Westliches Grauhörnchen

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Westliches Grauhörnchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Gattung: Eichhörnchen (Sciurus)
Art: Westliches Grauhörnchen
Wissenschaftlicher Name
Sciurus griseus
Ord, 1818

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Westliche Grauhörnchen (Sciurus griseus) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Eichhörnchen (Sciurus). Im Englischen wird dieses Hörnchen Western gray squirrel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Grauhörnchen gehört zu den größten Arten innerhalb der Eichhörnchen (Sciurus) und erreicht eine Gesamtlänge von 50 bis 61,5 Zentimeter (reine Körperlänge 26,5 bis 32 Zentimeter), eine Schwanzlänge von gut 24 bis 31 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 6,7 bis 8,3 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2,8 bis 3,9 Zentimeter und ein Gewicht von 520 bis 940 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf, weder in der Größe noch in der Fellfärbung. Das kurze aber dichte Fell ist überwiegend grau gefärbt. Der lange und überaus buschige Schwanz weist ebenfalls eine gräuliche Färbung auf, jedoch sind die Spitzen der einzelnen Haare stellenweise weißlich gefärbt. Ventral ist das Fell cremefarben bis weißlich gefärbt. Dies gilt auch für den Bereich der Kehle und die Innenseiten der Extremitäten. Rund um die Augen zeigt sich ein weißlicher Augenring. Die Ohren sind deutlich gerundet und nur außen behaart. Sie sitzen weit hinten am Schädel. Das kräftige Gebiss zählt 22 Zähne. Die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3. Die Schneidezähne wachsen aufgrund der starken Abnutzung ein Leben lang. Im Bereich der Schnauze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen.

Lebensweise

Westliche Grauhörnchen gehören zu den überwiegend tagaktiven Nagetieren (Rodentia). Während der Mittagszeit legen sie allerdings eine Pause ein, da sie zu große Hitze nicht vertragen. Die Nacht verbringen sie in ihren Nestern, die sich meist gut versteckt in Baumhöhlen befinden. Übergangsnester, die sich in Entfernungen von bis zu 100 Meter rund um das Hauptnest befinden können, entstehen in Astgabeln aus Blättern und Zweigen. Den Winter verbringen sie jedoch in festen Behausungen (Baumhöhlen). Bei den Baumhöhlen handelt es sich meist um verlassene Höhlen von Spechten (Picidae). Westliche Grauhörnchen leben einzelgängerisch und sind ausgesprochen territorial. Die Tiere leben fast ausschließlich im Geäst großer Bäume. Von Baum zu Baum legen sie zum Teil weite Sprünge zurück. Stehen zwei Bäume jedoch zu weit auseinander, betreten sie gelegentlich den Waldboden um einen Baum zu wechseln. Am Boden können die Tiere aus dem Stand zwei Meter weit springen. Westliche Grauhörnchen legen keine Winterruhe ein, jedoch reduzieren sie ihre Aktivität während der kalten Jahreszeit drastisch. Sie ernähren sich im Winter von angelegten Nahrungsvorräten.

Unterarten

Verbreitung

Westliche Grauhörnchen kommen in den westlichen US-Bundesstaaten vor. Sie sind mit drei Unterarten insbesondere in Kalifornien, Oregon, Washington und dem äußersten Westen von Nevada anzutreffen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in Washington vom Lake Chelan bis ins südliche Kalifornien. Die Tiere kommen dabei sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen bis in Höhen von 2.590 Metern vor (beispielsweise in den San Bernardino Mountains in Kalifornien). Die Tiere besiedeln zumeist Laub- oder Mischwäldern. Dabei sind sie durchaus auch in der Nähe menschlicher Siedlungen, insbesondere in Parks und größeren Gärten, anzutreffen. Offene Bereiche werden hingegen strikt gemieden. Das Grauhörnchen hält sich fast ausschließlich in den Bäumen auf. Den Boden betritt es meist nur um einen Baum zu wechseln oder um am Boden nach Pilzen zu suchen. Je nach Verbreitungsgebiet und Jahreszeit beanspruchen Westliche Grauhörnchen ein Revier in einer Größe von 0,25 bis 2,8 Hektar.

Prädatoren

Westliche Grauhörnchen haben eine weite Palette an Fleischfressern. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen unter anderem Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Fichtenmarder (Martes americana), Fischermarder (Martes pennanti), Kojoten (Canis latrans), Rotluchse (Lynx rufus), Hauskatzen (Felis silvestris forma catus), Grauwölfe (Canis lupus) sowie verschiedene Greifvögel (Falconiformes) und größere Eulen (Strigiformes) wie Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Steinadler (Aquila chrysaetos), Habichte (Accipiter gentilis) und Virginia-Uhus (Bubo virginianus) . Westliche Grauhörnchen sind ausgesprochen wachsame Tiere, die permanent auf der Hut sind. Aber vor allem Jungtiere fallen durch Unachtsamkeit Raubtieren zum Opfer. Bei Gefahr warnen sich Westliche Grauhörnchen gegenseitig mit Lauten und verstecken sich in ihren Behausungen. In den Bäumen sind sie aufgrund ihrer hohen Beweglichkeit vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit.

Ernährung

Als Allesfresser finden Westliche Grauhörnchen ihre Nahrung hauptsächlich in den Wipfeln der Bäume. Neben Nüssen, Eicheln, Knospen, jungen Trieben, Baumsamen und Beeren fressen sie aber auch Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera) und Motten (Tineidae), Frösche (Rana), Vogeleier und die Brut von Vögeln (Aves). Im Herbst werden je nach Verbreitungsgebiet vor allem die Sämereien und Früchte der Douglasien (Pseudotsuga menziesii), Sitka-Fichten (Picea sitchensis),
Nahrungskonkurrent: Östliches Fuchshörnchen (Sciurus niger)
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Nahrungskonkurrent: Östliches Fuchshörnchen (Sciurus niger)
Tannen (Abies balsamea), Hemlocktannen (Tsuga), Kalifornische Schwarzeichen (Quercus kelloggii), Hickory (Carya), Zucker-Ahorn (Acer saccharum), Eschen (Fraxinus), Amerikanische Ulmen (Ulmus americana), Kalifornische Walnuss (Juglans hindsii) und Kiefern (Pinus) wie die Gelb-Kiefer (Pinus ponderosa) gefressen. Zusätzlich suchen die Tiere im Herbst gelegentlich am Boden nach Pilzen. Je nach Reifezeit stehen auch allerlei Beeren wie Maulbeeren (Morus rubra) oder Phoradendron flavescens auf dem Speiseplan.

Auf Nahrungssuche gehen Westliche Grauhörnchen zumeist in den frühen Morgen- und Abendstunden. Im Sommer meiden sie grundsätzlich die heiße Mittagszeit. In Zeiten von Nahrungsüberschuss legen Westliche Grauhörnchen in Erdlöchern und Baumhöhlen einen Wintervorrat an Nahrung an. Mit Hilfe ihres guten Geruchssinnes und eines hervorragenden Gedächtnisses finden sie ihre Vorratslager fast immer wieder. Ein Westliches Grauhörnchen benötigt pro Tag, je nach Alter und Geschlecht, zwischen 43 und 52 Gramm an Nahrung. Ihre Schneidezähne werden an harter Nahrung wie Nüsse ständig abgewetzt und wachsen ein Leben lang. Innerhalb der ökologischen Entwicklung des Waldes spielen sie eine große Rolle, da sie durch Fallenlassen der Früchte zur natürlichen Aufforstung beitragen.

In ihrem natürlichen Lebensraum stehen Westliche Grauhörnchen in Nahrungskonkurrenz zu Amerikanische Buschratten (Neotoma), Weißfußmäusen (Peromyscus), Streifenskunks (Mephitis mephitis), Westliche Fleckenskunks (Spilogale gracilis), Eselhasen (Lepus californicus), Maultierhirsche (Odocoileus hemionus) sowie nah verwanten Arten wie dem Östlichen Fuchshörnchen (Sciurus niger) und dem Grauhörnchen (Sciurus carolinensis).

Fortpflanzung

Das Westliche Grauhörnchen erreicht die Geschlechtsreife mit rund 10 bis 11 Monaten. Jedoch tritt bei den Männchen nur die soziale Geschlechtsreife in Kraft. Das heißt, aufgrund von Rivalenkämpfen können Männchen meist erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres das erste Mal ein Weibchen begatten. Vorher sind sie älteren Männchen körperlich unterlegen.
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Die Paarungszeit beginnt meist im Januar, gelegentlich auch schon im Dezember. In nördlichen Verbreitungsgebieten beginnt die Paarungszeit aufgrund längerer Winter entsprechend später, jedoch spätestens im März. Während der Paarungszeit kommt es zu einem oder zwei Würfen. Westliche Grauhörnchen leben polygam. Ein Männchen begattet in der Regel mehrere Weibchen. Umgekehrt verfährt das Weibchen ähnlich. Das Männchen hat nach der Begattung seine Aufgabe erfüllt. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Hat sich ein Männchen bei den Rivalenkämpfen durchgesetzt, so erfolgt die Kopulation, die nur wenige Sekunden bis hin zu einer halben Minute dauert. Nach einer Tragezeit von etwa 43 bis 45 Tagen bringt das Weibchen meist zwischen Mitte März und Mitte April in ihrem Nest zwischen zwei und fünf Jungtiere zur Welt. Ein durchschnittlicher Wurf liegt meist bei drei oder vier Jungtiere. Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt, blind und taub. Sie wiegen rund 15 Gramm. Bereits nach einer bis zwei Wochen ist ihnen ein Fell gewachsen. Kurze Zeit später öffnen sich auch die Ohren und die Augen. Die Entwöhnung beginnt meist mit dem 40. Lebenstag. Im Alter von gut drei Monaten lösen sich die Jungtiere von der Mutter. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 8 bis 11 Jahren. Jedoch fallen ein Großteil der Jungtiere im ersten Lebensjahr Fressfeinden zum Opfer.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Westliche Grauhörnchen gelten aufgrund ihrer eifrigen Sammeltätigkeit von Sämereien für den Waldbestand als ausgesprochen wichtig. Sie verbreiten im großen Umfang die Samen von Bäumen und Sträuchern und tragen so zum ausgewogenen Wachstum des Waldes bei. Westliche Grauhörnchen gelten heute als noch nicht gefährdet. Die Tiere sind überall noch häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt (LC, Least Concern). Da die Lebensraumvernichtung auch im Nordwesten von Kalifornien, der USA, immer stärker voranschreitet, ist mittelfristig durchaus eine Gefährdung möglich. Die Tiere sind jedoch sehr anpassungsfähig und fühlen sich bei entsprechendem Baumbestand auch in der Nähe des Menschen wohl. Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt das Westliche Grauhörnchen nicht.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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