Zackeneule

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Zackeneule

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Überfamilie: Nachtfalter (Noctuoidea)
Familie: Eulenfalter (Noctuidae)
Unterfamilie: Calpinae
Tribus: Gonopterini
Gattung: Scoliopteryx
Art: Zackeneule
Wissenschaftlicher Name
Scoliopteryx libatrix
(Linnaeus, 1758)

Die Zackeneule (Scoliopteryx libatrix), auch als Zimteule, Krebssuppe, Orangefarbene Zackeneule oder Zuckereule bekannt, zählt innerhalb der Familie der Eulenfalter (Noctuidae) zur Gattung Scoliopteryx. Im Englischen wird die Zackeneule The Herald genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Für das Jahr 2010 wurde die Zackeneule am 16. Dezember 2009 vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V. in Zusammenarbeit mit dem NABU zum Höhlentier des Jahres gewählt. Die Zackeneule steht damit für eine große Zahl an Tierarten, die bei ihrer Überwinterung auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind. Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. will mit der Wahl des Höhlentieres darauf hinweisen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Im Allgemeinen sind die Augen der Arten aus der Gattung Scoliopteryx nackt unbewimpert. Ferner sind die Palpen lang, wenig schräg, mit gerade vorstehendem linearem Endglied. Der Halskragen ist in der Mitte mit einem schneidigen Längskamm versehen. Die Schienen sind unbewehrt. Des Weiteren sind die Vorderflügel am Saum unregelmäßig ausgenagt. Der Kopf und der Thorax sind dicht anliegend behaart, ersterer wirkt etwas eingezogen und weist einen keilförmigen Stirnschopf auf. Der Thorax ist schmal viereckig geformt, ungeschopft und der Hinterleib ist flach gestutzt. Der Afterwinkel ist wenig überragend, mehr flaumig behaart. Die Segmente 1 und 2 sind oben mit kleinen Schöpfen versehen. Die Augen sind ziemlich klein entwickelt. Bei den Männchen sind die Fühler kammzähnig und bei den Weibchen sägezähnig ausgebildet. Das Wurzelglied ist ausgehöhlt und nach außen mit einem locker, aber ziemlich lang behaarten Zahn versehen. Die Palpen reichen weit über den Stirnschopf hinaus. Das Mittelglied ist fast stielrund schuppig behaart und das Endglied ist dick und lang linear. Des Weiteren sind das Mittelglied und das Endglied an der Spitze gestutzt. Die Beine nebst Sporen sind kurz und dick. An den Schenkeln und Schienen zeigt sich eine dichte Behaarung. Das erste Glied der Hinterfüße ist oben an der Basis mit einem komprimierten Schuppenbüschel versehen. Die Vorderflügel sind an der Wurzel breit und nach außen merklich erweitert. Der Vorderrand wirkt schwach geschwungen und vor der Spitze etwas abgeschrägt. Die letztere ist stark vorgezogen und scharf und der Saum zwischen ihr und der vierten Rippe tief ausgeschnitten sowie schwach gewellt. Auf der vierten Rippe am weitesten hervortretend und von da bis zum Innenwinkel zwischen den Rippen ausgenagt. Die Fransen wirken sehr kurz und die Spitzen des Saumes sind etwas abgerundet. Von der Eulenzeichnung sind nur die beiden ungezähnten Querstreifen, die verwaschene Wellenlinie und statt der Ringmakel nur ein weißer Punkt vorhanden. Die Hinterflügel sind groß und breit. Sie weisen einen gewellten saum und längere Fransen auf. Die fünfte Rippe ist wenig schwächer als die übrigen Rippen ausgebildet. <1>

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Zackeneule

Die Zackeneule erreicht eine Flügelspannweite von etwa 40 bis 45 Millimetern. Insgesamt erscheint der Körper der Zackeneule veilchengrau, jedoch am Saum ist die Färbung fleischrot gemischt. Des Weiteren erstreckt sich von der Flügelmitte bis weit nach vorn ein breiter gelber Streif mit scharlachroter Bestäubung. Der Streif zieht sich an der Mittelrippe entlang und erweitert sich an seinem Ende bis in die Mittelzelle. Ferner ist ein kurzer Wurzelstreif vor ihm und ein verwischter Fleck am Innenrand zu erkennen, die ebenfalls von einer gelblichen Färbung sind. Die beiden Querstreifen erscheinen als weißgraue, verloschene dunkel angelegte Linien. Der hintere doppelte Querstreifen ist etwas gegen die Wurzel gebogen und am Vorderrand scharf gebrochen. Der vordere Querstreifen wirkt fast gerade und die Wellenlinie ist sehr stark geschwungen und ganz verwaschen. In der Mitte der Wurzel und an der Stelle der Ringmakel erkennt man einen weißen Punkt. Die Nierenmakel ist durch zwei feine schwarze Punkte angedeutet. Die Rippen im Bereich des Saumes sind hell veilchengrau und die Fransenspitzen zwischen den Vorsprüngen sind von einer weißen Tönung. Die Hinterflügel weisen eine graue Färbung auf und sind mit hellen Fransen und mit einem schwachen geraden Mittelstreif versehen. Die Unterseite ist ebenfalls von einer veilchegrauen Färbung und zusätzlich zeigt sich noch eine dunkle Bogenlinie. Der Kopf und der Thorax weisen eine bräunlich-rote Färbung auf und die Tarsen erscheinen von einer weißlichen Tönung. Die Vorderbeine sind dunkel geringelt und die Schienen sind außen in der Mitte mit einem weißen Punkt versehen. Die schlanken Raupen erreichen eine Körperlänge von etwa 50 Millimetern und weisen eine hellgrüne Färbung mit einer hellen gelblich gefärbten Seitenlinie auf. <1>

Lebensweise

Die Zackeneule lebt überwiegend in Laubwäldern und kommt recht häufig vor. Die dämmerungsaktive und nachtaktive Zackeneule ist im April, Mai und Juli sowie August an Zäunen, in Häusern und in Kellern zu finden. Die Raupe hält sich überwiegend auf Weiden und Pappeln auf. Die Zackeneule bringt im Jahr zwei Generationen hervor. Die Verpuppung findet in einem lockeren Gespinst statt. Die im Spätsommer geschlüpften Tiere der zweiten Generation suchen im Herbst Überwinterungsquartiere auf und sind im Winter oft in Höhlen anzutreffen. Hier sitzen sie gern an feuchten Stellen, oft zu mehreren nebeneinander und sind nicht selten ganz von niedergeschlagenen Wassertropfen überzogen.

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Verbreitung

Die Zackeneule ist in ganz Europa, in Asien, Nordafrika sowie in Nordamerika verbreitet. Sie hält sich in Laubwäldern, an Gewässerufern sowie am Rand von Mooren und Sümpfen auf. Des Weiteren findet man die Zackeneule auch in Gärten und in Parkanlagen. Im Herbst sucht die Zackeneule die Überwinterungsquartiere auf und im Winter ist sie oft in Höhlen zu finden.

Ernährung

Die Zackeneule ernährt sich rein vegetarisch und saugt mit ihrem Rüssel nur flüssige Nahrung auf, die meist aus Nektar besteht. Die Zackeneule fliegt zum Beispiel die Brombeere (Rubus fruticosus), die Erdbeeren (Fragaria) sowie den Schlehdorn (Prunus spinosa) an. Im Frühjahr findet man die Zackeneule vor allem an blühenden Weidenkätzchen. Die gut getarnten Raupen ernähren sich hauptsächlich in der Nacht und ruhen am Tag meist sehr weit von ihrem Futterplatz entfernt. Die Raupen findet man vorwiegend an den Pappeln (Populus) wie zum Beispiel Zitterpappel (Populus tremula) und an den Weiden (Salix) wie zum Beispiel Salweide (Salix caprea) und Korb-Weide (Salix viminalis), wo sie sich von den Blättern ernähren und in der Regel die Äste von oben nach unten abfressen.

Forpflanzung

Die Zackeneule legt ihre Eier an den Baumrinden der jeweiligen Fraßpflanzen ab. Die Zackeneule bringt im Jahr zwei Generationen hervor. Die Verpuppung findet an der Basis der Pflanzen zwischen den Blättern oder direkt am Boden statt. Die Puppe ist von einer schwarzen Färbung und besteht aus einem lockeren Gespinst. Die im Spätsommer geschlüpften Tiere der zweiten Generation suchen im Herbst die Überwinterungsquartiere auf und sind im Winter oft in Höhlen anzutreffen. Hier sitzen sie gern an feuchten Stellen, oft zu mehreren nebeneinander und sind nicht selten ganz von niedergeschlagenen Wassertropfen überzogen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] Die Schmetterlinge Deutschlands und der Schweiz. Systematisch bearbeitet von H. v. Heinemann. Nebst analytischen Tabellen zum Bestimmen der Schmetterlinge. Mit in den Text eingedruckten Holzschnitten zur Erläuterungen der Terminologie. Braunschweig. Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. 1859.
  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Kosmos, 2003 ISBN 3440093301
  • Leon Rogez: Schmetterlinge und Raupen. Ensslin im Arena Verlag, 2006 ISBN 3401452541
  • Thomas Ruckstuhl: Schmetterlinge und Raupen. Gondrom Verlag, 2001 ISBN 3401452541
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Valerio Sbordoni, Saverio Forestiero: Weltenzyklopädie der Schmetterlinge Arten, Verhalten, Lebensräume. München Südwest Verlag, 1985 ISBN 3-517-00876-1
  • Dr. Frieder Sauer: Sauers Naturführer Raupe und Schmetterling. Karlsfeld Fauna-Verlag, 1988, 4. Auflage ISBN 3-923010-00-1
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