Wyoming-Ziesel

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Wyoming-Ziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Wyoming-Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus elegans
Kennicott, 1863

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Wyoming-Ziesel (Spermophilus elegans) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Der Wyoming-Ziesel wurde ursprünglich als Unterart des Richardson-Ziesel (Spermophilus richardsonii) angesehen. Die Entwicklung der beiden Arten trennte sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen vor rund 11.000 Jahren (Neuner, 1975).

Zusammen mit dem Townsend-Ziesel (Spermophilus townsendii), dem Belding-Ziesel (Spermophilus beldingi), dem Uinta-Ziesel (Spermophilus armatus) und dem Richardson-Ziesel (Spermophilus richardsonii) bildet der Wyoming-Ziesel die Untergattung Spermophilus.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde des Spermophilus-Komplexes stammen aus dem Oberen Pleistozän und dürften somit ein Alter von etwa 50.000 bis 100.000 Jahren aufweisen. Die Funde decken sich nicht ganz mit dem heutigen Verbreitungsgebiet. Fossilien wurden insbesondere im südlichen Alberta, Kanada sowie in den US-Bundesstaaten Kansas, Oklahoma und Wyoming gefunden. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Wyoming-Ziesel erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 25 bis 30,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6 bis 8 Zentimeter eine Hinterfußlänge von 3,8 bis 4,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 180 bis 400 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Das Gewicht schwankt nicht nur je nach Geschlecht, sondern auch je nach Saison. Unmittelbar nach Erwachen aus dem Winterschlaf weisen die Tiere das niedrigste Gewicht auf. Dementsprechend wird das höchste Gewicht unmittelbar vor der Winterruhe erreicht. Weibchen wiegen zu diesem Zeitpunkt kaum 180 Gramm, Männchen selten über 230 Gramm. <2> In der Fellfärbung zeigen die Geschlechter keinen Dimorphismus. Das dichte Fell weist eine überwiegend braune bis graubraune Färbung auf. Lateral wird das Fell deutlich heller, ventral zeigt sich eine fast weißliche bis cremefarbene Färbung. Beim Sommerfell kann sich lateral und ventral eine leicht gelbliche Färbung zeigen. Pro Saison kommt es zu zwei Fellwechseln. Es wird zwischen Sommer- und Winterfell unterschieden.

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Oberhalb und unterhalb der großen Augen ist deutlich ein weißlicher Augenring zu erkennen. Die Ohren sind leicht gerundet, von stehender Form und sitzen auf Höhe der Augen weit hinten am Kopf. Die Länge der Ohren ist etwas länger als bei den anderen Vertretern der Untergattung Spermophilus. Die Außen- wie Innenseiten der Ohren sind spärlich mit Fell versehen. Der kurze Schwanz ist mit Fell besetzt, jedoch keineswegs buschig. Im Bereich der Schnauzenspitze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die Extremitäten sind gut entwickelt. Mit den Vorderfüßen kann der Wyoming-Ziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Im Analbereich verfügen die Tiere über Drüsen mit drei Austrittsöffnungen, die zum Markieren und der chemischen Kommunikation untereinander dienen. Das Gebiss besteht aus 22 Zähnen, die zahnmedizinische Formal lautet 1/1, 0/0, 2/1, 3/3.

Lebensweise

Wyoming-Ziesel leben je nach Geschlecht sowohl einzelgängerisch als auch gesellig. Vor allem die Weibchen kann man oftmals in Gruppen beobachten. Diese Gruppen bestehen aus der Mutter und ihrem Nachwuchs. In der Regel handelt es sich dabei um reine Familiengruppen. Männchen sind meist einzelgängerisch anzutreffen. Sie stoßen meist nur zur Paarungszeit zu den Weibchen. Wyoming-Ziesel sind tagaktiv, haben ihre aktivste Zeit jedoch in den frühen Morgen und späten Nachmittagsstunden. Etwa ein Drittel der aktiven Zeit wenden Wyoming-Ziesel für die Nahrungssuche und -aufnahme auf. Während der kalten Jahreszeit halten Wyoming-Ziesel eine Winterruhe, die sich in den südlichen Verbreitungsgebieten von November bis in den Februar erstreckt. In den nördlichen Regionen oder in Höhenlagen kann sich die Winterruhe auch von September bis in den April erstrecken. Während dieser Zeit leben Wyoming-Ziesel von ihren Fettreserven, die sie sich im Sommer angefressen haben. Männchen erwachen aus der Winterruhe etwa ein bis zwei Wochen vor den Weibchen. Unmittelbar nach Erwachen aus der Winterruhe nehmen die Männchen ein Revier in Beschlag. In der Regel decken sich diese Reviere mit den Revieren mehrerer Weibchen. Ältere Männchen haben ihre Reviere im Kernbereich einer Kolonie, jüngere Männchen entsprechend eher an den Rändern einer Kolonie. Ein Männchen paart sich mit allen Weibchen in seinem Revier.

Als Ruheplätze dienen die Nester tief unter in den Bauten der Tiere. Die Erdbauten sind durchaus komplexe Bauten mit mehreren Ein- und Ausgängen, deren Gänge eine Gesamtlänge von 5 bis 15 Metern aufweisen können. Die Gänge haben zumeist einen Durchmesser von gut acht Zentimeter. Die Wohnkammern liegen in Tiefen von 70 bis 200 Zentimetern. Ein Bau verfügt über mehrere Ein- und Ausgänge, meist sind es zwischen sechs und acht. Kurz nach Beendigung der Winterruhe stecken die Männchen ein Revier ab und warten auf die ersten Weibchen. Die Weibchen erwachen meist ein bis zwei Wochen nach den Männchen. Ein Revier kann durchaus einige Tausend Quadratmeter groß sein. Die Reviere erstrecken sich über die Bauten mehrerer Weibchen. Dieses können gut und gerne fünf oder auch mehr Weibchen sein. Unmittelbar nach der Paarung verscheucht ein Weibchen das Männchen und legt ab diesem Zeitpunkt ein territoriales Verhalten an den Tag. Anfang August begeben sich die Männchen in ihre Nester zur Winterruhe, spätestens Anfang September folgen die Weibchen.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Spermophilus elegans aureus Davis, 1939 LC Idaho und südwestliches Montana
Spermophilus elegans elegans Kennicott, 1863 LC nordöstliches Utah, Colorado und Wyoming
Spermophilus elegans nevadensis Howell, 1938 LC südöstliches Oregon, nördliches Nevada und südwestliches Idaho

Verbreitung

Der Wyoming-Ziesel findet mit seinen drei Unterarten seine Verbreitung in den zentralen USA, insbesondere im südwestlichen Montana, dem nordöstlichen Utah, in Colorado, in Wyoming, dem südöstlichen Oregon, dem nördliches Nevada und dem südwestlichen Idaho. Die genaue Verbreitung der einzelnen Unterarten ist der obigen Tabelle zu entnehmen. Wyoming-Ziesel sind sowohl in der offenen Prärie in der Ebene als auch in Mittelgebirgslagen der Rocky Mountains und deren Ausläufer beheimatet. In Höhenlagen kann man die Tiere bis in Höhen von gut 1.500 Metern über NN. antreffen. Grasland mit kurzem Gras bieten ihnen ideale Lebensbedingungen. Wälder, selbst lichte Wälder werden strikt gemieden. An die Erdoberfläche kommen Wyoming-Ziesel nur während der Nahrungssuche, ansonsten halten sich die Tiere überwiegend in ihren schützenden Erdbauten auf.

Prädatoren

Zu den natürlichen Prädatoren gehören vor allem räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Wildkatzen (Felis silvestris), Hauskatzen (Felis silvestris forma catus), Kojoten (Canis latrans), Rotfüchse (Vulpes vulpes), Graufüchse (Urocyon cinereoargenteus), Silberdachse (Taxidea taxus), Hermeline (Mustela erminea) und Amerikanische Nerze (Mustela vison). Aber auch einige Greifvögel (Falconiformes) wie der Habicht (Accipiter gentilis), der Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii), der Eckschwanzsperber (Accipiter striatus) und der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) stellen dem Wyoming-Ziesel nach. Nicht minder gefährlich sind einige Eulenarten (Strigiformes) wie der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Unter den Reptilien fallen vor allem Jungtiere der Kiefernatter (Pituophis melanoleucus) zum Opfer. Die Kiefernatter folgt den Zieseln auch in die Erdbauten. Nicht selten fallen bereits im ersten Jahr über 50 Prozent aller Jungtiere Räubern zum Opfer. Trotz der hohen Mortalität scheint der Schwund durch Prädatoren keinen negativen Einfluss auf die Bestände zu haben. Nicht minder gefährlich sind die kleinen Plagegeister wie Fleischfliegen (Sarcophagidae), insbesondere Sarcophaga citellivora, die ihre Eier in das Fell der Ziesel legen. Auch Zecken (Ixodida) wie Dermacentor andersoni sind im Fell oft vertreten. Weiter Plagegeister stellen auch Milben (Acari) und Tierläuse (Phthiraptera) dar. Etwa ein Drittel der Gesamtpopulation sind zudem mit Würmern wie Citellinema bifurcatus und anderen Bandwürmer (Cestoda) befallen. <3>

Ernährung

Nahrungskonkurrent: Gelbbäuchiges Murmeltier (Marmota flaviventris)
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Nahrungskonkurrent: Gelbbäuchiges Murmeltier (Marmota flaviventris)

Wyoming-Ziesel sind keine reinen Pflanzenfresser, zu einem kleinen Teil fressen sie auch Insekten, deren Larven und andere fleischliche Nahrung sowie die Eier von Vögeln. Bei Gelegenheit wird auch Aas nicht verschmäht. Hauptbestandteil der Nahrung ist mit rund 90 Prozent jedoch pflanzliche Kost. Dazu gehören fettreiche Sämereien, Nüsse, Körner aller Art, Wurzeln und Knollen sowie Gräser und Kräuter. <4> Wyoming-Ziesel legen in ihren Erdbauten einen kleinen Vorrat an Nahrung in Form von Sämereien an, der jedoch erst nach Erwachen aus der Winterruhe gefressen wird. Auf Trinkwasser sind die Tiere nicht angewiesen, ihren Wasserbedarf stillen sie ausschließlich über die Nahrung. In ihrem Lebensraum stehen Wyoming-Ziesel in Nahrungskonkurrenz zu Pfeifhasen (Ochotonidae) und dem Gelbbäuchigen Murmeltier (Marmota flaviventris). <5>

Fortpflanzung

Wyoming-Ziesel erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 11 Monaten. Die Geschlechtsreife stellt sich also mit Beendigung der ersten Überwinterung ein. Weibchen sind etwa für vier bis fünf Tage nach Beendigung der Winterruhe empfängnisbereit. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten von Ende März bis Mitte oder Ende April. Während einer Saison kommt es in allen Verbreitungsgebieten nur zu einem Wurf. Die Geschlechter leben in einer polygamen Beziehung. Die Reviere der Männchen überlappen sich mit denen mehrerer Weibchen. Demnach paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen. Kurz nach der Paarung werden die Männchen von den Weibchen aus den eigenen Reviere verscheucht und an den Rand der Kolonie gedrängt. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat ein Männchen nichts zu tun. Der Nachwuchs kommt nach einer Tragezeit von 22 bis 23 Tagen im Nest der Mutter zu Welt. Bei kalter Witterung kann sich der Zeitraum auch auf bis zu 32 Tagen ausdehnen. Es werden zumeist zwischen zwei und elf, meist jedoch nur sechs bis sieben Jungtiere geboren. Bei Weibchen, die zum ersten Mal Nachwuchs zur Welt bringen, liegt ein Wurf bei ein bis sechs Jungtieren. Die Geburt der Jungtiere erstreckt sich für gewöhnlich über einen Zeitraum von 30 bis 90 Minuten.

Die Neugeborenen weisen eine Körperlänge von 5,5 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 0,8 Zentimeter sowie eine Hinterfußlänge von 0,7 Zentimeter auf. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 6 und 7 Gramm. Die Jungtiere wachsen schnell heran. In den ersten zehn Tagen legen sie rund 10 bis 13 Prozent pro Tag an Gewicht zu. Zwischen dem 11. und 45. Tag steigt ihr Gewicht pro Tag um etwa 6 Prozent. Danach verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Bei der Geburt sind die Jungtiere nackt, blind und taub. Das erste Fell stellt sich ab dem vierten Lebenstag ein, die Ohren öffnen sich ab dem 20. Tag, die Augen öffnen sich ab dem 24. Tag. Im Alter von gut vier Wochen hat sich das Fell vollständig entwickelt. Die Säugezeit erstreckt sich über vier bis sechs Wochen. Die Jungtiere verlassen den Erdbau erstmals nach 34 bis 40, durchschnittlich nach 36 Tagen. Die Lebenserwartung liegt bei zwei bis vier, selten auch bei sechs Jahren. Weibchen erreichen in aller Regel ein höheres Alter als Männchen.

Ökologie

Der Wyoming-Ziesel ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, jedoch sind die Tiere nur selten zu beobachten, da sie in unzugänglichen Regionen beheimatet sind und sich dort zumeist in ihren Erdbauten aufhalten. Den Farmern sind die Tiere ein Dorn im Auge, da sich Rinder und Schafe in den Erdlöchern gelegentlich die Beine brechen. Daher gehen immer mehr Farmer dazu über, Giftköder auszulegen, an denen die Wyoming-Ziesel jämmerlich eingehen. Im Grunde genommen gehört der Wyoming-Ziesel zu den Nützlingen, da er die Populationen an Schadinsekten reguliert und auch als Samenverbreiter fungiert. Seine verlassenen Erdbauten dienen anderen Tieren zudem als Unterschlupf. Als nachteilig erweist sich die Tatsache, dass Wyoming-Ziesel Träger von Flöhen sind, die auch für den Menschen gefährliche Krankheiten übertragen können. Die Tiere gelten auch als Träger von gefürchteten Krankheiten, insbesondere der Tularämie, einer Krankheit, die durch den Erreger Francisella tularensis ausgelöst wird. Dies trifft im übrigen auch auf viele andere Ziesel zu.

Gefährdung und Schutz

Wyoming-Ziesel gehören heute noch nicht zu den bedrohten Ziesel-Arten. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Für die Unterart Spermophilus elegans nevadensis liegen jedoch keine ausreichenden Daten vor (Baillie & Groombridge, 1996). Im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) wird der Wyoming-Ziesel nicht geführt. In weiten Teilen der natürlichen Verbreitungsgebiete ist auch der Lebensraum noch intakt. <6>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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