Zierliche Tellerschnecke

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Zierliche Tellerschnecke

Systematik
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Wasserlungenschnecken
Überfamilie: Planorboidea
Familie: Tellerschnecken (Planorbidae)
Unterfamilie: Planorbinae
Tribus: Planorbini
Gattung: Anisus
Art: Zierliche Tellerschnecke
Wissenschaftlicher Name
Anisus vorticulus
Troschel, 1834

Die Zierliche Tellerschnecke (Anisus vorticulus) zählt innerhalb der Familie der Tellerschnecken (Planorbidae) zur Gattung Anisus. Im Englischen wird die Zierliche Tellerschnecke ramshorn snail genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Die Deutsche Malakozoologische Gesellschaft wählte in Kooperation mit dem NABU am 10. Dezember 2010 die Zierliche Tellerschnecke (Anisus vorticulus) zum Weichtier des Jahres 2011. Weil sie daher intensiv erforscht und ihre Lebensräume europaweit geschützt werden müssen, die Art in der Öffentlichkeit aber weitgehend unbekannt ist, wurde sie als Weichtier des Jahres ausgewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Gehäuse ist 0,7 bis 0,8 Millimeter hoch und bis zu 5,0 Millimeter im Durchmesser. Im Allgemeinen ist das Gehäuse in eine flache Scheibe aufgerollt, das Gewinde ist daher nicht erhoben oder bisweilen sogar eingesenkt, oft genabelt. Die 5 bis 5,5 Umgänge oben und unten sind sichtbar und sind auf der Ober- und Unterseite konvex gewölbt. Die Mündung ist durch die Mündungswand stets mehr oder weniger mondförmig ausgeschnitten, und durch den vorgezogenen Aussenrand schief. Der Mundsaum ist einfach, meit durch eine Lamelle auf der Mündungswand verbunden. Das Gehäuse weist eine gelblich-graue oder bräunlich-graue Tönung auf und ist dicht und sehr fein gestreift, daher etwas seidenglänzend. Die Naht ist ziemlich tief gelegen und der äusserste Umgang ist unten stumpf gekielt.
Tellerschnecke
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Tellerschnecke
Des Weiteren ist die Mündung eckig gerundet. Das bräunlich-grau gefärbte Tier selbst ist ziemlich schlank, der Kopf ist in einen vorne ausgerandeten breiten Lappen vorgezogen und mit zwei wenig zusammenziehbaren, langen borstenförmigen, an der Basis etwas verdickten und nach innen die Augen tragenden Fühlern versehen. Der Fuss ist ziemlich kurz, gleich breit, vorn abgestutzt und hinten gerundet.

Lebensweise

Die natürlichen Lebensräume sind Flussauen und Seen. Dort bewohnt die Zierliche Tellerschnecke wasserpflanzenreiche Altwässer. Bevorzugt werden auch Teiche, die reichlich mit Wasserlinsen bedeckt sind. Des Weiteren findet man die Zierliche Tellerschnecke auch in sonnendurchfluteten, pflanzenreichen Flachwasserbereichen, die jedoch nicht zu nährstoffreich sein dürfen. Sie bevorzugt vor allem Zonen in Oberflächennähe und lebt in der Vegetation. Im Grunde genommen ist die Zierliche Tellerschnecke bezüglich der Gewässer sehr tolerant, meidet jedoch längeres völliges Austrocknen und Versalzen oder Brackwasser im Küstenbereich. Wenn die Zierliche Tellerschnecke in Gefahr ist oder gereizt wird, dann sondert sie einige Tropfen trüben Purpursaft aus.

Verbreitung

Auch wenn die Zierliche Tellerschnecke sehr selten ist, so weist doch ein großes Verbreitungsgebiet auf. Die Zierliche Tellerschnecke kommt in folgenden Ländern vor: Albanien, Belgien, Bulgarien (Schabla Lake, Lake Srebarna, Arkutino Marsh und im Überschwemmungsgebiet am Iskar in der Nähe von Sofia), Schweiz, Tschechische Republik, Deutland, Dänemark, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Ungarn, Italien, Litauen, Lettland, Mazedonien, Niederlande, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Schweden, Slowenien, Slowakei und Ukraine. Ihre natürlichen Habitate sind Seen, Sümpfe, überschwemmte Flächen in der Nähe von Flüssen sowie in aquatischer Vegetation.

Ernährung

Iskar in der Nähe von Sofia
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Iskar in der Nähe von Sofia

Die Zierliche Tellerschnecke ernährt sich von Grünalgen, abgestorbenen Pflanzenteilen und Detritus. Vorwiegend ernährt sie sich jedoch von Detritus. Intakte Wasserpflanzen nimmt die Zierliche Tellerschnecke nicht zu sich.

Fortpflanzung

Alle Tellerschnecken (Planorbidae) sind Hermaphroditen, haben eine Zwitterdrüse, einen Zwittergang, einen Legedarm (Oviduct), eine Samentasche, einen Samenleiter (Vas deferens), einen Penis und ein meist sehr voluminös entwickeltes gelapptes Organ, eine Prostata. Nicht artbeständig sind die kleinen Divertikel am Ductus hermaphroditicus (Zwittergang), die Eiweissdrüse und der im Eingang befindliche Kalkstachel. Sie laicht im Frühjahr und im Herbst oberhalb einer Temperatur von etwa 15 Grad Celsius. Das Temperaturoptimum liegt bei 19 bis 20 Grad Celsius. Die Eier werden in unregelmässig runde, flache, 5 bis 40 Stück enthaltende Laichklumpen gehüllt, die an verschiedenen Orten, meist an der Unterseite auf, dem Wasser schwimmender Blätter abgelegt werden. Aus den Eiern schlüpfen dann fertig entwickelte Jungschnecken.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Michael P. Kerney, Robert A. D. Cameron, Dr. Dr. Jürgen H. Jungbluth: Die Landschnecken Nord- und Mitteleuropas. Ein Bestimmungsbuch für Biologen und Naturfreunde. Hamburg und Berlin, Verlag Paul Parey, 1983 ISBN 3-490-17918-8
  • Dr. Václav Pfleger: Schnecken und Muscheln Europas. Land- und Süßwasserarten. Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart 1984 ISBN 3-440-05261-3
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Rupert Riedl, Prof. Dr Erich Thenius: Weichtiere Stachelhäuter. Dritter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Rosina Fechter/Gerhard Falkner: Weichtiere. Europäische Meeres- und Binnenmollusken. Herausgegeben von Gunter Steinbach, Illustriert von Fritz Wendler. 1990 Mosaik Verlag GmbH, München 54321, Gesamtherstellung Mohndruck Graphische Betriebe GmbH, Gütersloh. Printed in Germany. ISBN 3-570-03414-3
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