Zwerg-Otterspitzmaus

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Zwerg-Otterspitzmaus
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Afrotheria
Ordnung: Tenrekartige (Afrosoricida)
Familie: Tenreks (Tenrecidae)
Unterfamilie: Otterspitzmäuse (Potamogalinae)
Gattung: Kleine Otterspitzmäuse (Micropotamogale)
Art: Zwerg-Otterspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Micropotamogale lamottei
Heim de Balsac, 1954

IUCN-Status
Least Concern (EN)

Die Zwerg-Otterspitzmaus (Micropotamogale lamottei) zählt innerhalb der Familie der Tenreks (Tenrecidae) zur Gattung der Kleinen Otterspitzmäuse (Micropotamogale). Im Englischen wird die Art Nimba Otter Shrew oder Pygmy Otter-shrew genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Zwerg-Otterspitzmaus erreicht eine Gesamtlänge von 244 bis 258 mm und ein Gewicht von 53 bis 71 g. In der äußeren Anatomie ähneln Zwerg-Otterspitzmäuse den Ottern (Lutrinae), worauf auch die Namensgebung beruht. Die Tiere lassen sich auch mit Bisamratten (Ondatra) und anderen aquatischen Nagetieren vergleichen. Das Fell ist gleichmäßig braun gefärbt, der rundliche Körper wird durch relativ kurze Beine getragen. Der eher kleine Schwanz ist ausgesprochen muskulös. Schwimmhäute zwischen den Zehen sind, anders als bei der Ruwenzori-Otterspitzmaus (Micropotamogale ruwenzorii), nicht vorhanden. Eine aquatische Spezialisierung läßt sich von der Anatomie her gesehen demnach nicht ableiten. Die Zwerg-Otterspitzmaus kann aufgrund der fehlenden Spezialisierung eine breitere ökologische Nische abdecken. Zwichen den Geschlechtern zeigt sich ein nur geringer Dimorphismus. Weibchen bleiben rund 10% kleiner und leichter als Männchen.

Lebensweise

Zwerg-Otterspitzmäuse sind nachtaktiv und führen eine semi-aquatische Lebensweise. Sie leben hauptsächlich einzelgängerisch und halten sich meist in der Nähe eines Ufers auf, wo die Tiere auch auf die Jagd nach Schalentieren, Krebstieren und Fischen gehen. Die Tiere gelten aus territorial, die Geschlechter treffen im Wesentlichen nur zur Paarung aufeinander. Zwerg-Otterspitzmäuse gelten als exzellente Schwimmer und Taucher. Beim Schwimmen wird der Schwanz seitlich bewegt, die Füße sorgen für den nötigen Vortrieb. Die Vibrissen dienen der Orientierung, wobei in den Vibrissen zahlreiche Sinneszellen vorhanden sind. Außerhalb des Wassers verbringen Zwerg-Otterspitzmäuse viel Zeit mit der Fellpflege. Der Geruchssinn ist nur mäßig entwickelt und ist für die Orientierung nicht von großer Relevanz. Dies hängt wahrscheinlich mit der semi-aquatischen Lebensweise zusammen.

Verbreitung und Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet der Zwerg-Otterspitzmaus erstreckt sich im westlichen Afrika über das Grenzgebiet der Elfenbeinküste, Guinea und Liberia. Die Vorkommen sind als endemisch zu bezeichnen, da sich nach Angaben der IUCN das Verbreitungsgebiet über lediglich 1.500 bis maximal 5.000 km² erstreckt. Montane Wälder mit kleinen Flüssen und Strömen sowie Sumpfgebiete gehören zum natürlichen Lebensraum. In der Nähe des Menschen ist die Art auch auf Reisfeldern und ähnlich feuchten Habitaten zu finden. Die Siedlungsdichte ist ungewöhnlich niedrig. Man geht von einer Siedlungsdichte von einem Tier je 10 m² aus. Zwerg-Otterspitzmäuse sind zudem nur selten zu beobachten.

Biozönose

Prädatoren

Aufgrund der nachtaktiven Lebensweise hat die Zwerg-Otterspitzmaus nur wenige natürliche Feinde. Bei Gefahr flüchten die Tiere ins Wasser und können leicht 10 bis 15 Minuten unter Wasser verweilen. Um Sauerstoff zu sparen, wird der Stoffwechsel während eines Tauchvorganges deutlich redutziert.

Ernährung

Als Fleischfresser ernährt sich die Zwerg-Otterspitzmaus hauptsächlich von Fischen (Osteichthyes), Insekten (Insecta), Weichtieren (Mollusca) wie Muscheln (Bivalvia) sowie von Krebstieren (Crustacea). Die Jagd erfolgt an Land, am Ufer oder im Flachwasserbereich. Zwerg-Otterspitzmäuse jagen dabei sowohl unter als auch über Wasser. Die Orientierung bei der Jagd erfolgt über den Tastsinn. Die Vibrissen spielen hierbei eine große Rolle.

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Zwerg-Otterspitzmäuse ist nur wenig bekannt. Man geht davon aus, dass die elterliche Fürsorge für den Nachwuchs relativ hoch ist. Die Tragezeit erstreckt sich über 50 Tage. Ein Weibchen bringt 1 bis 4 (2,5) Jungtiere zur Welt. Diese werden über einen Zeitraum von knapp 6 Wochen (rund 40 Tage) gesäugt. Der Nachwuchs kommt nackt und blind, jedoch mit schon voll entwickelten Vibrissen zur Welt. Das erste Fell ist im Alter von 11 Tagen vollständig vorhanden, die Augen öffnen sich im Alter von 23 Tagen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Über die Rolle im Ökosystem liegen nur wenige Informationen vor. Dies liegt wahrscheinlich an der extrem niedrigen Siedlungsdichte. Auch der Einfluss auf die Vorkommen an Beutetieren dürfte daher sehr gering sein. Die Zwerg-Otterspitzmaus gilt heute als stark gefährdet. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie EN, Endangered, geführt. Dies hängt nach angaben der IUCN zum einen mit dem kleinen Verbreitungsgebiet, zum anderen mit der Vernichtung und Zersiedelung der natürlichen Lebensräume zusammen.

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Tenreks (Tenrecidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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