Zweifarbige Schneckenhausbiene

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Zweifarbige Schneckenhausbiene

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Teilordnung: Stechimmen (Aculeata)
Überfamilie: Bienen und Grabwespen (Apoidea)
Familie: Megachilidae
Gattung: Mauerbienen (Osmia)
Art: Zweifarbige Schneckenhausbiene
Wissenschaftlicher Name
Osmia bicolor
(Schrank, 1781)

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene (Osmia bicolor), auch unter dem Synonym Neosmia bicolor bekannt, zählt innerhalb der Familie Megachilidae zur Gattung der Mauerbienen (Osmia). Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Der Arbeitskreis Wildbienen-Kataster wählte in Kooperation mit dem NABU die Zweifarbige Schneckenhausbiene zur Wildbiene des Jahres 2013.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ist eine kleine Biene und erreicht eine Körperlänge von etwa 9,0 bis 10,0 Millimeter. Das Weibchen wirkt leicht klobig und ist mit schwarzen Härchen am Kopf und am Thorax besetzt. Das Abdomen weist eine rostfarbene Tönung auf. Die Beine sind zweifarbig gefärbt, d. h. die Tarsen haben rötlich gefärbte Härchen und die Oberschenkel sind mit schwarzen Härchen besetzt. Das Männchen ist im Gegensatz zum Weibchen in der Körperform ein wenig schlanker. Am Kopf, am Thorax und am Abdomen zeigen sich gelblich-grau gefärbte Härchen. Die hinteren Tergiten sind von einer rötlich-gelben Farbe. Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ähnelt sehr der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta), ist jedoch kleiner und das Weibchen weist einen gehörnten Kopfschild auf.

Lebensweise

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ist weit verbreitet und bevorzugt Trockenrasen, Wälder und Kies. Die Flugzeit erfolgt zwischen März und Juni. Einige Weibchen sind noch Anfang Juli zu beobachten. Wie der Name schon andeutet, legt das Weibchen ein Ei in den Schneckenhäusern der Familie der Schnirkelschnecken (Helicidae).
Zweifarbige Schneckenhausbiene
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Zweifarbige Schneckenhausbiene
Anfang März verlassen die Männchen das Schneckenhaus, wo das Weibchen ein Ei im Frühjahr des vergangenen Jahres gelegt hat. Die Männchen beginnen mit der Suche nach Schneckenhäusern, während sich die Weibchen noch in ihrem Kokon aufhalten. Die Weibchen erscheinen zwei Wochen später nach den Männchen.

Verbreitung

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ist vom nördlichen Südeuropa bis zum südlichen Nordeuropa verbreitet. Sie kommt in ganz Deutschland und vereinzelt im Norden vor. In den Alpen ist die Zweifarbige Schneckenhausbiene in einer Höhe bis zu 2.000 Meter anzutreffen. Die Lebensräume sind Kalkgebiete, strukturreiche Waldränder, Hecken, Brachen, Böschungen und Parkanlagen.

Ernährung

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene besucht verschiedene Blumen wie Löwenzahn (Taraxacum officinale), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) oder Kriechende Günsel (Ajuga reptans), um Nektar und Pollen für die Larven zu sammeln.

Fortpflanzung

Weinbergschnecke (Helix pomatia)
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Weinbergschnecke (Helix pomatia)
Ein Wohungsspezialist besonderer Art ist die Zweifarbige Schneckenhausbiene. Das Weibchen sucht nach erfolgreicher Paarung leere Schneckenhäuser der Bänderschnecken (Cepaea) und der Schnirkelschnecken (Helicidae) wie zum Beispiel der Weinbergschnecke (Helix pomatia). Hat das Weibchen ein geeignetes Schneckenhaus gefunden, kontrolliert das Weibchen die Innenseite und bewegt dann das Schneckenhaus, so dass die Öffnung nach unten zeigt. Danach sammelt das Weibchen Fragmente von Pflanzenblättern, oft von Rosengewächsen (Rosaceae). Diese werden mit Speichel zerkaut und geknetet. Ganz üblich lagert das Weibchen den üblichen Pollenhonig-Vorrat, legt ein Ei darauf und verschließt die Brutkammer mit einer Querwand aus zerkauten Blättern. Den übrigen Schneckenhausgang füllt das Weibchen mit kleinen Steinchen, um am Ausgang noch einmal eine Verschlusspforte aus erhärtetem Blattpüree anzubringen. Danach dreht das Weibchen oft das Schneckenhaus in mühsamer Schwerstarbeit mit der Öffnung nach unten, und wenn noch ein Spalt zum Boden offen ist, untergräbt das Weibchen das Haus und schafft die störenden Erdbrocken beiseite. Anschließend trägt das Weibchen in zahlreichen Transportflügen trockene Halme, Kiefernnadeln und dünne Ästchen herbei und überdeckt damit zeltartig die Wohnung, so dass davon kaum noch etwas sichtbar ist. Das Weibchen flicht auch noch Moosstückchen und kleine Grasstängelchen hinein und verklebt alles mit dem Speichel, damit das Zeltdach nicht vom Wind fortgetragen werden kann. Für diese Arbeit sind etwa zwei Tage nötig. Mehr als sechs bis sieben Nester schafft das Weibchen nicht in seinem Leben - vorausgesetzt, das Weibchen findet überhaupt die nötigen leeren Schneckenhäuser. Immerhin gibt es auch etwas ökonomischer arbeitende Mauerbienen, die nicht nur eine, sondern mehrere Zellen hintereinander in einem Schneckenhaus anlegen. Sie suchen sich dann auch entsprechend große Gehäuse dafür aus. Die Zweifarbige Schneckenhausbiene legt in einer Saison fünf bis sieben Eier. Angesichts der außergewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen, die das Weibchen beim Nestbau unternimmt, ist die Rate des Nest-Parasitismus sehr gering.
Hain-Bänderschnecke (Cepaea nemoralis)
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Hain-Bänderschnecke (Cepaea nemoralis)
Nach dem Schlüpfen ernähren sich die Larven von den Nektar- und Pollen-Vorräten, die das Weibchen angelegt hat. Die Larven verwandeln sich vor Erreichen des Erwachsenenalters (Imago) in eine Puppe.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Karl Weiß: Bienen und Bienenvölker. Verlag: C.H.Beck; Auflage: 1 (24. September 1997). ISBN 3406418678
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
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