Witwenaffe

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Witwenaffe
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Springaffen (Callicebinae)
Gattung: Springaffen (Callicebus)
Species: Witwenaffe
Wissenschaftlicher Name
Callicebus torquatus
Hoffmannsegg, 1807

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Witwenaffe (Callicebus torquatus), oder auch Halsband-Springaffe, zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartige (Cebidae) zur Gattung der Springaffen (Callicebus). Im Englischen wird die Art Collared Titi Monkey, Collared Titi, Widow Monkey oder Yellow Handed Titi genannt. Der Witwenaffe ist auch unter dem Synonym C. amicta (É. Geoffroy, 1812) bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Witwenaffen erreichen ja nach Geschlecht eine Körperlänge von 290 bis 390 mm, eine Schwanzlänge von 340 bis 400 mm sowie ein Gewicht von 1.410 bis 1.720 (1.460) g (Hershkovitz, 1990). Sowohl in der Größe als auch im gewicht unterscheiden sich die Geschlechter nur marginal. Der größte Unterschied sind die größeren Eckzähne der Männchen. Das Gesicht ist nur spärlich mit feinen weißen Härchen behaart. Das Fell ist dorsal rötlichbraun bis schwarzbraun gefärbt, der Schwanz weist eine dunklere Färbung auf. Er ist meist schwarz, versehen mit wenigen dunkelroten Haaren. Der Bauch und die Innenseiten der Gliedmaßen sind deutlich heller gefärbt, die Hände sind nicht selten weißlich. Im Bereich der Kehle zeigt sich eine weißliche Färbung in Form eines Halsbandes (Hershkovitz, 1990).

Lebensweise

Witwenaffen leben in monogamen Familiengruppen, die aus einem Pärchen und deren Nachwuchs, meist 1 bis 2 (1,5) Jungen bestehen. Größere Gruppen von 5 oder 6 Tieren sind selten. Witwenaffen beanspruchen ein Revier in einer Größe von 15 bis 20 ha. Die Reviergrenzen verschiedener Gruppen überlappen sich, sodass sich bis zu 5 Gruppen in einem Areal von 1 km² aufhalten können. Die Tiere bewegen sich im Schnitt rund 800 m in ihrem Revier. Rund 2 Drittel vom Tage rasten die Tiere. Die verbleibende Zeit verteilt sich auf Fortbewegung, Nahrungssuche und -aufnahme, Fellpflege und soziale Interaktion. Die Fortbewegung ist zu 2 Drittel vierbeinig. andere Fortbewegungsarten der witwenaffen sind Klettern, Springen und Hangeln.

Verbreitung

Witwenaffen sind im Nordwesten von Brasilien endemisch und erstreckt sich im Wesentlichen über die Region Solimões-Negro interfluvium. Das Verbreitungsgebiet liegt im Bundesstaat Amazonas nördlich der Ufer des Rio Solimões und Rio Japurá. Westlich wird das verbreitungsgebiet durch den Río Apaporis und den oberen Verlauf des Rio Vaupés begrenzt, nördlich durch den Rio Negro und den Rio Uaupés, östlich reichen die Vorkommen bis zur Stadt Manacapuru (IUCN, 2011). Die Lebensräume liegen ausschließlich im Flachland. Witwenaffen besiedeln meist Regenwälder mit altem und gut entwickeltem Baumbestand. Hier halten sich die Tiere hoch oben in den Baumkronen auf. Lokal tritt die Art auch in Galeriewäldern auf.

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählen aufgrund des Lebensraumes hoch oben in den Baumkronen vor allem Greifvögel (Falconiformes). In Bodennähe stehen die Tiere auch auf der Speisekarte der Langschwanzkatze (Leopardus wiedii). Witwenaffen leben sympatrisch mit anderen Arten wie dem Eigentlichen Wollaffen (Lagothrix lagotricha) oder dem Gehaubten Kapuziner (Cebus apella).

Ernährung

Witwenaffen ernähren sich nach Palacios et al, 1997, von Früchten (74,0%), Gliederfüßer (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) und Spinnentiere (Arachnida) (25,8%), Blätter (8,8%) sowie von Blüten und Knospen (0,6%). Unter den Gliederfüssern stehen besonders Schmetterlinge (Lepidoptera) und Geradflügler (Orthoptera) hoch im Kurs. Je nach Vorkommen und Lebensraum zählen folgende Pflanzenfamilien zu den beliebtesten Futterpflanzen: Palmengewächse (Arecaceae), Lorbeergewächse (Lauraceae), Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae), Maulbeergewächse (Moraceae), Hülsenfrüchtler (Fabaceae), Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), Windengewächse (Convolvulaceae), Rötegewächse (Rubiaceae), Annonengewächse (Annonaceae) und Muskatnussgewächse (Myristicaceae) (Observation durch Kinzey, 1977).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von Dezember bis Januar. Dies entspricht der Trockenzeit. Der Nachwuchs kommt dann mit der beginnenden Regenzeit zur Welt. Der Östrus der Weibchen erstreckt sich über 16 Tage. Die Zeit der Empfängnis erstreckt sich über 2 bis 3 (2,5) Tage. Während dieser Zeit sind die Schamlippen und die Klitoris leicht angeschwollen. Dies stellt ein Signal an paarungswillige Männchen dar. Witwenaffen leben in monogamen Familiengruppen. Nicht selten hält eine Paarbindung über mehrere Jahre. Nach einer Tragezeit von 5 bis 6 Monaten bringt ein Weibchebn in der Regel 1 Jungtier zur Welt.

Gefährdung und Schutz

Witwenaffen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet den Witwenaffen in Anhang II des Abkommens. Auch wenn Witwenaffen durch die indigene Bevölkerung wegen des Fleisches gejagt wird, scheint die Bejagung aktuell keine potentielle Bedrohung für die Art zu sein. In naher Zukunft dürfte die Vernichtung der natürlichen Lebensräume die weitaus größere Gefahr darstellen (IUCN, 2011).

Anhang

Literatur und Quellen

  • P. Hershkovitz: Titis, New World monkeys of the genus Callicebus (Cebidae, Platyrrhini): A preliminary taxonomic review. Fieldiana Zoology. Nr. 55, 1990
  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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