Zwergwildschwein

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Zwergwildschwein

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia)
Überfamilie: Suoidea
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Unterfamilie: Schweineartige (Suinae)
Tribus: Suini
Gattung: Sus
Art: Zwergwildschwein
Wissenschaftlicher Name
Sus salvanius
Hodgson, 1847

IUCN-Status
Critically Endangered (CR) - IUCN

Das Zwergwildschwein (Sus salvanius) gehört innerhalb der Familie der Echten Schweine (Suidae) zur Gattung Sus. Im Englischen wird diese Zwergwildschwein Pygmy Hog genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Zwergwildschwein ist die kleinste Schweineart in der Familie der Echten Schweine (Suidae). Aufgrund der hochgradigen Gefährdungssituation gehört es zudem zu den seltensten Säugetierarten der Erde. Das Zwergwildschwein erreicht eine Körperlänge von 55 bis 70 (65) Zentimeter, eine Schulterhöhe von 20 bis 30 (25) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 7 bis 11,5 (9) Kilogramm (Durchschnittswerte in Klammern). Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter als Männchen. Die Haut ist gräulich gefärbt, die borstenartigen Haare weisen eine schwarzbraune Färbung auf. Das Gesicht weist keine Warzen auf. Die Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 3 Paar Zitzen.

Lebensweise

Zwergwildschweine sind gesellige Schweine und leben in kleinen Familiengruppen, die eine Gruppenstärke von 4 bis 6 Tieren aufweisen. Größere Gruppen von bis zu 20 Individuen sind heute kaum noch anzutreffen. Eine Gruppe besteht meist aus einem oder zwei Weibchen sowie deren Nachwuchs. Männchen leben meist einzelgängerisch oder in kleinen Junggesellentrupps. Zwergwildschweine sind nicht oder nur wenig territorial und leben in kleinen, meist bis zu 20 Hektar großen Revieren. Während der Ruhephase halten sich Zwergwildschweine in Nester auf. Es handelt sich um einfache Mulden in schützender Vegetation, die mit weichen Pflanzenteilen ausgelegt sind. In derartigen Nestern, die kaum einen Durchmesser von einem Meter aufweisen, bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Innerhalb ihres Streifreviers nutzen Zwergwildschweine angestammte Trampelpfade. Dies hat sie in der Vergangenheit für Wilderer leicht auffindbar gemacht.

Verbreitung

Ursprünglich waren Zwergwildschweine von Nepal über Bhutan bis ins nordöstliche Indien und Bangladesh verbreitet. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich vom indischen Bundesstaat Uttar Pradesh bis nach Assam. Heute kommt die Art nur noch in wenigen geschützten Nationalparks im Nordosten von Indien vor. In Bangladesh gilt die Art seit Jahrzehnten als ausgerottet. Zwergwildschweine bevorzugen Grünland und Savannen in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer. Hohe Vegetation bietet den Tieren Schutz und Nahrung. Die Lebensräume sind insbesondere von Süßgräsern (Poaceae) wie Zuckerrohr (Saccharum) und ähnlichen Gewächsen geprägt.

Prädatoren

Prädator: der Rothund (Cuon alpinus)
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Prädator: der Rothund (Cuon alpinus)

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören vor allem der Rothund (Cuon alpinus) und größere Pythons (Python). Der gefährlichste Feind ist jedoch der Mensch, der den Zwergwildschweinen in der Vergangenheit wegen des Fleisches gejagt hat.

Ernährung

Zwergwildschweine gehören wie alle Schweine zu den Allesfressern. Sie verfügen über gut entwickelte Zähne und nach unten gerichteten Eckzähnen. Die Backenzähne sind mit abgerundeten Kronen versehen. Zur bevorzugten Nahrung gehören Wurzeln, Knollen und andere pflanzliche Kost. Aber auch Vogeleier, Insekten (Insecta), Larven und kleinere Wirbeltiere (Vertebrata) werden nicht verschmäht. Zwergwildschweine wenden zwischen 6 und 8 Stunden pro Tag für die Nahrungssuche auf.

Fortpflanzung

Zwergwildschweine erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 2,5 bis 3 Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den subtropischen Regionen über die Regenzeit (Monsunzeit). Dies ist im nördlichen Indien von April bis Mai der Fall. Die Brunft der Zwergwildschweine bezeichnet man auch als Rauschzeit. Zwergwildschweine leben in einer polygamen Beziehung. Die Männchen treffen nur während der Paarungszeit aufeinander und trennen sich nach der Kopulation wieder. Nach einer Tragezeit von gut 100 bis 108 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Nest in schützender Vegetation 2 bis 6, meist jedoch 3 bis 4 Jungtiere (Frischlinge) zur Welt. Der Nachwuchs weist ein Geburtsgewicht von 160 bis 200 Gramm auf. Die Jungtiere werden von ihr insgesamt für drei bis vier Monate gesäugt. Dazu verfügt sie über drei Paar Brustwarzen. Die Jungtiere verbleiben in den ersten Tagen ausschließlich im Nest. Die Ferkel bleiben etwa für ein Jahr bei der Mutter ehe sie die Selbständigkeit erreichen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei rund 10 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Um das Zwergwildschwein steht es heute sehr schlecht, wahrscheinlich so schlecht, dass die Art kaum noch zu retten ist. Die Art ist heute in weiten Teilen ihres ehemaligen Verbreitungsgebietes verschwunden. Die Art steht kurz vor dem Aussterben. In der Roten Liste der IUCN wird das Zwergwildschwein daher als kritisch gefährdet (CR, Critically Endangered) geführt. Im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) wird das Zwergwildschwein in Anhang I des Abkommens geführt. Hauptursache für die bevorstehende Ausrottung ist die weitflächige Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie die starke Bejagung durch den Menschen. Vor allem die zum Teil sehr arme einheimische Bevölkerung stellt den Tieren wegen dem Fleisch nach. Das Fleisch wird für den Eigenverbrauch gejagt oder landet im Verkauf auf den lokalen Fleischmärkten.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Links

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