Zodarion germanicum

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Zodarion germanicum

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Zodarioidea
Familie: Ameisenjäger (Zodariidae)
Gattung: Zodarion
Art: Zodarion germanicum
Wissenschaftlicher Name
Zodarion germanicum
(Koch, 1837)

Die Spinnenart Zodarion germanicum, auch unter dem Synonym Lucia germanica bekannt, gehört innerhalb der Familie der Ameisenjäger (Zodariidae) zur Gattung Zodarion.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Diese relativ kleine Art ist besonders durch ihre Augenstellung gekennzeichnet. Vorn in der Stirnmitte liegt ein Paar größerer Augen, daneben liegen jederseits, in einem nach innen gekrümmten Bogen angeordnet, 3 kleinere. Die Spinne erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 3,5 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 5 Millimeter. Der Vorderkörper weist eine dunkelbraune Färbung auf, während der Hinterkörper fast schwarz mit einem deutlichen, grünmetallischen Schimmer erscheint. Die Beine sind von einer hellbraunen Färbung, wobei die Schenkel dunkelbraun getönt sind. Zodarion germanicum ähnelt sehr der verwandten Spinnenart Zodarion gallicum, wobei der Vorderkörper der letztgenannten Art dunkel rotbraun bis schwarz gefärbt und glänzend ist. Ferner weist der Körper eine zylindrische Form auf. Die reifen Tiere von Zodarion germanicum trifft man von Juni bis August. Ab Juli kann man in dem Schlupfwinkel des Weibchens den Eikokon finden.

Lebensweise

Die Art lebt in der Nähe von Ameisennestern oder Ameisenstraßen, meist in der Nähe von Waldameisen (Formica). Ihr Schlupfwinkel ist ein allseits geschlossenes, kugelförmiges Gespinst von etwa drei bis fünf Millimeter im Durchmesser, dessen Oberfläche ganz mit Sandkörnern, kleinen Holzstückchen und ähnlichen Teilen aus der Umgebung bedeckt ist. Meistens sind langgestreckte Materialien, wie Kiefernnadelbruchstücke, mit in der Verkleidung enthalten. Oft finden sich mehrere dieser charakteristischen Behausungen dicht nebeneinander unter Holzstückchen oder Steinen. Die Lebensweise von Zodarion germanicum birgt offenbar zahlreiche Gefahren. So findet man beispielsweise unter fünf ausgewachsenen Spinnen nur eine, die noch alle Beine besitzt, unter den übrigen Tieren ist dann manchmal ein fünfbeiniges Männchen zu finden, das trotz der fehlenden Beine weiterhin erfolgreich Ameisen (Formicidae) jagen kann. Zodarion germanicum ist eine wärmebedürftige, südliche Spinne und kommt bei uns sehr selten vor.

Verbreitung

Die Art lebt vor allem auf warmen Sandböden am Rand von Kiefernwäldern, daneben findet man die Spinne auch auf steinigen Trockenrasen. In Mittel- und Süddeutschland ist sie ziemlich selten anzutreffen, zum Beispiel an warmen Stellen im nördlichen Bayern, in der Umgebung von Würzburg und im Raum Erlangen-Nürnberg. Hier lebt die Spinne unter Steinen und Flechten an ziemlich trockenen Stellen und kann hauptsächlich im Sommer gefunden werden. Nach der Roten Liste in Deutschland ist die Art gefährdet.

Ernährung

Die Spinne Zodarion germanicum ist eine spezialisierte Ameisenjägerin, die sich während der Ruhepause in einem allseits geschlossenen, von außen getarnten Gespinst aufhält. Zum Beutefang läuft die Spinne zwischen Ameisen (Formicidae) umher. Sobald die Spinne mit einer Ameise zusammentrifft, weicht sie blitzschnell zurück und pirscht sich, einem Raubtier gleich, in einem Bogen um die Beute herum, um dann blitzschnell von hinten gegen den Hinterleib der Ameise vorzustoßen. Dabei versetzt sie dieser Ameise einen Giftbiß in den Hinterleib, vielleicht auch in die Basis eines der Hinterbeine, und weicht ebenso schnell wieder zurück. Die Ameise setzt zunächst ihren Weg unbeeindruckt fort, beginnt aber nach etwa einer Minute zu taumeln und fällt schließlich um. Jetzt begibt sich die bis dahin ruhig wartende Spinne auf die Suche nach der inzwischen wehrlosen Beute, die sie möglicherweise anhand einer von dieser hinterlassenen Duftspur aufspürt. Hat die Spinne die Ameise gefunden, prüft sie vorsichtig tastend, ob sich die Ameise noch bewegt. Erst wenn diese reglos geworden ist, wird die Beute in ein Versteck gezerrt und von der Spinne ausgesogen. Diese Jagdmethode scheint nicht ungefährlich zu sein, denn oft findet man Exemplare, denen ein oder mehrere Beine fehlen, doch selbst fünfbeinige Tiere können weiterhin erfolgreich jagen.

Fortpflanzung

Die reifen Tiere findet man von Juni bis August. Ab Juli kann man in dem Schlupfwinkel des Weibchens einen birnenförmigen Eikokon finden. Die Jungspinnen schlüpfen noch im gleichen Jahr und gehen sofort selbständig auf die Ameisenjagd.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
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