, Nahrungs-, Schlafplätze unter Druck, da vor allem im gemäßigten Europa die Urbanisierung durch Umwandlung von Grünland in Ackerland in großen Schritten voranschreitet. An Windkraftanlagen und Überlandstromleitungen kommen zudem viele Vögel zu Tode. In den Brutgebieten werden die überaus scheuen Vögel oftmals durch immer stärker aufkommendem Tourismus gestört. In der Roten Liste der IUCN wird die Art noch als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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